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Er galt als terrorverdächtig, sein eigener Vater warnte die amerikanischen Sicherheitsbehörden und dennoch durfte er in die USA fliegen und hätte so fast einen blutigen Anschlag verüben können.

London/Washington - Er galt als terrorverdächtig, sein eigener Vater warnte die amerikanischen Sicherheitsbehörden und dennoch durfte er in die USA fliegen und hätte so fast einen blutigen Anschlag verüben können.

Nur Glück und das beherzte Eingreifen anderer Passagiere verhinderte am ersten Weihnachtstag, dass der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab beim Landeanflug auf Detroit einen Airbus der US-Gesellschaft Delta mit 278 Passagieren in die Luft sprengte. Als Reaktion wurden die Sicherheitsbestimmungen für Flüge in die USA erheblich verstärkt.

Nach Informationen der Sender BBC und CNN hatte der Vater des Flugzeugbombers von Detroit, Abdulmutallab, die US-Botschaft in seiner Heimat Nigeria bereits vor "einigen Wochen" gewarnt, dass sein Sohn radikalisiert und gefährlich sei. Aus US-Sicherheitskreisen verlautete demnach, dass daraufhin auch eine Akte angelegt worden sei und der junge Nigerianer auf eine Beobachtungsliste (Terrorist Identities Datamart Environment - Tide) gesetzt wurde, in der etwa 500 000 Verdächtige stehen. Sein Name sei jedoch nicht auf eine engere Liste (Terrorist Screening Data Base) gesetzt worden, was bedeutet hätte, dass er nicht mehr hätte fliegen dürfen, berichtete die BBC.

Unterdessen wurde gegen den Terrorverdächtigen, der mit schweren Verbrennungen in einem Krankenhaus liegt, Anklage erhoben. Die Anklage wurde am Samstag in einem Konferenzraum des Krankenhauses verlesen. Der 23-Jährige wurde in einem Rollstuhl dort hingebracht. Für den versuchten Anschlag soll er den Sprengstoff Nitropenta an Bord geschmuggelt haben. Abdulmutallab sagte US-Ermittlern, er habe im Auftrag des Terrornetzwerkes El Kaida gehandelt und den Sprengstoff im Jemen erhalten.

Aus London verlautete, dass er als Sicherheitsrisiko bekannt gewesen sei. Britische Behörden verweigerten dem 23-jährigen Nigerianer nach Regierungsangaben vom Sonntag bereits im Frühjahr die Einreise nach Großbritannien. Zwischen 2005 und 2008 durfte er sich in Großbritannien aufhalten, weil er am University College in London Maschinenbau studierte. Abdulmutallab hatte jedoch ein gültiges US-Visum.

Die britische Einreisebehörde begründete die Ablehnung des Visums damit, dass der Student sich in eine Lehrveranstaltung an einer anderen Hochschule nur zum Schein einschreiben wollte. Er hatte am University College offensichtlich sein Studium schleifen lassen.

Der junge Mann wohnte im Haus seines wohlhabenden Vaters, eines ehemaliger Ministers und Bankenchefs in Nigeria. Dort bestätigte Alhaji Umaru Mutallab die Identität seines Sohnes. Ein Cousin des 23-Jährigen sagte dem "Sunday Telegraph", die Familie habe befürchtet, dass Abdulmutallabs Glaube in Großbritannien "radikalisiert" wurde. Ein früherer Lehrer bezeichnete den jungen Mann im BBC-Radio als "Musterschüler", der sich "gelegentlich dumme Ideen in den Kopf setzte".

Die britische Polizei sicherte am Sonntag weiter die Spuren in drei Immobilien des prominenten Nigerianers in London. Die Ermittler konzentrieren sich dabei auf die Kontakte des Terrorverdächtigen und das Haus der Familie, in dem auch Abdulmutallab lebte. Sie liegt in einem noblen Diplomatenviertel nahe Oxford Circus. In der Nähe befinden sich die Botschaften von China und Polen. Immobilien in derselben Straße wurden dieses Jahr für 1,65 bis 3,15 Millionen Pfund (derzeit 1,8 bis 3,5 Mio Euro) verkauft. Die Straße war seit Samstag abgesperrt.

Als Reaktion aus dem vereitelten Terroranschlag wurden die Sicherheitsbestimmungen vor und während der Flüge in die USA erheblich verstärkt. So müssen Passagiere in der letzten Stunde des Fluges vor der Landung sitzen bleiben, berichteten mehrere Fluggesellschaften - darunter British Airways und Air Canada - am Sonntag in London. Außerdem dürfen die Flugreisenden in diesem Zeitraum nicht mehr an ihr Handgepäck. Während des gesamten Fluges sind Gegenstände auf dem Schoß vorerst nicht gestattet. An Flughäfen wird auf Wunsch der US-Behörden an jedem Abflugsteig noch einmal gesondert Handgepäck durchsucht, Reisende werden noch einmal besonders kontrolliert.

Auch an deutschen Flughäfen ist bei US-Flügen nun mit verschärften Kontrollen zu rechnen. Verzögerungen gebe es deswegen aber nicht, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafens am Sonntag. Die Passagiere sollten unbedingt ein entsprechendes Zeitpolster einplanen und überpünktlich vor dem Abflug ihrer Maschine erscheinen, sagte eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums Potsdam am Sonntag.

Die Kontrollen bei US-Flüge waren erhöht worden, nachdem die Umstände des versuchten Terroranschlags auf ein Flugzeug in Detroit bekannt wurden. Aussagen von Passagieren zufolge soll der 23-jährige Nigerianer beim Einstieg in das Flugzeug in Amsterdam bereits den Sprengsatz am Körper getragen haben.

Vor der Landung ging er demnach für 20 Minuten auf die Bordtoilette. Als er zurückkam, klagte er über Magenschmerzen und legte eine Decke über seinen Schoß. Eine Flugzeugbegleiter soll ihn gefragt haben, was er in seiner Hosentasche habe. Daraufhin antwortete er: "Einen Sprengsatz". Passagiere überwältigten den Mann, während er versuchte, die Bombe auszulösen. Als Held gilt dabei der 32-jährige Amsterdamer Werbefilmer Jasper Schuringa.

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