Für Fleisch gilt derzeit der vergünstigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Anders verhält es sich bei vegetarischen Fleischersatzprodukten wie Sojaschnitzeln. Bei ihnen wird der reguläre Satz – 19 Prozent – fällig. Foto: dpa

Politiker fordern eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch. Ein Schweineschnitzel wird derzeit mit sieben Prozent besteuert, ein Sojaschnitzel mit 19 Prozent. Welche anderen irrsinnigen Unterschiede gibt es?

Stuttgart - Agrarpolitiker von SPD und Grünen haben sich für eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch ausgesprochen. „Ich bin dafür, die Mehrwertsteuerreduktion für Fleisch aufzuheben und zweckgebunden für mehr Tierwohl einzusetzen“, sagte Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, der Zeitung „Die Welt“. Es sei nicht zu erklären, warum Fleisch mit 7 Prozent und zum Beispiel Hafermilch mit 19 Prozent besteuert werde.

Warum der reduzierte Satz erfunden wurde

Grundsätzlich beträgt der Mehrwertsteuersatz in Deutschland derzeit 19 Prozent. Doch für viele Produkte gilt ein reduzierter Satz von sieben Prozent. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz wurde 1968 eingeführt. Die Idee dahinter: Die Ermäßigung soll Produkte des Grundbedarfs verbilligen und solche, die dem Gemeinwohl dienen – wie zum Beispiel Kulturangebote. Alles, was nicht dringend im Alltag gebraucht wird, gilt dagegen als „Luxusartikel“ und wird deshalb mit 19 Prozent besteuert.

Doch im Laufe der Zeit sind so viele Ausnahmen hinzu gekommen, dass das heutige System nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Ansatz zu tun hat. Kritiker beklagen regelmäßig den Einfluss von Lobbygruppen bei der Vergünstigung bestimmter Produkte. Auch eine generelle Reform der Mehrwertsteuer wird immer wieder gefordert.

Süßkartoffeln werden anders besteuert als Kartoffeln, Tomatenmark anders als Ketchup. Und bei Eseln ist die Lage ganz besonders verzwickt. Unsere Bilderstrecke zeigt den Irrsinn der deutschen Mehrwertsteuer.

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