Derzeit dürfen nur noch Notfallkinder in der Kita betreut werden. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Die Nachfrage nach Notfallkinderbetreuung ist in Stuttgart weiterhin ungebrochen. In den Osterferien gibt es wegen der Coronakrise keine Schließzeiten. Es gibt auch genügend Erzieherinnen. Der Gemeinderatsbeschluss zum Verzicht auf Kitagebühren wurde verschoben.

Stuttgart - Von so einem guten Betreuungsschlüssel können viele Familien nur träumen. Denn seit der Coronakrise dürfen Kitas nur noch die Kinder betreuen, bei denen entweder beide Elternteile oder aber die alleinerziehende Mutter, der alleinerziehende Vater in der sogenannten kritischen Infrastruktur tätig ist, also in Bereichen wie Lebensmittel, Gesundheit, Medizin, Rettung, Justiz, Verwaltung, Medien. Die Nachfrage nach Kita-Notbetreuung schwankt zwar, läuft aber auch in den Osterferien ungebrochen weiter. Auf Schließzeiten werde verzichtet, und Personal gebe es auch genug. Aktuell sind im Kitabereich beim städtischen Träger 122 Kinder in 53 Einrichtungen untergebracht, beim evangelischen Träger sind es 73 Kinder in 34 Einrichtungen und in der Kindertagespflege 17 Kinder bei 15 Tageseltern. Waltraud Weegmann vom Kita-Trägernetzwerk Konzepte mit mehr als 40 teils privaten, teils betrieblichen Kitas, berichtet, in ihren Stuttgarter Kitas seien derzeit 20 Kinder in Notbetreuung. An den städtischen Schulen werden aktuell 224 Schulkinder an 70 Standorten betreut: an 45 Grundschulen, 23 weiterführenden Schulen und zwei Sonderschulen. In den Osterferien sei hier die Nachfrage allerdings deutlich geringer, teilt das Schulverwaltungsamt mit.

Zu den notbetreuten Kindern gehören auch Kinderschutzfälle, also Kinder aus Familien, die damit überfordert seien, ihre Kinder den ganzen Tag zu betreuen, berichtet Jörg Schulze-Gronemeyer vom evangelischen Träger. Da sei man im engen Kontakt mit dem Allgemeinen Sozialdienst des Jugendamts. Doch auch die zuhause gebliebenen Erzieherinnen säßen nicht untätig herum, sondern stünden telefonisch in Kontakt mit den Familien und machten auch Bastelvorschläge für die Kinder. Nerven kostet die ungewohnte Ganztagsbetreuung zuhause derzeit sicher ganz viele Familien, aber manche zudem auch bares Geld. Etwa wenn die Mutter als Kassiererin im Lebensmittelhandel arbeite und der Vater Handwerker ist, aber seine Aufträge nicht abarbeiten kann, weil er die Kinder betreuen muss.

Stadt will Eltern und freien Trägern Gebühren erstatten

Wegen des eingeschränkten Kitabetriebs hatten viele Eltern bereits die Kostenbeiträge zurückgefordert und teilweise auch ihre Einzugsermächtigungen gekündigt. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Stadt laut Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) den Einzug der Elterngebühr gestoppt und angekündigt, dass die Stadt den Eltern – allen Eltern – die Gebühren für den Monat April erlassen wolle – freiwillig, denn ein Anspruch darauf bestehe nicht. Auch der evangelische und der katholische Kitaträger schließen sich dieser Entlastungsmaßnahme für die Familien an. Die Stadt ihrerseits will den Trägern, die auf Elterngebühren verzichten, eine Erstattung in Höhe der städtischen Kitagebühr für die Betreuung zuzüglich eines maximalen Zuschlags von 20 Prozent gewähren. Allerdings ohne das Essensgeld zu erstatten. Das gefällt nicht allen. Denn: „Das reißt Löcher in den Haushalt der freien Träger“, sagt Uwe Hardt von der Liga der freien Wohlfahrtspflege. Denn die Fixkosten, etwa für das Personal, liefen ja trotzdem weiter. Weiter fördern, so sieht es die Beschlussvorlage des Gemeinderats vor, will die Stadt die Betriebskosten der freien Träger. Zudem soll die laufende Geldleistung an die Tageseltern, auch wenn diese keine Kinder betreuen, zunächst für April freiwillig weiter gewährt werden.

Insgesamt rechnet die Stadt wegen dieser Maßnahmen im April mit Mindereinnahmen von rund 3,4 Millionen Euro. Formal muss das der Gemeinderat noch beschließen. Dessen Sitzung wurde vom 2. auf den 9. April verlegt, man will sich – coronabedingt – in reduzierter Runde treffen.

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