Jugendrätin Zerhif Dündar hilft Karin Mielich Foto: Annegret Jacobs

Wie schreibt man eine E-Mail? Wie meldet man sich auf Facebook an – und was ist das überhaupt? Drei Tage lang haben Möhringer Jugendräte Senioren im Jugendhaus gezeigt, wie man am Computer arbeitet.

Möhringen - Nein, das Wort Yahoo will die Möhringer Seniorin nicht in ihrer E-Mail-Adresse haben. „Das passt doch gar nicht zu meinem Nachnamen.“ Ob es nicht Anbieter gebe, die bodenständiger klingen. „Ich meine mich da an einen zu erinnern, der Baden-Württemberg im Namen hat“, sagt die Seniorin und schaut Milena Schellenberger ratlos an. Diese schaut genauso ratlos zurück. Denn einen solchen Anbieter kennt die 17-jährige Jugendgemeinderätin aus Möhringen nicht. „Ha“, macht die Seniorin, „ist ja auch egal. Fürs Üben kann ich auch diese Yahoo-Adresse nehmen“, sagt sie und macht einen wegwerfende Bewegung. „Nein“, erklärt ihr Milena Schellenberger darauf. „Das ist dann schon für immer.“ Prinzipiell könne man sich zwar ganz viele E-Mail-Adressen einrichten – aber es sei viel übersichtlicher, nur eine zu nutzen.

Tag zwei im Seniorencomputerkurs im Jugendhaus Möhringen. Am Nachmittag sitzen acht Senioren vor den Computern im ersten Stock, einige haben auch ihre Laptops mitgebracht. Sie wollen wissen, wie man E-Mails schreibt, sich auf Facebook anmeldet – und was Facebook überhaupt ist. Erklärt wird ihnen das alles von den Jugendlichen des Möhringer Jugendrates. Angestoßen hat das Projekt Andreas Bernhard vom Jugendhaus. Bereits zum vierten Mal bietet er den Computerkurs für Senioren an, zum zweiten Mal hat er dazu die Mitglieder des Jugendrates engagiert.

„Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich anmelde“

„Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich zu dem Computerkurs anmelde“, sagt Karin Mielich. Aus der Berufszeit kenne sich die Mittsiebzigerin zwar noch ein bisschen mit Textverarbeitung aus. „Aber mit dem Internet komme ich nicht klar“, sagt sie. Eine E-Mail-Adresse habe sie sich bereits besorgt. Das sei nötig, denn ihre Kinder leben nicht in Stuttgart. „Per E-Mail ist es ja viel einfacher, heute in Kontakt zu bleiben“, sagt sie – wenn man sie denn problemlos schreiben könnte.

Neben den Computer hat sich Mielich eine handgeschrieben Liste mit diversen Punkten gelegt. Heute will sie sich bei Facebook anmelden und nachschauen, wie sie die Spartenkanäle des ZDF auf dem Computer anschauen kann. „Wie geht das denn?“, fragt sie Zerhif Dündar, 16 Jahre, ebenfalls Mitglied des Jugendrates. Die Schülerin überlegt und schlägt vor, doch bei RTL mal nachzuschauen. „Nee“, widerspricht Mielich. RTL hat andere Spartenkanale, die will die Seniorin nicht anschauen – eine Generationenfrage.

Rosemarie Hinderer, eine Endsechzigerin, war es wichtig, dass ihr Jugendliche helfen. Grundkenntnisse am Computer hat sie, „aber die Jugendlichen haben mehr Ahnung und gehen damit ganz natürlich um“. Zudem findet Hinderer es gut, dass der Kurs kompakt ist. „Drei Tage sind überschaubar.“

„Was man im Internet alles findet!“

Der älteste Teilnehmer im Kurs ist 84 Jahre alt. In Krawatte und Blouson sitzt er vor dem Bildschirm, hat sich die Internetseite eines Urlaubsortes im Schwarzwald herausgesucht – und betrachtet zusammen mit seinem Tischnachbarn die Großaufnahme einer Kuckucksuhr. „Was man im Internet alles findet“, sagen die beiden kopfschüttelnd.

Früher hatten sie sich nie damit beschäftigen wollen. „Da haben wir gesagt: Internet – das brauchen wir nicht mehr“, sagt der Tischnachbar. Ein Irrtum: „Heute heißt es überall „Mehr Informationen finden Sie auf unserer Internetseite.“ Irgendwann habe es ihn so gefuchst, dass er nicht weiß, wie man nachschlagen kann. Da habe er sich für den Kurs angemeldet.

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