Das von Manne Lucha geleitete Sozialministerium äußert sich zur Coronakrise im Land. Foto: dpa/Marijan Murat

Seit Beginn der Coronakrise liegen die Fallzahlen in Baden-Württemberg über dem Bundesschnitt, die Zahl der Verstorbenen ebenfalls. Jetzt äußert sich das zuständige Sozialministerium zu den Gründen – und zur Diskussion um die Gegenmaßnahmen.

Stuttgart - In der Coronakrise liegt Baden-Württemberg sowohl bei der Zahl der Infizierten als auch bei den Verstorbenen deutlich über dem Bundesschnitt. Seit mindestens zwei Wochen steigen die Fallzahlen stärker an als in den meisten anderen Bundesländern. Bei den Verstorbenen nimmt das Land ebenfalls eine traurige Spitzenposition ein – egal, ob man beim Anteil der Covid-19-Todesopfer an der Gesamtbevölkerung betrachtet oder den Anteil an den Infizierten. Die Zahlen können also nicht einfach mit einer möglicherweise höheren Testintensität im Südwesten erklärt werden.

Am Montag haben Sprecher von Luchas Ministeriums auf Anfrage unserer Redaktion Stellung zu den Zahlen genommen. Die Grenznähe zum besonders stark vom Coronavirus betroffenen Elsass sowie die aus den Skigebieten heimkehrenden Urlauber nach den Faschingsferien hätten dafür gesorgt, dass das Virus „schon früh und vielfältig“ nach Baden-Württemberg gelangt sei. Hinzu kämen lokale Ausbrüche wie im Hohenlohekreis. So erkläre sich auch das annähernd exponentielle Wachstum der Infiziertenzahlen.

Warum so viele Verstorbene?

Auf eine möglicherweise besonders hohe Testhäufigkeit in Baden-Württemberg geht das Ministerium in seiner Erklärung nicht ein. Stattdessen ergebe sich infolge der starken Zunahme der Infiziertenzahlen eine Dynamik „auch in schweren Verläufen und Todesfällen“. Das Ministerium erwartet, dass durch das seit mehr als einer Woche geltende Kontaktverbot und andere Maßnahmen zunächst die Zahl der Infizierten und in der Folge auch der Todesfälle abnehme. Den Anteil der an Covid-19 Verstorbenen im Verhältnis zu den Infiziertenzahlen zu betrachten – auch hier liegt die Quote im Südwesten besonders hoch – hält das Ministerium „aufgrund der unterschiedlichen Dynamik in den Ländern“ für wenig aussagekräftig.

Zwar informiert das zuständige Sozialministerium regelmäßig über die neuesten, vom Landesgesundheitsamt zusammengetragenen Zahlen. Doch an dem Krisenmanagement von Ministerpräsident Winfried Kretschmann regte sich schon früh Kritik, und auch der Sozialminister Manfred Lucha hält sich in seiner häuslichen Quarantäne derzeit mit proaktiven Äußerungen in der Öffentlichkeit zurück – während andere wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder voranpreschen und nicht nur die Diskussion, sondern auch das konkrete Vorgehen gegen das Coronavirus prägen.

„Derzeit ist nicht die Zeit für mediales Schaulaufen“, sagt Markus Jox, der Sprecher des Sozialministeriums. Manne Lucha arbeite derzeit quasi rund um die Uhr daran, dass das Gesundheitssystem im Land nicht zusammenbreche. Zudem tritt er am Dienstag nach Ende seiner Quarantäne in der Landespressekonferenz auf.

Kam der Shutdown zu spät?

Hätte man mit Blick auf die zurückgekehrten Skiurlauber früher Kitas, Kindergärten oder Schulen schließen sollen? „Wir haben ja Südtirol früh als Corona-Risikogebiet betrachtet und uns für diese Bewertung auch auf Bundesebene eingesetzt“, verteidigt sich Markus Jox, ein Sprecher des Ministeriums. Insofern sei man in Sachen Shutdown heute insgesamt schlauer.

In der Diskussion um eine Lockerung oder Aufhebung der Maßnahmen gegen das Coronavirus hält sich das Sozialministerium zurück. Es heißt nur, das Land werde sich mit Bund und Ländern „eng abstimmen“.

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