Das Fernsehen hat schon angeklopft, ob nicht ein Dreh möglich sei, Vorbeifahrende staunen ob des puristischen Baus. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Ein neuer Club bezaubert die Stadt. Dabei gehört der Club Traube nicht unbedingt zu den allercoolsten Discos, er steht eher etwas abseits beim Gaskessel – und ist die Heimat des Weinhändlers ViDeli.

Stuttgart - Der Bau ist sehr markant mit seinem Sichtbeton und den unterschiedlich großen Fenstern. Das Fernsehen hat schon angeklopft, ob nicht ein Dreh möglich sei, Vorbeifahrende staunen ob des puristischen Baus. Und Oliver Schmid, der den Bau gemeinsam mit seiner Frau hingestellt hat, staunt selbst am meisten über die Entwicklung: „Irre, so etwas als Weinhändler zu machen.“ 1,7 Millionen Euro hat das Ehepaar investiert und sich damit einen Traum erfüllt.

Entstanden ist dieser aus einer typisch Stuttgarter Erwägung heraus. Vor gut sieben Jahren gründeten die beiden ihren Weinhandel. Zunächst in der Privatwohnung, später gab’s verschiedene Lager über die Stadt verstreut. „Wir sind zu Hause im Kinderzimmer gewachsen“, sagt Schmid. ViDeli wuchs zu etwas wie einem Großhändler für die Region und das Land, beliefert aber auch Privatpersonen. Nur war die Sache eines Tages zu kompliziert, also kam die logische Frage: Wo lassen sich passende Räume mieten. Eine Frage, die in Stuttgart sehr oft mir einem einzigen Wort zu beantworten ist: Nirgends.

Ein Projekt aus einem Guss

Die Alternative: Kaufen. Aber auch da war nichts zu finden. „Das war unerträglich“, sagt Oliver Schmid, dem dann ein Zufall zu Hilfe kam. „Mit viel Glück haben wir dieses städtische Grundstück gefunden.“ Am Rand vom ehemaligen Schlachthofgelände, in einem recht schwierigen Zuschnitt. Die Weinhändler haben sich den Platz mit anderen Firmen geteilt – und so ihr Prunkstück gebaut. „Unser Vorteil war, dass wir den Architekten und den Innenarchitekten sehr früh ins Boot geholt haben“, sagt Oliver Schmid, so sei ein Projekt aus einem Guss entstanden.

Darin enthalten ist nun nicht nur das Lager und die Büros für den Weinhandel, sondern auch ein Raum, in dem Feste stattfinden können für knapp einhundert Gäste. Dort finden dann aber auch Weinproben statt, zum Beispiel am Mittwoch, 17. Juli, das Fiasko Italiano. Von 18 bis 21 Uhr stehen 30 italienische Weine aus dem Sortiment des Händlers zum Verkosten bereit (30 Euro Eintritt). Der Raum selbst ist wie das ganze Gebäude: Sehr puristisch, mit wenigen, sehr hochwertigen Materialien ausgestattet.

Die Macher kommen beide aus Stuttgart

Für Marco Hippman war es ein Glücksfall. „Es ist schon extrem lässig, was die beiden auf die Beine gestellt haben.“ Zum Beispiel steht der Firmenname nicht protzig über der Eingangstür, den findet man fast nicht. Auf Containern an der Hofeinfahrt steht der. „Natürlich wurde ich gefragt, warum alles so grau ist“, sagt Hippmann, „aber wir wollten alles auf das Wesentliche reduzieren.“

Und so ist ein klassischer Industriebau entstanden, an manchen Stellen mit etwas Messing gebrochen. Wichtig waren dem Architekten auch die unterschiedlichen Fenster, die keineswegs nur zufällig so hingeworfen wurden. Durch jedes Fenster wird ein anderer Blick auf die Stadt frei gegeben, Hippmann nennt das poetische Sichtachsen, mit denen er die Besonderheiten der Stadt hervorheben will. Mal sieht man das Kraftwerk, mal die Stadt, mal die Weinberge, mal den Waldrand. „Das funktioniert wie bei Postkartenausschnitten.

„Wir kommen beide aus Stuttgart, also wollten wir auch hier was aufbauen“, sagt Oliver Schmid. Und für seine Veranstaltungen hat er auch eine Vision. Er glaube nämlich nicht, dass die Leute sich die Weinwelt von einem schlecht rasierten, übergewichtigen Mittfünfziger erklären lassen wollen – und zeigt damit, dass er auch über ein ordentliches Maß an Selbstironie verfügt. Sein Ziel sei es, „möglichst entspannt“ etwas mit Wein und Essen zu machen. Und wenn dann das Fernsehen nochmal anklopft, dann mag er sich auch nicht verschließen. „Unter der Woche ist es halt schwierig, weil wir ja den Laden komplett zu machen müssten, aber am Wochenende wäre das gut vorstellbar.“

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