Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, wird derzeit für seine Kommunikationsstrategie kritisiert. Foto: dpa/John Macdougall

Kritik am Robert-Koch-Institut und an der Politik in der Coronakrise ist erlaubt, findet unser Autor. Man muss aber sauber argumentieren. Es hinterher einfach besser zu wissen, ist dagegen nicht schwer – und vermutlich die Strategie der Populisten für den Bundestagswahlkampf 2021.

Stuttgart - Dass Tübingens OB Boris Palmer den in einem Youtube-Video geäußerten Vorwurf eines „Lockdown-Wahns“ im Zuge der Corona-Krise aufgreift, sollte hellhörig machen. Der Mann hat ein Gespür für jene Skepsis, die quer zum Mainstream der medial-politischen Debatte verläuft. In diesem Fall spitzt Palmer nicht zu und macht sich auch die Kritik in dem fast eine Million Mal aufgerufenen Video nicht zu eigen. Er argumentiert differenziert.

Am 23. März war längst nicht klar, dass die Ansteckungsrate in Deutschland zurückgeht. Es wie der Youtube-Professor hinterher besser zu wissen, ist leicht. Vergangene Woche aber hätten Regierung und Robert-Koch-Institut angesichts der positiven Zahlen besser begründen müssen, warum die Anti-Corona-Maßnahmen kaum gelockert werden. Diese Art von Kritik dürfte öfters formuliert werden, weil im Kampf gegen das neuartige Virus nichts alternativlos ist.

Letztlich geht es bei Palmers Beitrag weniger um seine Kritik am Robert-Koch-Institut, so berechtigt sie sein mag. Das von ihm aufgegriffene Youtube-Video lenkt vielmehr pars pro toto den Blick auf die sich andeutende Strategie der populistischen Opposition. Im Wahljahr 2021 wird die Corona-Krise hoffentlich überwunden sein. Auf statistische Details schaut dann niemand mehr. Sehr wohl aber auf die Menschen, die infolge der aktuellen Politik ihre Arbeit oder viel Geld verloren haben.

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