Werner Schuster macht nach dem Saisonfinale in Planica Schluss. Foto: dpa

Werner Schuster steht beim Saisonfinale in Planica vor seinem letzten Akt als Bundestrainer der deutschen Skispringer. Mit ihm kam der Erfolg zurück.

Stuttgart - Zum letzten Mal wird Werner Schuster am kommenden Wochenende in Planica mit seinem Fähnchen winken. Für denjenigen deutschen Skispringer, der oben auf der Schanze wartet, bedeutet dieses Zeichen, dass die Windverhältnisse in Ordnung sind und es gleich losgeht. Nun schwingt bei allen Beteiligten Wehmut mit. „Manchmal muss ich echt schlucken und denke, dass ist hier eine echt coole Zeit, die du erlebst“, sagt der Trainer, der sich an den Abschiedsgedanken noch nicht richtig gewöhnen mag.

Die deutschen Adler werden ihn auch vermissen, weil der 49 Jahre alte Coach respektiert wurde und dazu noch ein guter Typ war. Es gibt nur einen echten Gewinner nach der Trennung, die Schuster auf eigenen Wunsch herbeiführte, weil er zu viel unterwegs war in den vergangenen Jahren, und das ist sein jüngster Sohn. „Im Winter kennt er seinen Vater nur aus dem Fernsehen“, sagt Schuster. Das soll jetzt anders werden.

Am 29. November 2008 trat Schuster sein Amt beim deutschen Ski-Verband (DSV) an, nun endet es nach elfeinhalb Jahren. Der Österreicher führte die deutsche Truppe zwar mit harter Hand, aber auch mit hohem Einfühlungsvermögen und Humor. Schuster, man muss es ihm lassen, hat die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß an der Sache immer so hinbekommen, dass keiner seiner Springer die Lust verlor. Mit Siegern feierte er. Und den Verlierern, denen er klarmachen musste, dass sie bei einem Mannschaftsspringen nicht dabei sein werden, machte er das ehrlich und mit starken Argumenten klar. Da war selten einer sauer.

Gute Zutaten

Mit diesen Zutaten brachte Schuster die deutsche Mannschaft wieder nach oben. Als die große Hannawald-Ära beendet war, sprangen die DSV-Adler erfolg- und orientierungslos von den Schanzen hinab. Aber es benötigte auch eine gewisse Zeit, bis Schuster der Neuanfang gelang. „Wenn man im Tal ist, kann man den Rucksack packen und auf den Berg gehen“, mit diesem banal klingenden Plan ging der gebürtige Kleinwalsertaler seine neue Aufgabe an. Und Schritt für Schritt brachte er die Truppe nach oben.

Er motivierte die arrivierten Kräfte, die sportlich mal in ein Loch geplumpst waren, und er erkannte, ob ein Talent förderungswürdig war oder nicht. Dabei kam nie sein österreichischer Mutterwitz zu kurz. Als die deutsche Mannschaft jüngst bei der WM in Innsbruck Teamgold holte, bezeichnete er die danach vorgesehene Party im Hinblick auf seine körperlich dann doch eher zarten Skispringer als etwas Harmloses. „Das sind keine Säufer – die fallen nach zwei Bier um“, erzählte Schuster und winkte lässig ab. Fürs gepflegte Becherheben war da schon eher die Trainerriege zuständig – nicht aber die Truppe um den Routinier Richard Freitag.

Vor allem Severin Freund, der in diesem Winter nach langer Verletzungspause nie wirklich Fahrt aufnehmen konnte, war der Mann, der Schuster nach schwierigen Anfangsjahren die Bilanz rettete. 2014 holte die Mannschaft um Freund Olympia-Gold in Sotschi. Danach sammelte der Niederbayer weitere Trophäen. Nach den Spielen wurde er in Harrachow Skiflug-Weltmeister, und nach diesem gelungenen Doppelschlag holte er in der darauffolgenden Saison dann noch Einzelgold bei der WM in Falun und krönte seine starken Auftritte mit dem Gewinn des Gesamtweltcups. Freund war Schusters Glücksfall. Deshalb hoffte er bis zuletzt, dass sein einstiger Frontmann in dieser Saison wieder auf die Beine kommen würde – aber es klappte nicht.

Es lief auch ohne Freund

Doch auch ohne Freund lief es zuletzt bei Schusters Männern glänzend. 2018 machte Andreas Wellinger mit seiner Goldmedaille bei den Spielen in Südkorea den Anfang. Zuletzt bei der WM in Österreich wurde Markus Eisenbichler ein echter Überraschungs-Weltmeister. Und zum Abschluss der WM holte die Mannschaft mit Eisenbichler, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Karl Geiger dann auch noch Team-Gold – ein gelungener Abschied für Schuster. „Ich bin froh, dass ich das noch erleben darf“, sagte der Coach. Dieser Titel war seiner.

Nun hinterlässt er ein Team mit Perspektive: „Diese Mannschaft ist toll und jung genug, um große Erfolge zu feiern“, sagt der scheidende Trainer. Stefan Horngacher könnte sein Nachfolger werden – auch er ist Österreicher. Nur anders als Schuster 2008 würde dieser keine Mannschaft in Trümmern übernehmen – denn Schuster übergibt den Rucksack auf dem Gipfel. Das macht es für seinen Nachfolger aber nicht leichter.

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