Beim ersten Online-Gottesdienst sprach Tobias Küenzlen. Foto: Screenshot/facebook.com

An diesem Wochenende hat die Evangelische Landeskirche wegen des Coronavirus empfohlen, auch Gottesdienste abzusagen. Der Kirchenbezirk nutzt nun das Internet, um bei den Gläubigen präsent zu bleiben.

Waiblingen - Volle Sitzreihen und viele Besucher – eigentlich würde sich in Zeiten des Mitgliederschwunds jede Kirche über diese Dinge freuen. In Zeiten des Corona-Virus wird jedoch genau das zum Problem. Bis zum Wochenende hatte der Evangelische Kirchenbezirk Waiblingen zwar die allermeisten Konzerte, Feste und Veranstaltungen abgesagt, an den Gottesdiensten jedoch festgehalten. Das änderte sich, als die Evangelische Landeskirche am Sonntagmorgen empfahl, auf die meisten Gottesdienste zu verzichten.

Das Virus zwingt die Kirche zu neuen Wegen, um mit ihren Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben. Am Sonntagvormittag hat der Kirchenbezirk sich deshalb erstmals mit einem “Gottesdienstlichen Impuls“ über Facebook an seine Schäfchen gewandt. Eigentlich war dieser nur als begleitendes Angebot für jene gedacht gewesen, die an den Gottesdiensten vorsichtshalber nicht teilnehmen wollten. Mit dem Wegfall der Zusammenkünfte in den Kirchen ist das Netz nun noch wichtiger geworden.

Sechs Pfarrer aus dem ganzen Bezirk wirken an den Videos mit

Entsprechend groß ist der Anspruch an das neue Format: „Das neue Angebot soll kein Plagiat des Fernsehgottesdienstes sein“, betont Hertneck. Statt dessen würden die Beträge in den Tagen vor ihrer Veröffentlichung vorbereitet. „Und wir wollen das Format zusammen mit den Nutzern weiterentwickeln.“ Hinter den geistlichen Beiträgen steht ein Team aus sechs Pfarrern aus dem ganzen Kirchenbezirk.

Am Sonntag kam beispielsweise die Musik aus Waiblingen, die Bibellesung aus Winnenden, und der Waiblinger Pfarrer Tobias Küenzlen sprach den Impuls, das Vaterunser und den Segen. Mindestens bis Ostern soll das neue Angebot aufrecht erhalten werden. Die mehrminütigen Beiträge sollen mit Musik, einer biblischen Lesung und Gebeten zur „geistlichen Orientierung beitragen“, so Hertneck. Die Idee dazu sei erst in der vergangenen Woche als Reaktion auf Corona entstanden.

Auch ein Seelsorge-Chat ist geplant

Kirche und neue Medien – der Dekan spricht in dem Zusammenhang bewusst nicht von Öffentlichkeitsarbeit. „Für uns ist das mediale Gemeindearbeit. Auch diejenigen, die jetzt in Quarantäne sind, sollen wissen, dass sie dazugehören und ihre Kirche für sie da ist.“ Das sei jetzt besonders wichtig: „Jede Krankheit hat soziale Folgen, auch Corona.“ Erkennbar sei das zum Beispiel daran, dass nach den Quarantänemaßnahmen in China die Scheidungsrate stark gestiegen sei.

Die Facebook-Gottesdienste sind nur eine der Säulen des neuen Konzepts. Geplant ist auch ein Seelsorge-Chat, am Ende dieser Woche soll zudem eine telefonische Hotline eingerichtet werden. „Zu den Geschäftszeiten wird dann immer ein Pfarrer erreichbar sein kann, der Hilfe bieten kann“, verspricht der Dekan.

Hertneck hofft auch, dass die Kommentarspalten unter den Social-Media-Gottesdiensten auch zu einer Vernetzungsplattform für Hilfsangebote werden könnten. „Vielleicht tun sich dort ja Ehrenamtliche zusammen und bieten an, für Betroffene Besorgungen zu machen.“

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