Insgesamt war die Polit-Parade beim CSD bunt und friedlich – gewaltsame Übergriffe gegen homosexuelle Teilnehmer führen jetzt dazu, dass am Freitag eine weitere Demo geplant ist. Foto: picture alliance/dpa

Die Polizei weiß von einem Mann, der beim CSD im Leonhardsviertel angegriffen wurde. Jetzt sollen noch zwei weitere Männer Opfer homophober Gewalt geworden sein. Die Community antwortet mit einer Demo am Freitag.

Stuttgart - Der Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart wird in diesem Jahr von unschönen Randerscheinungen überschattet – und es kommen immer mehr Fälle ans Licht. Nachdem ein Angriff auf einen Homosexuellen an der Jakobstraße im Leonhardsviertel bekannt wurde, gab es wohl noch mindestens zwei weitere gewalttätige Übergriffe.

Das berichten verschiedene LGBTTIQ-Einrichtungen unabhängig voneinander. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt, ob die beiden Vorfälle auch angezeigt werden. Aufgrund der zunehmenden Gewalt gegen sexuelle Minderheiten ist am Freitag um 17 Uhr eine weitere Kundgebung auf dem Marienplatz geplant.

Der erste neu bekannt gewordene Vorfall soll sich demnach am Sonntagnachmittag bei der CSD-Hocketse auf dem Schillerplatz ereignet haben. Laut der Interessengemeinschaft CSD Stuttgart und dem Projekt „100 Prozent Mensch“ sei ein homosexueller Mann von Unbekannten zunächst aufgrund seiner Sexualität beschimpft worden; darauf habe einer der mutmaßlichen Täter ihn tätlich angegangen und ihm den Arm verdreht.

Pöbeleien alt, Gewalt neu

Christoph Michl, der Geschäftsführer der IG CSD Stuttgart habe selbst gesehen, wie das Opfer in der Folge unweit am Marktplatz mit der Polizei sprach. „Es gab viele Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben“, sagt Michl. Eine Anzeige bei der Polizei liegt aktuell aber noch nicht vor, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart.

Der zweite neue Fall eines wohl gewalttätigen Übergriffs beim CSD soll sich auf dem Heimweg eines Besuchers ereignet haben. Auch das kam unabhängig bei verschiedenen LGBTTIQ-Einrichtungen an. Der Mann soll – ganz ähnlich wie beim Fall an der Jakobstraße – nach der Polit-Parade erst beleidigt und dann ins Gesicht geschlagen worden sein.

Christoph Michl kann sich nicht erinnern, dass es während des CSDs in Stuttgart in den vergangenen Jahren vergleichbare Fälle gegeben habe. „Hier und da wurde uns mal was von einer Pöbelei bekannt“, sagt er. Dass Teilnehmer geschlagen wurden, stelle „eine vollkommen neue Dimension dar“ und mache gleichzeitig deutlich, warum es wichtig sei, für die Anliegen der Regenbogen-Community auf die Straße zu gehen.

Polizeistatistik zählt mehr homophobe Verbrechen

Aber nicht nur physische Gewalt prägte den CSD 2019 in Stuttgart. Die Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg (TGBW) sah sich massiven Anfeindungen im Internet und per E-Mail ausgesetzt, obwohl es bereits der fünfte CSD-Umzug war, an dem sie mit einer Delegation teilgenommen hatte. Vor allem politisch rechtsgerichtete Türken beleidigten und bedrohten die TGBW für die Solidarität mit sexuellen Minderheiten.

Auch die Polizeistatistik des Landes Baden-Württemberg zeigt einen kleinen Anstieg homophob motivierter Straftaten in den Vergleichszeiträumen 2017 und 2018. Für 2019 gibt die Polizei noch keine Zahlen heraus – aber wenig deutet daraufhin, dass am Ende des Jahres ein Rückgang zu erwarten ist.

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