Gähnende Leere in der Königstraße. Doch die Beschränkungen wirken. Die Zahl Infektionen steigt zwar weiter, aber nicht explosionsartig. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Tag für Tag nehmen auch in Stuttgart die gemeldeten Infektionen mit dem Coronavirus zu. Dass der Zuwachs nicht stärker ist, liegt an den geltenden Beschränkungen. Diese sollten deshalb nicht voreilig gelockert werden, findet man bei der Stadt.

Stuttgart - Auch in Stuttgart nimmt die Zahl der Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, stetig weiter zu. Bis am frühen Freitagnachmittag zählte die Stadtverwaltung 615 gemeldete Fälle, das waren 55 mehr als am Vortag. Inzwischen sind vier Stuttgarter, die infiziert waren, gestorben. Es handle sich dabei durchweg um Menschen hohen Alters, die teils schwere Vorerkrankungen hatten, so der Sprecher der Stadt, Sven Matis.

Mit Blick auf die vorigen Wochen kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass man in Stuttgart bei der Fallzahlenentwicklung „ein lineares, kein exponentielles Wachstum“ habe, so Matis. Diese Nachricht zeige, „dass die Maßnahmen greifen“. Aber selbst wenn sich die Zahlen so weiterentwickelten, komme man bald auf 1700 bis 1800 Fälle in der Stadt. Selbst dann könnten die hiesigen Krankenhäuser „an ihre Grenzen stoßen“, so der Pressesprecher, auch wenn man davon weit entfernt sei. Die Stadt hält wenig von der Debatte, dass die getroffenen Maßnahmen schnell wieder gelockert werden könnten. Matis: „Wenn wir die Zügel loslassen, gehen die Zahlen durch die Decke.“

Erste Unterkunft wird belegt

Unterdessen hat die Stadt mit der Belegung des ersten von drei angemieteten Gebäuden begonnen, in denen mit dem Coronavirus infizierte Menschen unterkommen sollen. In drei Gebäuden werden insgesamt 300 Plätze geschaffen, um so die Krankenhäuser zu entlasten. In die erste, bereits verfügbare Unterkunft mit 34 Plätzen, die vom DRK betreut wird, seien im Bezirk Mitte die ersten drei Personen eingezogen und in Quarantäne. Es seien Menschen, „die kein eigenes Zuhause haben und niemanden, der sich um sie kümmert“, erklärte Sven Matis.

In den Stuttgarter Krankenhäusern hat die Zahl der Corona-Patienten weiter zugenommen. Im Diakonie-Klinikum waren es acht positiv getestete Patienten, vier befinden sich auf der Intensivstation, drei werden beatmet, sagt der Sprecher Frank Weberheinz. Im Marienhospital werden 16 Infizierte betreut, sieben liegen auf der Intensiv, sagte Sprecher Rainer Kruse. Im Karl-Olga-Krankenhaus werden vier Corona-Verdachtsfälle sowie zwei positiv auf den Coronavirus getestete Patienten versorgt. Diese seien alle „in einem stabilen klinischen Zustand“, so Sprecherin Sandra Wilderotter. Im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) liegen 15 Corona-Verdachtsfälle und 17 nachgewiesene Infizierte, von denen zwei auf der Intensivstation beatmet werden, sagt der Medizinische Geschäftsführer Mark Dominik Alscher. Im städtischen Klinikum liege die Zahl der Covid-19-Patienten „im unteren zweistelligen Bereich, die der beatmeten Patienten noch im einstelligen Bereich“, erklärte Sprecher Stefan Möbius.

Verlegung schwerer Fälle nach Stuttgart

In den hiesigen Kliniken gibt es 200 bis 250 Intensivplätze. Die Sterbefälle liegen deutlich über der Zahl der an dem Virus verstorbenen Stuttgarter. Nicht nur derzeit werden oft sehr schwer erkrankte Patienten aus dem Großraum in die Krankenhäuser in der Stadt überwiesen.

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