Seine Defensivstärke ist der große Trumpf von Daniel Theis (rechts). Foto: AP

Die deutsche Basketballauswahl steht im Viertelfinale der Europameisterschaft. Daniel Theis hat dank seiner 22 Punkte beim Achtelfinal-Coup gegen Frankreich großen Anteil daran.

Stuttgart - Die NBA lernt Deutsch. In der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA stehen in der nächsten Saison fünf Spieler mit dem Label „Made in Germany“ unter Vertrag – so viele wie noch nie. Zu Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks), Dennis Schröder (Atlanta Hawks) und Paul Zipser (Chicago Bulls) gesellen sich fortan Maximilian Kleber (Dallas Mavericks) und Daniel Theis (Boston Celtics).

Klar, dass die deutsche Nationalmannschaft angesichts von so viel Potenzial erstmals seit zehn Jahren wieder bei einer Europameisterschaft steht, könnte man da meinen. Allerdings zählen nur zwei der fünf NBA-Profis zum Team, das nach seinem 84:81-(34:40-)Coup am Samstag gegen Frankreich am Dienstag (17.45 Uhr) in Istanbul auf den Topfavoriten Spanien trifft, der am Sonntag den Gastgeber Türkei mit 73:56 (33:25) besiegte. Dirk Nowitzki, mittlerweile 39, steht altershalber nicht mehr zur Verfügung. Paul Zipser und Maximilian Kleber haben sich vor ihrer zweiten respektive ersten Saison in der besten Liga der Welt dazu entschieden, sich voll auf die Vorbereitung bei ihren Vereinen zu konzentrieren.

Effektiver Einwechselspieler

Daniel Theis hat sich anders entschieden. Er ist wie sein Kumpel Dennis Schröder, der seit 2016 Stammspieler in Atlanta ist, bei der Europameisterschaft dabei. Dabei muss der aus Salzgitter stammende 25-Jährige ebenso wie Paul Zipser und Maximilian Kleber bei seinem neuen Club in Boston um seinen Platz und jede Minute Spielzeit kämpfen.

Viel Spielzeit braucht Daniel Theis allerdings gar nicht, um zu glänzen. Genau das ist seine Stärke, genau deshalb haben die Celtics ihn verpflichtet. Auch in seinen drei Jahren beim deutschen Meister Brose Baskets Bamberg mit drei Titelgewinnen kam der defensivstarke 2,04-Meter-Mann zuletzt schon von der Bank und spielte weniger als 20 Minuten. Doch in dieser Zeit war er richtig effektiv, räumte energisch unterm Korb auf und sicherte sich nicht zuletzt dank seiner herausragenden Blockfähigkeiten den Titel als bester Verteidiger der Bundesliga.

Bester Werfer gegen Frankreich mit 22 Punkten

Dass er aber auch im Angriff einen Beitrag leisten kann, besonders dank seiner bemerkenswerten Qualitäten als abrollender Blocksteller bei sogenannten Pick-and-Roll-Spielzügen, zeigte er nicht zuletzt im EM-Achtelfinale gegen Frankreich. Mit 22 Punkten war er nach seiner Einwechslung der beste Werfer noch vor dem Star Dennis Schröder (21 Zähler); der Spielmacher brauchte lange, um ins Spiel zu kommen. Daniel Theis sprang für den zweitbesten Punktesammler der EM-Vorrunde (23,6 im Durchschnitt) in die Bresche. Er glänzte mit krachenden Dunkings, verwandelte auch seine beide Versuche von jenseits der Dreipunktelinie und macht damit den Bundestrainer Chris Fleming unverhofft glücklich. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich, bevor ich mich gestern hingelegt habe, zum lieben Gott gebetet habe, dass wir endlich ein paar Dreier treffen würden. Ich habe auch ein paar Namen genannt, aber Daniel war keiner davon“, sagte der scheidende Coach, der sich nach dem Turnier auf seinen Job als Assistent beim NBA-Club Brooklyn Nets konzentrieren wird.

Bis zum 15. Lebensjahr stehen andere Sportarten höher im Kurs

Daniel Theis ist ein Mann für gewisse Minuten, aber bei weitem kein kompletter Spieler. Schwächen machen sich besonders in der Ballbehandlung bemerkbar, was aber auch kein Wunder ist. Denn bis zu seinem 15. Lebensjahr standen Handball, Tischtennis und vor allem Fußball bei ihm höher im Kurs. Erst dann entdeckte er in Braunschweig Basketball für sich und folgte dem Vorbild seines zehn Jahre älteren Bruders Frank, der es bis in die zweite Liga brachte.

Daniel Theis schaffte es dank seiner herausragenden Athletik sogar ein paar Schritte weiter. Bundesliga. Nationalmannschaft. Bald NBA. Aber erst einmal steht noch das EM-Viertelfinale an. „Keiner hätte erwartet, dass wir Frankreich schlagen“, sagte der Salzgitteraner. „Wir können nun einfach nur Spaß haben und das Spiel genießen.“ Alles ist möglich, findet sein Kumpel Dennis Schröder: „Wir können jeden schlagen, wenn wir alles richtig machen. Wir dürfen keine Angst haben.“

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