Auch die Einnahmen der Hiltenburghütte sind nicht richtig versteuert worden. Foto: privat

Trotz hoher Steuernachzahlungen stärkt die Mitgliederversammlung dem Vorstandsteam der Albverein-Ortsgruppe Bad Ditzenbach den Rücken. Zinslose Darlehen verhindern die Insolvenz.

Bad Ditzenbach - In der langen Geschichte des Bad Ditzenbacher Albvereins ist das Jahr 2016 gewiss eines der turbulentesten und anstrengendsten gewesen: schwarze Kassen, Steuerverfehlungen, Gerichtsverfahren – und nachfolgend ein Schuldenberg von insgesamt rund 100 000 Euro. Nun soll, wenn man das Votum der jüngsten Hauptversammlung zugrunde legt, in den gut 300 mitgliederstarken Verein aber vor allem eines: Ruhe einkehren.

Zumindest wurden der Vorstand und die Kassiererin von den 114 Anwesenden, bei lediglich zwei Enthaltungen, klar entlastet und später auch – in leicht veränderter Form – wiedergewählt. Künftig gibt es keine Hierarchie mehr mit fester Funktionszuweisung, sondern ein gleichberechtigtes Vorstandsteam, als dessen Sprecher der bisherige Ortgruppen-Vorsitzende Rainer Maier fungiert. Außerdem gehören der Führungsmannschaft die vormals dritte Vorsitzende Eva Schober sowie die seitherige Kassiererin Silvia Schmidt an. Zum erweiterten Vorstandsteam zählen außerdem Silvia und Bernd Loos.

100 000 Euro für Nachzahlungen und sonstige Ausgaben

Eine der wichtigsten Aufgaben der Verantwortlichen, von der eigentlichen Vereinsarbeit einmal abgesehen, besteht im Abtragen der finanziellen Verbindlichkeiten. So müssen dem Finanzamt wegen der festgestellten Nachlässigkeiten und Vergehen, die in den Jahren 2004 bis 2015 vorgefallen sind, rund 47 000 Euro an Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftssteuer sowie an Solidaritätszuschlag und an Strafzinsen nachgezahlt werden. Hinzu kommen die Kosten für die Steuerberater und Anwälte, die eingeschaltet werden mussten.

Summa summarum handelt es sich um insgesamt etwa 100 000 Euro, von denen der Verein ein Viertel bereits aus seinen eigenen Rücklagen begleichen konnte. Angesichts der noch fehlenden Summe, daran lässt Rainer Maier keinen Zweifel aufkommen, habe dem Albverein Bad Ditzenbach zunächst aber die Insolvenz gedroht. „Wir konnten das Schlimmste dann allerdings noch verhindern, weil vier Vorstandsmitglieder der Ortsgruppe auf unbestimmte Zeit ein zinsloses Darlehen gewährt haben“, fügt er hinzu.

Maier: Niemand hat in die eigene Tasche gewirtschaftet

Erfreut ist Maier, „dass die Mitglieder den jetzt eingeschlagenen Weg mitgehen wollen und uns dabei den Rücken stärken“. Zugleich sei es ihm noch einmal wichtig zu betonen, dass es die entsprechenden Vorfälle, die auf das Betreiben eines Mitglieds zu Tage gekommen seien zwar gegeben habe. „Sowohl unser Steuerberater wie auch die Finanzbehörde haben allerdings ausdrücklich festgestellt, dass niemand in die eigene Tasche gewirtschaftet hat oder dass Gelder verschwunden sind“, erklärt der neue Vorstandssprecher.

Inzwischen liefen die Geschäfte und die Buchhaltung ohnehin wieder so, wie es gesetzlich gefordert sei, ergänzt er. Das bedeute, dass es auch keine schwarzen Kassen mehr gebe. Maier hofft deshalb nun darauf, „dass die ganze Sache ein Ende hat und dass wir die Möglichkeit zu einem Neuanfang bekommen“. Ob von den 58 Mitgliedern, die der Ortsgruppe im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt haben, die formal aber noch bis Ende 2017 zum Verein gehören, noch etwas komme, vermöge er indes nicht einzuschätzen, fährt er fort.

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