Wo sonst reges Leben herrscht, ist es zurzeit absolut still – wie hier um das Schloss in Stetten.Foto:Gottfried Stoppel Foto:  

Richard Sigel hat angesichts weiterer Einschränkungen des öffentlichen Lebens an die ganze Kreisbevölkerung appelliert, möglichst zuhause zu bleiben. Spätestens am Montag ist mit einer drastischen Zunahme der identifizierten Infizierten zu rechnen.

Rems-Murr-Kreis - Nach der Bekanntgabe weiterer Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Landesregierung hat der Landrat Richard Sigel am Freitag eindringlich an die Bevölkerung im Rems-Murr-Kreis appelliert, aufeinander Rücksicht zu nehmen und nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben: „Die Bedrohung ist unsichtbar, deswegen muss unsere Solidarität umso sichtbarer werden“, so Sigel.

Statistik zeichnet trügerisches Bild

Rein statistisch scheint sich die Lage im Rems-Murr-Kreis am Freitag wenig verändert zu haben. Zu den bisher 110 identifizierten Infizierten sind bis zum Abend laut Landratsamt nur fünf weitere Fälle hinzu gekommen. Der Landrat befürchtet allerdings, dass spätestens am Montag eine erhebliche Menge registriert werden wird. Der Grund dafür seien Engpässe bei den Labors, die Coronatests auswerteten, sagt Sigel. Zurzeit müsse bis zu vier Tage für einen Rücklauf kalkuliert werden. Allein in den vergangenen vier Tagen sind im Kreis mehr als 500 Tests gemacht worden, deren Ergebnis noch aussteht. Sigel: „Wir bereiten uns auf eine drastische Verschärfung der Lage vor.“

Schutzausrüstung dringend gesucht

Knapp sind im Rems-Murr-Kreis schon jetzt die Atemschutzmasken und Schutzanzüge für Hilfspersonal. Der Landrat hat sich deshalb zu einem außergewöhnlichen Aufruf gezwungen gesehen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rems-Murr-Kliniken, des Rettungsdienstes, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Einrichtungen im Rems-Murr-Kreis brauchen Ihre Unterstützung“, schreiben die Unterzeichner – Landrat Richard Sigel, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken, und für die IHK-Bezirkskammer Rems-Murr deren Präsident Claus Paal und der Geschäftsführer Markus Beier. Sie bitten die Unternehmen im Landkreis um Hilfe bei der Beschaffung von Masken, Schutzkleidung oder Handschuhen. Wer etwas beisteuern könne, dürfe direkt auf die Kliniken zugehen. Diese unterstützen bereits den Rettungsdienst, dessen Lager zurzeit komplett leer seien.

Mundschutz aus Backnang

Unterdessen hat die Backnanger Firma Lochmann Berufsbekleidung damit begonnen, die Produktion von wiederverwendbarem Mund- und Nasenschutz zu organisieren. „Nicht Schutzmasken, dazu ist eine Zertifizierung notwendig, die wir so schnell nicht bekommen“, sagt der Geschäftsführer Michél Lochmann, der darauf auch auf der Firmen-Homepage hinweist. Bevorzugt würden medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Arztpraxen oder Pflegeheime beliefert.

Notsitzung des Gemeinderats

Der Waiblinger Gemeinderat ist am Freitagmittag trotz der Corona-Krise zu einer Notsitzung zusammengekommen. „Die erste sollte bereits am Donnerstagabend stattfinden. Dazu ist jedoch nur ein Teilnehmer erschienen – und zwar ich“, sagte der Oberbürgermeister Andreas Hesky. Viele Räte hätten gesagt, sie seien krank, oder hätten eingeräumt, sie befürchteten, sich mit Corona anzustecken. Daraufhin habe er zu der zweiten Notsitzung eingeladen, an der sieben Mitglieder des Gemeinderats – Hesky eingeschlossen – teilnahmen. Die Beschlussfähigkeit wäre mit drei Teilnehmern erfüllt gewesen, so der Oberbürgermeister, der am Donnerstag wegen der Sitzung noch mit dem Städtetag konferiert hatte. Er fühle sich, wie andere Stadtoberhäupter, in dieser Situation vom Land mit den bestehenden Regeln im Stich gelassen, so Hesky, da er aufgrund von Fristen gezwungen gewesen sei, die Notsitzung einzuberufen. „Bei einem Tagesordnungspunkt, der umstritten ist, wären sonst Tatsachen geschaffen worden, für die wir uns später hätten rechtfertigen müssen.“ Der Gemeinderat verabschiedete eine Veränderungssperre für den Bebauungsplan „Werbeanlagen Hegnach“, der auf diese Weise später weiterberaten werden kann.

Hilfsfonds für Gastrobetriebe

Die Stadtverwaltung Schorndorf hat einen eigenen Hilfsfonds für gastronomische Betriebe, den Einzelhandel und kleinere Unternehmen über 100 000 Euro aufgelegt. In Abstimmung mit den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats sei die Maßnahme „für die größten und drängendsten Notfälle beschlossen worden“, teilte der Oberbürgermeister Matthias Klopfer mit. Außerdem steht von Montag an eine Hotline (Telefonnummer 0 71 81/6 02 14 11) für Unternehmen zur Verfügung. Zudem hat die Kommune angekündigt, zumindest für den April auf Kitagebühren zu verzichten. Auch die Stadt Fellbach hat Ähnliches angekündigt.

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