Eglantina Frroku hat die Zeit, in der ihr Modegeschäft geschlossen war, zum Nähen von nachhaltigen Masken genutzt, die sie kostenlos abgibt. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Ab 27. April besteht auch in Baden-Württemberg Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Wie gehen Geschäfte in Stuttgart damit um?

Stuttgart - Beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr herrscht ab Montag, 27. April, auch in Baden-Württemberg zur Eindämmung des Coronavirus eine Maskenpflicht. Dabei können die Bürger auch sogenannte Alltagsmasken aus Stoff oder auch einfache Schals verwenden, um Mund und Nase zu bedecken. Ziel ist es, andere Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Dies ist insbesondere wichtig, weil auch Menschen, die keine oder noch keine Symptome haben, andere infizieren können.

Manche Händler haben sich gut vorbereitet

Viele Einzelhändler in Stuttgarter haben schon damit gerechnet, dass eine Maskenpflicht kommen wird, und haben bereits die eigenen Mitarbeiter mit Masken ausgestattet. Bei Feinkost Böhm in der Innenstadt hat man sich auf diese Situation vorbereitet, seit die Pandemie ausgebrochen ist. „Wir haben damals sofort reagiert“, sagt Selina Leidner, Mitglied der Geschäftsführung bei Feinkost Böhm. Man habe sich sehr früh um den Schutz der Mitarbeiter und Kunden gekümmert. Damit hat das Lebensmittelgeschäft nun einen Vorteil: Allen Mitarbeitern stünden nun FFP2-Masken sowie normale OP-Masken zur Verfügung. „Für uns war klar, dass die Maskenpflicht kommen wird, deshalb haben wir uns rechtzeitig darum gekümmert“, sagt Selina Leidner.

Denn klar war auch: Masken sind derzeit heiß begehrt. Durch die Pflicht wird sich die Nachfrage noch einmal immens erhöhen. Deshalb, so betont Leidner, könne man Masken nicht in so großen Mengen besorgen, dass man sie auch Kunden zur Verfügung stellen könnte. Die Masken seien nicht nur schwer zu beschaffen, sondern auch sehr teuer. „Wir müssen voraussetzen, dass Kunden selbst welche haben“, sagt Leidner.

Offen ist bisher, ob die Pflicht auch für Kleinkinder gilt

Einfacher haben es da einige Geschäfte, die selbst Masken nähen können. Die Modedesignerin Eglantina Frroku hat seit Montag dieser Woche ihren Laden an der Calwer Straße 38 wieder geöffnet. Die Zeit, die sie geschlossen haben musste, hat sie genutzt, um Masken aus nachhaltigen Stoffen zu produzieren. „Es sind natürlich keine medizinischen Produkte“, betont sie. Aber ihre Kunden könnten die kostenlos bei ihr bekommen, rund 30 habe sie vergangenes Wochenende schon verschickt. „Die lassen sich schnell herstellen“, sagt Eglantina Frroku und ergänzt: „Gesundheit ist mir sehr wichtig, ohne Gesundheit bringt auch Geld nichts.“ Deshalb habe sie auch bewusst Naturstoffe verwendet, weil man die Masken ja direkt im Gesicht trage.

Unklar ist bisher, wie die Maskenpflicht bei Kleinkindern ist. Damit müsse man sich bis Montag noch beschäftigen, sagte Ministerpräsident Kretschmann in der Pressekonferenz am Dienstag.

Die Pflicht wird vielleicht noch über Monate anhalten

Vor allem bei sehr kleinen Kindern dürfte eine Pflicht jedoch schwierig werden – auch weil Masken nur bei korrektem Auf- und Absetzen sinnvoll sind. Ältere Kinder machten es zwar, auch wenn es ihnen lästig sei, weiß Andrea Klebensberger, die im Lehenviertel den Kinderladen Wunderschöne Dinge betreibt. „Bei Zwei- oder Dreijährigen ist es sicher schwerer, die weigern sich ja schon, einen Sonnenhut aufzusetzen“, sagt die 44-jährige Händlerin, die selbst Kinder hat. Sie hat für ihre Familie und ihre Mitarbeiter in einem Atelier an der Liststraße Masken aus Stoff bestellt. Wie sie es bei Kunden machen möchte, die keine dabei haben, weiß sie noch nicht. „Aber für mich und meine Mitarbeiterinnen finde ich die Maskenpflicht gut“, sagt die Einzelhändlerin. „Viele Kunden haben sich auch schon vorbereitet und sich welche besorgt“, so ihr Eindruck.

Allerdings scheint Freiwilligkeit alleine nicht viel gebracht zu haben, nur wenige Menschen hatten die Tage in Geschäften Masken an. Schon einige Tage nach der Einführung der Maskenpflicht werden sich die Menschen aber daran gewöhnen, so glaubt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg: „Die meisten Kunden verstehen das.“ Natürlich werde es mit dem einen oder anderen Kunden Diskussionen geben. „Aber damit müssen wir leben“, sagt Hagmann.

Wie lange die Maskenpflicht gilt, lässt sich derzeit nicht sagen. Winfried Kretschmann betont, die Situation bleibe „fragil, bis wir einen Impfstoff haben“. Deshalb sei es notwendig, sich die Schutzmaßnahmen bis auf Weiteres „anzugewöhnen“.

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