Er schwadroniert, feixt und gestikuliert: Rolf Miller in Bühnenpose Foto: Sandra Schuck

Wenn Rolf Miller durch die Augen eines Ignoranten die Welt erklärt und das sehr plausibel wirkt, könnte einem angst und bange werden – wenn man aus dem Lachen herauskäme.

Stuttgart - „Man darf nicht immer alles glauben, was man denkt“, sagt Rolf Miller am Mittwochabend in der Rosenau, und es klingt wie ein Mantra für seine halbintelligente, halbgebildete, halbinformierte Bühnenfigur, die mit ihren Freunden Achim und Jürgen ein unterkomplexes Provinzdasein führt. „Rein optisch ist die Musik in Ordnung“, sagt dieser Mann über Helene Fischer. Sein gestriges Abendessen war „hundert Prozent vegan – frei“, er findet vieles „besäufniserregend“ und empfiehlt seinem Stammitaliener angesichts der Servicequalität, eine Anzeige aufzugeben: „Freundliche Selbstbedienung gesucht“.

Das Publikum in der ausverkauften Rosenau biegt sich vor Lachen über das perfekt inszenierte Geschwafel, das natürlich bis ins letzte Detail durchdacht ist. „Merkeln sagen die jungen Leute, das heißt nichts tun“, erklärt Miller. Er gucke ja keine Nachrichten mehr, das sei doch immer das gleiche: „Trump, Putin, Ergodan – two and a half men“. Dann referiert er über eine Abstimmung im türkischen Parlament zur Homo-Ehe: „Nein: 500, ja: 0, Enthauptungen: 12.“

Nichts sei erfunden, sagt er

Rolf Millers Bühnenfigur legt in stummeligen Halbsätzen ein Weltbild dar, das hart an der Realität entlangschrammt. Dadaistisch zugespitzt verdreht Miller ihm die Worte im Mund, während er in breitbeiniger Machopose auf einem Stuhl schwadroniert, feixt und gestikuliert. Eines seiner Lieblingsthemen ist der Fußball. „Dr. Müller-Wallfahrt, die Halbschwester von Winnetou“ kommt da vor und der Fernsehkommentator „Bela Rethy hat nie das gleiche Spiel gesehen wie ich“. „Keiner verliert ungern, der Verlust einer Niederlage ist immer…“, sagt er, und der Abbruch am Ende ist ganz typisch für seine Redeweise. Zur Leistung der deutschen Nationalelf bei der WM 2018 bemerkt er: „Die Sportart war auch gar nicht klar, Fußball war‘s nicht.“ Vielleicht sei da ein Film gedreht worden: „Männer, die auf Bälle starren.“

Haarsträubend inkorrekt ist das oft, dabei tut Miller nichts weiter, als dem Volk aufs Maul zu schauen, wie er bei einer früheren Begegnung in der Rosenau nach dem Auftritt beteuert hat: „Da ist nichts erfunden, das ist alles aufgeschnappt. Ich komme aus Walldürn im Odenwald. Da ist das ganze Jahr Programm.“ Da fallen dann auch Stammtischsätze wie dieser: „Mein Opa war kein Nazi, er war Mitläufer – überzeugter Mitläufer.“

Eklat nach dem Fruchtbarkeitstest

So richtig in Fahrt kommt er, wenn er die Geisteshaltung von Sexisten und Patriarchen vorführt: „Ich glaub, der Mensch ist frauenfeindlich von Natur aus“, sagt er, oder: „Ich weiß schon, man soll Objekte nicht wie Frauen behandeln.“ In Saudi-Arabien dürfe man ja als Frau „nicht alleine auf die Straße und trotzdem noch eine Abdeckplane drüber. Bei uns darf eine Frau heute entscheiden: Hausfrau oder berufstätig – und Hausfrau.“ Beziehungsprobleme kommentiert er so: „Frauen können immer besser verzeihen als Männer, auch wenn gar nichts war.“ Und zur Metoo-Debatte fragt er: „Gibt’s das eigentlich auch andersrum? Wenn eine Frau mich belästigt, muss ich dann auch sagen: Nein?“: treffender kann man sie nicht vorführen.

Besonders erheiternd ist eine Anekdote über einen Ausflug. Weil die Kinder ausbleiben, fährt Achim zum Fruchtbarkeitstest nach Heidelberg mit seiner Frau – und nimmt die Jungs mit. Achim sagt dann: „Eine gute Nachricht habe ich: An ihr liegt’s nicht.“ Weil Achims Hosenladen offensteht, möchte Jürgen die Situation auflockern und witzelt: „Wenn der Vogel tot ist, kann man die Käfigtür ruhig offenlassen!“ Achim flippt aus und ruft: „Du machst dich schon wieder lustig auf Kosten von einem Witz!“ Noch furioser macht ihn, dass seine Frau gar nicht aufhören will zu lachen, und als er sie angeht, sagt sie: „Achim, schau mich nicht in diesem Ton an!“

Über eineinhalb Stunden lang geht das so, Miller reiht eine Pointe an die nächste ohne je aus der Rolle zu fallen. Und man ahnt: Walldürn ist überall.

Am 5. April spielt Rolf Miller im großen Saal des Theaterhauses. Karten unter 07 11 /40 20 7-20 /-21 /-22 /-23 oder hier

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