Götz Arnscheid organisiert die Demo am Samstag. Er ist seit mehr als 30 Jahren Stammgast der Rofa, vor und hinter der Theke. Foto: Martin Kalb

Am Samstag wird in Ludwigsburg für die Rettung der Rockfabrik demonstriert – Götz Arnscheid ist einer der Organisatoren des Protestmarschs. Was treibt ihn an?

Ludwigsburg - Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“, sagt Götz Arnscheid. Der 56-Jährige hatte davon erfahren, dass der Mietvertrag der Kult-Diskothek Rockfabrik (Rofa) in Ludwigsburgs Weststadt nicht mehr verlängert wurde, und er musste handeln. Kurzerhand war die Facebook-Gruppe „Die Rofa lebt“ geboren. Arnscheid informiert dort über den Stand der Dinge, und er organisiert eine Demonstration an diesem Samstag, 21. September, für die Rockfabrik.

Zur Erinnerung: Die Rofa öffnete am 30. November 1983 erstmals ihre Tore und bot als Rock-Großraum-Disko allen Fans der lauten Gitarrenmusik einen Ort, der mittlerweile zum Kult wurde.

Viele große Bands spielten hier

In der Rock-Disco mit den kunstvoll umgestalteten Räumen spielten viele große Bands, unter anderem Metallica, Motörhead und Iron Maiden. Alle fünf Jahre lief der Mietvertrag der Kult-Disko aus, immer wurde er vom Immobilieneigentümer Max Maier verlängert – aber nicht dieses Mal. Im Juni wendete sich deshalb einer der Rofa-Chefs, Wolfgang Hagemann, mit einer E-Mail an die lokalen Medien und bat um Unterstützung durch die Öffentlichkeit. Die Resonanz war groß, manche sagen überwältigend. Zumindest die Rofa-Geschäftsführung hätte nicht damit nicht gerechnet: Die Petition unterschrieben 31 000 Personen, auch Bands wie die Scorpions, Atrocity, Lordi, Doro Pesch – die Liste der Solidaritätsbekundungen gegenüber der Rofa ist schier endlos.

Auch die umstrittenen Forderungen aus der – grünen – Politik, die Stadt Ludwigsburg möge das Gelände von dem Unternehmer Max Maier kaufen und für den Fortbestand der Rockfabrik in der Grönerstraße sorgen, waren Folgen dieses Hilferufs – bisher jedoch ohne jegliche Wirkung. Maier ließ in einem Brief seines Anwalts wissen, dass am 31. Dezember Schluss sei und das Gebäude geräumt und zurückgebaut werden soll.

Arnscheid will sein zweites Wohnzimmer retten

„Ich bin seit dem Eröffnungsabend Gast in der Rofa, damals war ich 20“, erinnert sich der 56-jährige Götz Arnscheid im Gespräch mit unserer Zeitung. Mehr als 17 Jahre lang habe er immer wieder dort gearbeitet, mal mehr, mal weniger und nur als Aushilfe. „Die Rofa war – ist“, korrigiert sich Arnscheid selbst, „bei mir, wie bei vielen anderen, fester Bestandteil des Lebens“, sagt er sichtlich betroffen. „Ist“, denn auch, wenn es düster aussehe, sei der letzte Funken Hoffnung noch nicht erloschen, Arnscheid möchte sein „zweites Wohnzimmer“ gerne retten.

Bereits 1500 Zusagen in der Veranstaltungsgruppe bei Facebook hat die von ihm organisierte Demo am Samstag sowie mehr als 7000 weitere Personen, die „interessiert“ geklickt haben. „Ich hoffe, dass sie uns die Bude einrennen“, sagt Arnscheid. Aber selbst wenn nur „50 Echte“, wie er sagt, kämen, sei es okay für ihn, Hauptsache es werde ein Zeichen gesetzt. Arnscheid betont, dass es eine politisch neutrale Veranstaltung sei. „Es geht nur um die Erhaltung der Rofa“, sagt er. Arnscheid ist den offiziellen Weg gegangen, hat die Demo bei der Stadt Ludwigsburg angemeldet, „die Stadt ist uns sehr entgegenkommen“, sagt er. Auch mit der Polizei stehe er in regem Kontakt. Alles soll friedlich ablaufen.

„Ein Statement von Max Maier herauskitzeln“

Die Intention der Demo sei vor allem, „eine Reaktion und ein Statement von Max Maier herauszukitzeln“, sagt Arnscheid. „Wir Rockfans wollen wissen, warum er uns den Laden dichtmacht. Er macht ihn ‚uns’ zu, nicht den Geschäftsführern.“ Nur wenn man wüsste, warum das geschehe, könne man auch etwas dagegen tun, etwas ändern, etwas anders machen. Oder dann ganz am Schluss „verstehen und Verständnis dafür aufbauen“.

Der Demo-Organisator will nicht, dass Flyer, Aufkleber oder gar Müll in der Barockstadt hinterlassen werden. „Ich möchte keine Belastung für die Stadt sein“, sagt der Organisator, der nunmehr vier Monate geplant hat. Anfang der Woche suchte er über seine Veranstaltungsgruppe freiwillige Ordner, erneut war die Resonanz groß. 50 bis 60 Sicherheitsmänner und -frauen will Arnscheid einsetzen.

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