Die zu erwartende Kritik wird Källenius nur in schriftlicher Form erreichen. Foto: AP/Ross D. Franklin

Als hätte Daimler nicht schon genug Probleme gehabt, würgt die Corona-Pandemie nun auch die Verkäufe in der Autobranche insgesamt ab. Vorstandschef Källenius muss noch mehr aufs Geld gucken.

Stuttgart - Erstmals seit seinem Amtsantritt muss Daimler-Chef Ola Källenius am Mittwoch (10.00 Uhr) den Aktionären des Autobauers Antworten auf ihre Fragen liefern. Die Hauptversammlung findet wegen der Corona-Pandemie zwar später als geplant und auch nur online statt. Trotzdem dürften nicht wenige Anteilseigner erwarten, dass Källenius eine Strategie vorlegt, wie er den Konzern aus der mittlerweile zweifachen Krise führen will.

Daimler hatte schon vorher nicht gut dagestanden - die drastischen Corona-Folgen mit einem weltweiten Nachfrageabsturz und wochenlangen Produktionsstopps haben die Lage nun aber noch verschärft und dürften Källenius zwingen, noch stärker zu sparen als ohnehin geplant. Im ersten Quartal schrammte Daimler nur knapp an roten Zahlen vorbei.

Auf Källenius wartet Kritik

Dabei war der Gewinn des Autobauers schon 2019 eingebrochen, weil die Autokonjunktur insgesamt schwächelte, Daimler aber weiter enorme Summen in Zukunftsprojekte stecken muss und zudem auf einem Berg aus Diesel-Altlasten sitzt. Källenius will den Konzern straffen und effizienter machen. Tausende Stellen sollen gestrichen, Kosten gesenkt und Prioritäten neu sortiert werden. Durch die Corona-Krise drohen nun zudem teure Überkapazitäten. In der vergangenen Woche kündigte der Konzern bereits an, sein Smart-Werk im französischen Hambach zu verkaufen.

Sofern es nicht um unmittelbare Corona-Folgen geht, halten viele Aktionärsvertreter die Krise für hausgemacht. Sie werfen dem Konzern vor, sich auf den Rekorden der zurückliegenden Jahre ausgeruht und wichtige Weichenstellungen vor allem für den Umstieg auf die Elektromobilität verschlafen zu haben. Auch der Plan, Källenius’ Vorgänger Dieter Zetsche im kommenden Jahr zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu machen, stößt bei vielen weiterhin auf Ablehnung.

Die zu erwartende Kritik wird Källenius und Aufsichtsratschef Manfred Bischoff allerdings nur in schriftlicher Form erreichen. Wegen der Corona-Beschränkungen wird es - anders als sonst üblich - keine Redebeiträge von Aktionären geben.

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