Persönlichkeiten und Mitglieder der Zivilgesellschaft nehmen an einer Trauerzeremonie zum Gedenken an die Corona-Opfer auf dem Armeria-Platz im Madrider Königspalast teil. Foto: dpa/Eduardo Parra

Spanien hatte unter Corona mehr zu leiden, als die meisten anderen Länder Europas. Es gab bereits mehr als 28 400 Tote und einen sehr langen Lockdown. Nun nimmt das Land Abschied von den Opfern. Die Zeremonie soll zudem überzeugende Signale für den EU-Wiederaufbaufonds aussenden.

Madrid - Mit einer großen Trauerfeier und vielen Tränen hat der einstige Corona-Hotspot Spanien Abschied von seinen mehr als 28 400 Pandemie-Opfern genommen. Im Beisein der EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und der gesamten Spitze der Europäischen Union gedachte König Felipe VI. am Donnerstag in Madrid vor allem der vielen „älteren Opfer, die den Lauf unserer Geschichte verändert und die Grundlage für unser demokratisches Zusammenleben gelegt haben“. Man ehre alle Opfer. „Dieser Akt kann den Schmerz aber nicht lindern“, betonte der 52-jährige Monarch vor den rund 400 Gästen auf dem Armería-Platz vor dem Königlichen Palast.

Von der Leyen, Felipe, Königin Letizia, Kronprinzessin Leonor (14), Infantin Sofía (13), der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und zahlreiche andere Teilnehmer der Trauerzeremonie legten zu den Klängen von Johannes Brahms („Das Geistliche Lied“) weiße Rosen an einer Votivflamme in der Mitte des Platzes nieder. Nicht wenige hatten dabei Tränen in den Augen, wie die Kameras des spanischen Fernsehens zeigten. „Das war der bewegendste Moment des Aktes“, kommentierte die spanische Nachrichtenagentur Europa Press.

Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland

Mit dem Staatsakt wollte die Regierung nicht nur der Toten gedenken und sich beim Gesundheitspersonal bedanken, sondern auch die Verdienste der gesamten spanischen Gesellschaft in der „sehr schwierigen Zeit“ der Pandemie und des strengen Lockdowns würdigen. Die Spanier seien sehr diszipliniert gewesen, betonte Felipe.

Neben von der Leyen reisten aus Brüssel auch EU-Ratschef Charles Michel und Parlamentspräsident David Sassoli an. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, waren ebenfalls unter den Teilnehmern, die alle Maske trugen.

Ungeachtet des großen Aufgebots an Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland nahmen die Betroffenen die Hauptrollen ein. Vor Felipe durften nur der Bruder eines in Madrid verstorbenen Journalisten sowie eine Krankenschwester aus Barcelona Reden halten. Der Akt wurde nach gut 40 Minuten mit einer Schweigeminute abgeschlossen.

In Spanien hofft man derweil, dass die bewegende Zeremonie auch positive, überzeugende Signale an den am Freitag beginnenden, zweitägigen EU-Sondergipfel aussendet, bei dem eine Einigung über das umstrittene 750-Milliarden-Euro-Wiederaufbauprogramm für Europa angestrebt wird. Sánchez fordert von den EU-Partnern Solidarität. „Ohne Einheit wird es keine Erholung geben“, warnte er.

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