Def Leppard live in Vancouver: Gitarrist Vivian Campbell mit Sänger Joe Elliott Foto: Ros Haflin

In den 1980ern wurden Def Leppard eine der erfolgreichsten Poprock- Bands der Welt. Mit harter Arbeit kannten sich die Jungs aus Sheffield aus. Wie man mit Tragödien umgeht, mussten sie erst lernen. Leider viel zu oft. Gitarrist Vivian Campbell – erst Zaungast, dann mittendrin – erzählt davon.

Stuttgart - „Mir geht’s großartig“, sagt Vivian Campbell, 52. Und man kann die Freude des Mannes förmlich greifen, der sich mit Krebs anlegte und vorerst als eindeutiger Sieger aus dem Kampf hervorging. Vor zwei Jahren die Diagnose, mehrere Chemotherapien, im Oktober 2014 eine Stammzellenbehandlung. „Die Resultate meines letzten Tests im Januar waren gut. Natürlich weiß man nie, ob oder wann der Krebs zurückkommt. Aber ich fühle mich bestens.“

Während seiner Chemotherapie war der Gitarrist mit Def Leppard auf Tour und ließ sich weder Kraft noch Humor nehmen. „Humor ist die beste Krücke, an der man sich durch die miesen Teile des Lebens schleppen kann“, sagt er. „Natürlich ist es wirklich ernüchternd, wenn der Arzt einem so etwas am Telefon beibringt. Aber bei mir war das Glas schon immer halbvoll. Das wollte ich mir unter keinen Umständen nehmen lassen.“

Campbell machte seine Krankheit öffentlich und sich über den letzten Mythos des Rock’n’Roll lustig: lange Haare. „Als ich in den 1980ern groß wurde, waren die Haare für Rockmusiker sehr, sehr wichtig. Beinahe essenziell.“ Und dann muss der gebürtige Ire über sich selbst lachen: „Ich habe mir im Eifer sogar eine sehr überzeugende Perücke anfertigen lassen. Da aber sowieso jeder wusste, was los ist, kam mir das dann ziemlich lächerlich vor. Die Perücke habe ich insgesamt 14 Minuten getragen, das fühlte sich in jeder Hinsicht falsch an. Emotional ­sowieso, und gejuckt hat das Scheißding auch. Rückblickend kann ich mit Gewissheit sagen, dass ich ein wesentlich besserer ­Gitarrist bin, seit ich mich auf der Bühne nicht mehr darum sorgen muss, ob meine Haare okay sind.“

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