Sein Blick auf Menschen hat die Fotografie geprägt: Peter Lindbergh Foto: dpa

Der Fotograf Peter Lindbergh ist tot. Er hat das Phänomen Supermodel mit Stars wie Naomi Campbell, Linda Evangelista und Kate Moss initiiert.

Stuttgart - So richtig ist bis heute nicht geklärt, wer hier eigentlich wem seinen Ruhm verdankt. Peter Lindbergh soll es gewesen sein, der Models wie Naomi Campbell, Linda Evangelista und Kate Moss berühmt machte. Aber war es vielleicht doch umgekehrt und verdankt der Fotograf seine Prominenz diesen schönen Frauen? Sicher ist: Peter Lindbergh hat die Models Anfang der neunziger Jahre für ein gemeinsames Shooting zusammengetrommelt – und initiierte damit das Phänomen Supermodels. Die Frauen wurden zu Megastars.

Nun ist Peter Lindbergh, einer der erfolgreichsten Fotografen, mit 74 Jahren gestorben – und wird doch mit seinen zahllosen Fotografien weiterleben, den Porträts der Stars, die auf den ganz großen Bühnen zu Hause waren oder noch sind. Nicht nur schöne Frauen, verschiedenste berühmte Menschen standen vor seiner Kamera: Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve, Kate Winslet und Jeanne Moreau und Musiker wie Mick Jagger, Tina Turner und Madonna. Damit hat Lindbergh sehr viel Geld verdient, seine Fotografien befinden sich in großen Museumssammlungen, und zu seinen Ausstellungen – etwa 1997 im Hamburger Bahnhof in Berlin – pilgerte das Publikum in großen Scharen.

Jede Hautpore ist zu sehen

Lindberghs Fotografien sind also längst im kollektiven Bildgedächtnis abgespeichert. Seine Markenzeichen waren das Schwarz-Weiß und eine Bildsprache, die sich an den zwanziger Jahren und dem Stummfilm orientierte. Häufig spielte er auch auf Inszenierungen anderer Fotografenkollegen an. Und doch waren seine Porträts anders, weil die Modelle keine aufgesetzten Posen annahmen und kaum geschminkt waren. Im Gegenteil zeigen diese Fotografien durchaus auch Hautporen oder Sommersprossen, weshalb man seinen Aufnahmen gern Wahrhaftigkeit attestiert. Das Besondere ist der intensive Blicke, hier skeptisch, dort herausfordernd. Er wolle „diese gewisse Wirklichkeit hinter der Fassade“ und den unsichtbaren Teil eines Menschen einfangen, sagte Lindbergh gern. Entsprechend meinte der Kunsthistoriker Werner Spies, dass auf Peter Lindberghs Porträts zwischen Stirn, Augen und Mund „eine Unendlichkeit“ liege.

Man könnte meinen, dass Peter Lindbergh, der in Paris, New York und Arles lebte, Amerikaner gewesen sei, aber er ist in Duisburg aufgewachsen, wo sein Vater Handelsvertreter für Süßwaren war. Er begann als Schaufensterdekorateur und studierte schließlich in Krefeld Malerei. 1971 wechselte er zur Fotografie, arbeitete als Assistent für den Fotografen Hans Lux und tauschte seinen Nachnamen Brodbeck gegen den des Piloten Charles Lindbergh ein, weil er weltläufiger klang. Seine Karriere als Fotograf begann Ende der siebziger Jahre in Paris, als er für die „Vogue“ engagiert wurde. Später arbeitete er auch für andere internationale Magazine. Im Lauf der Jahre sind zudem zahlreiche Bildbände erschienen, „Ten Women“ von 1996 wurde zu einem Bestseller.

Aber es gibt noch eine andere Seite des Fotografen. So hat Lindberg auch Dokumentarfilme gedreht – auch hier ging es um die Supermodels. 2001 drehte er aber auch einen Film über die Wuppertaler Choreografin Pina Bausch, mit der er befreundet war.

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