Das Plakat des Festivals verspricht: Es wird ganz genau auf die Welt geschaut. Foto: SWR

Am 26. Juni startet im Stuttgarter Kino Metropol wieder das SWR-Doku-Festival mit vielen aufregenden Filmen. Der Dokumentarfilm zeigt, dass er mindestens so unterhaltsam ist wie sein Spielfilm-Geschwisterchen. Wir stellen die Kandidaten für die Preise vor.

Stuttgart - Angefangen hat der Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway einst als Journalist. Obwohl er sich von anfänglichen Berichten über Gratishaarschnitte an der örtlichen Friseurschule deutlich hocharbeiten konnte, hat er seine Reporterarbeiten in Bausch und Bogen verworfen: Mit seinem literarischen Schaffen für die Ewigkeit habe dieser Tageskram nichts gemein. Er konnte eben auch lügen wie kein zweiter. Er hat seine Reportagen nicht nur für Kurzgeschichten und Romane ausgeschlachtet, er hat einige von ihnen sogar unverändert als Short Stories noch einmal veröffentlicht.

Witzig und ergreifend

Es ist also nicht so einfach mit der Trennung zwischen dem Dokumentarischen und dem Fiktiven. Gute, an der Wirklichkeit bleibende Dokumentarfilme können so spannend, witzig, ergreifend sein wie Spielfilme. Gegen das absurde Lebertran-Image von Dokumentarfilmen geht nun vom 26. – 29. Juni schon zum dritten Mal das SWR-Doku-Festival leidenschaftlich an. Es bietet im Kino Metropol eine Auswahl der wichtigsten, erstaunlichsten, bestürzendsten und beglückendsten Dokumentarfilme des Jahres. Zum Programm gehören auch wieder die zwölf Endrundenkandidaten für den Deutschen Dokumentarfilmpreis.

Der ist mit 20 000 Euro dotiert, der Preis der Opus GmbH für einen Film aus dem Bereich Musik mit 5000 Euro. Das Haus des Dokumentarfilms vergibt einen Förderpreis von 3000 Euro, die Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur einen von 5000 Euro für einen Film über Künstlerinnen und Künstler oder die Entstehung von Kunst. Die Stuttgarter Zeitung engagiert sich wieder mit dem Preis unserer Leserjury in Höhe von 4000 Euro.

Die Filme im Wettbewerb

Born in Evim (Regie: Maryam Zaree) Die in einem iranischen Gefängnis geborene Maryam Zaree erzählt am Beispiel ihrer Eltern von politischer Verfolgung und dem Leid von Folteropfern.

Congo Calling (Regie: Stephan Hilpert) An drei Beispielen untersucht Stephan Hilbert, was Entwicklungshilfe in Afrika bewirkt – zum Guten wie zum Bösen.

Dark Eden (Regie: Jasmin Herold, Michael David Beamish) In einem bislang intakten kanadischen Naturwinkel wird Öl gefördert – mit verheerenden Folgen.

Die Geheimnisse des schönen Leo (Regie: Benedikt Schwarzer) Er war CSU-Mitbegründer, Lebemann, Stasi-Kontakt im Kalten Krieg: die Geschichte des Leo Wagner, recherchiert von seinem Enkel.

Genesis 2.0 (Regie: Christian Frei) Mammutjäger in Sibirien haben bisher prähistorisches Elfenbein ausgegraben. Christian Frei zeigt ihr Leben – und das Projekt, Mammuts aus Zellfunden zu klonen.

Heimat ist ein Raum aus Zeit (Regie: Thomas Heise) Anhand von Briefen, Fotografien und vielen anderen Dokumenten erzählt Thomas Heise die Geschichte seiner Familie über vier Generationen zwischen Wien, Dresden und Berlin.

In Search . . . (Regie: Beryl Magoko) Die Kenianerin Beryl Magoko erlitt als junges Mädchen die rituelle Genitalverstümmelung. Nun erzählt sie von ihrer Hoffnung, eine Operation könne ihr Leben ändern.

Island of the hungry Ghosts (Regie: Gabrielle Brady) Zwei Phänomene auf einer Insel vor Australien schließt Gabrielle Brady kurz: eine enorme Krabbenwanderung und das Festsitzen von Geflüchteten in einem Internierungslager.

Searching Eva (Pia Hellenthal) Ist jedes Leben nur eine Inszenierung, fragt sich Pia Hellenthal in der Beobachtung einer jungen Frau, die ihr Leben öffentlich im Internet führt.

Sunset over Hollywood (Regie: Uli Gaulke) Wo landen betagte Filmschaffende in Hollywood? Uli Gaulke hat ein ganz besonderes Altenheim besucht.

Was kostet die Welt (Regie: Bettina Borgfeld) Auf einer kleinen britischen Insel rollen Großinvestoren das alte Leben auf. Die Zerwürfnisse der Moderne zeigen sich hier scharf im Kleinen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: