Mit diesem Slogan werben die Anhänger des City-Tickets für die Ludwigsburg. Foto: SPD Ludwigsburg

Marbach und Herrenberg haben es schon, in Ludwigsburg will es ein breites gesellschaftliches Bündnis: Ein Stadtticket, mit dem an günstig und einfach innerhalb der Markungsgrenzen fahren kann.

Ludwigsburg - Kaum ein Thema beschäftigt die Ludwigsburger Stadtpolitik derzeit stärker als die endlose Verkehrslawine. Das wurde auch in den Haushaltsreden im Gemeinderat deutlich. Die Diskussion über die Stadtbahn ist ziemlich festgefahren. Ein Vorschlag bringt nun frischen Wind in die Debatte: SPD, Grüne, die Ökolinx-Gruppe und eine breite Allianz vom CVJM über Studentenausschüsse bis zur evangelischen Kirche fordern ein Stadtticket. „Wir wollen ein Ticket für einen Euro innerhalb des Stadtgebietes“, forderte etwa die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins in ihrer Rede.

Wie genau soll das funktionieren? Der Ludwigsburger SPD-Vorsitzende Yannick Schulze hat den Slogan entworfen: „Eine Stadt, ein Ticket, ein Euro.“ Das so genannte Ludwigsburg-Ticket soll eine Stunde lang in eine Richtung gelten und ein Euro kosten. Umsteigen ist erlaubt, etwa wenn man von Eglosheim nach Pflugfelden S-Bahn und Bus verwenden möchte.

Bei Marktplatzaktionen der SPD sei der Vorschlag gut angekommen. „Ein älteres Ehepaar hat erzählt, dass man für zwei Personen 9,60 Euro ausgeben muss, um von den Stadtteilen zum Markt zu fahren“, sagt er. Mit dem Stadtticket wären es nur 4 Euro – eine echte Alternative zum Auto. „Wir würden den Nahverkehr einfacher, günstiger und komfortabler machen“, erklärt Schulze.

Herrenberg und Marbach sind Pilotkommunen

Andere Städte haben das schon umgesetzt: Stadttickets gibt es in Herrenberg (Kreis Böblingen) für 1,80 Euro und Marbach für 1,30 Euro. In beiden Städten wurde das Angebot im März 2015 als Pilotversuch vom Verkehrsverbund VVS gestartet und immer wieder verlängert, in Marbach bis Ende 2017. Die Tickets sind sogar zwei Stunden lang gültig. Die Stadt muss dabei den zusätzlichen „Verlust“ tragen, der dem VVS durch den vergünstigten Fahrschein entsteht – in Marbach 25 000 Euro, in Herrenberg 32 000 Euro. Denn das ist die Bedingung dafür, dass sich der Verkehrsverbund auf das Stadtticket einlässt.

Gelöst werden kann die Fahrkarte regulär am VVS-Automaten. Die Feldversuche in den beiden Städten sollen die Resonanz testen. „Die Erfahrungen in Herrenberg und Marbach sollen zeigen, ob durch einen günstigen Stadttarif in kleineren und mittleren Städten mehr Fahrgäste gewonnen werden können“, erklärt eine Sprecherin des VVS. Wenn dies so wäre, würde man ein einheitliches Zuschuss-Modell festlegen, um nach Bedarf in weiteren Städten Citytickets anbieten zu können.

In Marbach gibt es auch eine erste Bilanz, die im September im Gemeinderat vorgestellt wurde: Demnach wurden seit Einführung des Stadttickets 3369 Tickets pro Monat verkauft, zuvor waren es, 3197. Also eine Steigerung um gut fünf Prozent. Interessant ist auch die Befragung Verkehrsverbundes, wie das Stadtticket genutzt wird: Über die Hälfte verwenden es zum Einkaufen. Manche ersetzen damit gar die Monatskarte, indem sie nur Stadttickets lösen. Zudem sind zehn Prozent der Kunden vorher nicht Bus gefahren. Die Zufriedenheit der Kunden ist jedenfalls hoch: Fast 80 Prozent der Befragten haben das Ticket gelobt, Kritik gab es keine.

Ausdehnung auf Monats-Stadttickt möglich

In Herrenberg zieht die Finanzbürgermeisterin Gabriele Getzeny eine positive Bilanz: „Wir verzeichnen 15 Prozent mehr Fahrgäste.“ Daher werde sie dem Gemeinderat im Dezember vorschlagen, das Projekt zu verlängern. Das kostet die Stadt im Jahr 32 000 Euro. Getzeny kann sich sogar vorstellen, ein Monats-Stadtticket im Abo anzubieten.

In 13 Kommunen der Region gibt es anderes Modelle, etwa in Hemmingen, Weissach, Fellbach und Waiblingen: Die Verwaltung kauft dem VVS Vierer-Tickets ab, die sie dann ihren Bürgern vergünstigt anbieten.

Zurück nach Ludwigsburg: Welche Chancen hat dort das Stadtticket? Bei CDU und Freien Wählern herrscht Skepsis. Der CDU-Sprecher Klaus Herrmann verweist darauf, dass die Stadt ohnehin 2019 mehr Geld für Busverkehr ausgeben muss, weil die Verträge mit dem Landkreis neu ausgehandelt worden sind: „Es muss schon auch gesagt werden, wie hoch die Kosten sind und wie diese finanziert werden.“ Und Reinhardt Weiss, der Sprecher der Freien Wähler, träumt eher von einer Untertunnelung der B 27 und dem Nordostring.

Die Anhänger des Stadttickets haben nun bereits 1200 Unterschriften gesammelt – und hoffen, damit die Debatte weiter anzutreiben.

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