Designliebhaber und CEO von "ClassiCon" Oliver Holy mit dem Sofa Odin von Konstantin Grcic. Foto: Mark Seelen

Neben den Möbelklassikern von Eileen Grey präsentiert "ClassiCon" zeitgenössisches Design von Konstantin Grcic, Sebastian Herkner und Tilla Goldberg. Im Interview mit architare Geschäftsführerin Barbara Benz spricht Oliver Holy über Möbel, die uns auch noch nach Jahrzehnten faszinieren und darüber, wie er immer wieder neue Designer für seine Kollektion entdeckt.

Barbara Benz, Geschäftsführerin architare: Herr Holy, von Ihnen als CEO von "ClassiCon" wird erwartet, dass Sie die Klassiker von morgen entwickeln. Wie funktioniert das?

Das ist gar nicht so einfach, vor allem nie planbar. Am ehesten vertraue ich meinem Bauchgefühl. Ich müsste hellsehen können, um zu wissen, welcher Entwurf das Zeug zum Klassiker hat. Trotzdem gibt es natürlich eine Klammer, unter der sich meine Auswahl wiederfindet. Ganz wichtig ist die Qualität eines Entwurfs, seine Eigenständigkeit. Er muss mich berühren, überraschen und trotzdem eine gewisse Klarheit haben.

Was muss einen Entwurf ausmachen, damit er uns auch noch in 20, 30 oder gar hundert Jahren fasziniert?

Natürlich muss ein Entwurf im besten Sinne zeitlos sein und einem Gefühl für Proportion und Materialität entsprechen. In ihrer Zeit sind es oft die außergewöhnlichen und markanten Lösungen, in deren Form man sich möglicherweise erst eindenken muss, die später als Klassiker gelten. Sie stehen dann als Ursprung einer Trendwende, für die Entdeckung eines Materials, für die Befreiung von einer Doktrin.

Können Sie hierfür Beispiele aus der "ClassiCon" Kollektion nennen?

Der "Bell Table" von Sebastian Herkner zum Beispiel stellt alles auf den Kopf. Glas als Fuß und den Metalltrichter als Top. Das Schwere auf dem Leichten. Eileen Grays "Adjustable Table E1027" ist einer von wenigen Beistelltischen, die so geschickt höhenverstellbar und an einem Griff leicht transportierbar sind. Ein absolut moderner Entwurf, dessen Ästhetik und Vielseitigkeit bis heute ihre Gültigkeit haben, obwohl der "Adjustable Table E1027" bereits 1926 aus Stahlrohr gefertigt wurde.

Hat auch der Stuhl Aërias von Tilla Goldberg - den Sie auf dem Salone del Mobile 2019 gerade präsentiert haben - das Potenzial, ein Klassiker von morgen zu werden?

Absolut. Das klassische Wiener Geflecht, das wir seit mehr als 150 Jahren für Möbel kennen, ist hier vielfach vergrößert und bekommt eine ganz neue grafische Qualität. Eine bekannte Optik überrascht hier durch eine moderne Interpretation und bedient sich eines Handwerks, das zu den ältesten der Menschheit gehört und von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe gezählt wird: Handgeflochtene Lederbänder bilden Sitz- und Rückenflächen, die sich angenehm der Körperform anpassen. Der Stuhl Aërias ist modern, neu und zeitlos: gute für einen zukünftigen Klassiker.

Wie finden Sie Designer, die den hohen Qualitätsanspruch von "ClassiCon" erfüllen?

Man muss mit offenen Augen durch die Welt gehen, sich interessieren, viel, viel anschauen. Im Austausch mit Künstlern, Galeristen, Architekten und Journalisten lernt man unentwegt. Neugier und die Liebe zum Design bringen mich mit solchen Designern in Kontakt. Manchmal finden sie auch mich, weil sie die Qualität unserer sehr individuell kuratierten Kollektion schätzen und gerne mit uns zusammenarbeiten möchten.

Sie waren auch der "Entdecker" von Sebastian Herkner, mittlerweile einer der gefragtesten Designer der Branche. Wo sind Sie Sebastian Herkner und seinen Produkten zum ersten Mal begegnet?

Interessanterweise habe ich ihn und seinen Tisch in einer alten Ausgabe des Wallpaper * magazine gesehen und ihn daraufhin kontaktiert.

Sie arbeiten wie ein Kurator. Haben Sie konkrete Vorstellungen von den Möbeln, die Sie gerne im Programm hätten? Wenn ja, über was denken Sie derzeit nach?

Sicherlich habe ich etwas von einem Kurator, verfolge aber keine konkrete Strategie zur Programmentwicklung. Es ist eher ein Flanieren durch die Möbelwelt. Manchmal entdeckt man ein Möbel, von dem man nie geplant hatte, es in die Kollektion aufzunehmen, aber der Bauch sagt einem trotz alledem: Mach es.

Die Fragen stellte Barbara Benz, Geschäftsführerin von architare

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