Cybermobbing gehört immer mehr zum Schulalltag vieler Kinder. Foto: dpa

Eine Langzeitstudie bestätigt: Ein Drittel der befragten Schüler ist Opfer von Cybermobbing.

Hohenheim/Münster - Ende Juni wurden zwei schwedische Schülerinnen verurteilt, weil sie auf der Internetplattform Instagram Fotos anderer Mädchen hochgeladen hatten – versehen mit Beleidigungen wie „Huren und Schlampen“. Cybermobbing gehört immer mehr zum Schulalltag vieler Kinder. Erst im Mai belegte eine Online-Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing e. V., dass etwa 17 Prozent der Schüler in Deutschland schon mal im Netz schikaniert wurden. Nun liefern Forscher der Uni Hohenheim und der Uni Münster neue Zahlen: Sie haben 5656 Schüler von 33 Schulen aus dem süddeutschen Raum zum Thema Cybermobbing befragt: Jeder dritte Schüler hat bereits Erfahrungen mit Schmähungen im Netz gemacht.

Die Studie ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Cybermobbing an Schulen“. „Wir erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität, aber wir sind davon überzeugt, dass unsere Zahlen realistisch sind“, sagt die Studienleiterin Ruth Festl, Kommunikationswissenschaftlerin von der Uni Hohenheim.

Die Befragung zeigt, dass schwere Fälle von Cybermobbing – wie etwa das Hochladen peinlicher Videos auf der Internetplattform You Tube – relativ selten sind. Sie machen nur 1,9 Prozent der Fälle aus. Vielmehr sind es Sticheleien – beispielsweise das Verschicken von Beleidigungen per E-Mail oder über Nachrichtendienste wie What’s App oder den Facebook-Messenger –, mit denen Schüler anderen das Leben schwermachen. „Und zwar egal, ob in Haupt- oder Realschule oder im Gymnasium“, sagt Festl.

Zwar wissen auch jüngere Schüler, was Cybermobbing ist, aber die Schmähungen aus dem Netz stammen eher von älteren: Zwischen 13 und 17 Jahren treten der Studie zufolge die meisten Fälle von Cybermobbing auf. Während in der siebten Klasse rund acht Prozent der Schüler im Netz mobben, liegt der Anteil in Klasse zehn bei mehr als 14 Prozent. Die Forscher erklären dies mit der wachsenden Mediennutzung: In dem Alter wissen sie, wie man das Internet für Attacken nutzen kann, und die Eltern haben keinen Einblick mehr in deren Tun, so Festl.

Anders als beim normalen Mobben, werden die Schmähungen im Netz als gute Möglichkeit der Rache angesehen. Opfer werden hier zu Tätern. „An den untersuchten Hauptschulen war dieses Muster besonders auffällig“, sagt Thorsten Quandt von der Uni Münster. „Hauptschüler nutzten das Netz häufiger als Plattform, um nach einer Mobbingattacke virtuell zurückzuschlagen.“

In den nächsten beiden Schuljahren sollen die Befragungen weitergehen. Die Forscher wollen damit unter anderem herausfinden, welche Motive sich hinter Cybermobbing verstecken und welche Rolle dabei die Mediennutzung der Schüler und deren soziales Umfeld spielt. Daraus könnten sich dann auch bessere Möglichkeiten entwickeln, wie Schulen, aber auch Schüler Cybermobbing begegnen können.

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