Ärzte mit Schutzanzügen bringen einen Patienten in ein Krankenhaus in Wuhan. Foto: AFP/Hector Retamal

Eine chinesische Provinz schreibt das Tragen von Atemschutzmasken vor, in Frankreich werden drei Patienten behandelt, die an der Lungenkrankheit leiden. Gelingt es, das Virus zu stoppen?

Peking/Berlin - Am Sonntag ist der Leiter der nationalen Gesundheitskommission in China mit zwei Hiobsbotschaften vor die Presse getreten: Zum einen steige die Übertragungsfähigkeit des mysteriösen Coronavirus derzeit weiter an. Und im Gegensatz zu Sars sei der neuartige Erreger aus Wuhan auch während der Inkubationszeit ansteckend. Dies macht eine Eindämmung ungleich schwerer, schließlich dauert es bis zu zwei Wochen, dass unwissentlich Infizierte erste Symptome der Lungenkrankheit zeigen. Die Anzahl an Infizierten könnte weiter steigen, fügte der Leiter der chinesischen Gesundheitsbehörde an.

Allein übers Wochenende hat sich die Verbreitung des Coronavirus erneut vervielfacht: Mit Stand vom Sonntag haben die Behörden 56 Tote und knapp 2000 Infizierte bestätigt, mehrere Hundert Patienten sind in kritischem Zustand. Mit drei Patienten in Frankreich wurden zudem die ersten Erkrankungen in Europa gemeldet.

Atemschutzmasken werden Pflicht

Die jüngsten Erkenntnisse der Gesundheitskommission erklären die radikalen Eindämmungsmaßnahmen der chinesischen Zentralregierung. Allein am Sonntag wurden mehr als ein Dutzend erlassen: Die südchinesische Provinz Guangdong hat eine Atemschutzmasken-Pflicht für ihre Bürger im öffentlichen Raum eingeführt. Sämtliche Gruppenreisen von Ausländern ins Land wurden gestoppt, auch Chinesen dürfen keine Pauschalreisen mehr buchen. Die Zentralregierung hat zudem den Handel von Wildtieren verboten, schließlich soll der Erreger von einem Markt für exotische Tiere in Wuhan stammen.

Dort ist das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gekommen. Die Elf-Millionen-Metropole hat am Sonntag nun auch sämtlichen Autoverkehr auf den Straßen verboten. Das US-Konsulat in Wuhan hat die Evakuierung seiner Angestellten sowie einer begrenzten Anzahl an Zivilisten für Dienstag angekündigt. Auch die japanische, russische und französische Regierung planen eine Evakuierung ihrer Staatsbürger aus der sechstgrößten Stadt des Landes.

Klinikangestellte zu spät informiert

Die Lage der medizinischen Versorgung vor Ort ist prekär. Das belegen Videos, die auf den sozialen Netzwerken kursieren. Darauf zu sehen sind überfüllte Notaufnahmen, in denen Krankenschwestern verzweifelte Menschen nach Hause schicken müssen. In einem von Patienten gefilmten Video schreit ein Arzt in ein Telefon-Headset: „Feuern Sie mich einfach!“

Laut offiziellen Angaben haben sich mindestens 15 Ärzte in Wuhan mit dem Coronavirus angesteckt, ein Arzt ist bereits verstorben. Die Dunkelziffer liege jedoch viel höher, erzählt ein Arzt der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“. Demnach seien die Klinikangestellten ursprünglich nicht darüber informiert worden, dass sich das Virus auch über menschlichen Kontakt verbreiten könne. Zudem fehlten weiterhin Schutzausrüstung und Testkits.

Ansturm von Patienten

Die Behörden arbeiten unter Hochdruck daran, den Ansturm der Patienten zu bewältigen. Am Wochenende beschloss die Gesundheitskommission in Peking, mehr als 1200 Experten in die Stadt zu entsenden und 24 allgemeine Krankenhäuser nur zur Virusbekämpfung umzufunktionieren. Im asiatischen Ausland reagieren Menschen teilweise hysterisch. In Südkorea ruft eine Petition dazu auf, „chinesische Staatsbürger aus unserem Land zu verbannen“. Nach vier Tagen hat die Initiative mehr als 285 000 Unterschriften gesammelt – obwohl zwei der insgesamt drei Infizierten in Südkorea auch südkoreanische Staatsbürger sind.

Die drei in Frankreich infizierten Patienten sind offenbar nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte. Einer von ihnen habe noch Fieber. Der 31-jährige Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren Mitte Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen.

Erster Verdachtsfall in Deutschland

In Deutschland hat es unterdessen einen Verdacht auf eine erste Infektion mit dem neuen Coronavirus in Berlin gegeben. Der Test zu diesem Verdachtsfall fiel heute negativ aus“, teilte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung am Sonntag mit. Dabei handelte es sich um eine Frau, die am Samstag nach einer Chinareise mit verdächtigen Symptomen in ein Krankenhaus in Berlin-Wedding gekommen war.

An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden Warnplakate zum Coronavirus aufgehängt. „Sie hängen im Ankunftsbereich, warnen vor den Symptomen und erklären Vorsichtsmaßnahmen“, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. Passagiere könnten sich jederzeit an das Flughafenpersonal wenden, falls ein Verdacht besteht. Die Berliner Flughäfen seien routinemäßig auf Virenfälle vorbereitet.

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