Der CSD war in Stuttgart ansonsten ein friedliches Fest. Foto: picture alliance/dpa

Ein junger Mann wird am Rande des friedlichen Christopher Street Days unvermittelt geschlagen, vermutlich aufgrund seiner Homosexualität.

Stuttgart - Das bunte Treiben in der Stadt hat ein 36-jähriger Stuttgarter zusammen mit seinen Freunden am Samstag beim Christopher Street Day genossen. Doch der Tag endete für ihn mit einem bitteren Erlebnis. Er habe nicht gedacht, dass das möglich wäre: „Homophobe Gewalt – das musste ich jetzt erleben“, sagt Patrick F. (Name der Redaktion bekannt) . Er sei an der Jakobstraße in der City angegriffen worden, als er mit seinen Freunden – alle vier in der Clique sind homosexuell – unterwegs war.

Sie hatten am Nachmittag die Parade genossen, hätten etwas Alkohol getrunken und seien in CSD-typischer Kleidung unterwegs gewesen. „Wir hatten alle Socken in Regenbogenfarben an – CSD-Socken eben, und Tanktops“, schildert Patrick F. „Wir waren noch kurz zuhause“, erzählt er, bevor sie sich auf den Weg machten zum Weiterfeiern im White Noise, einem Club an der Unterführung zur Stadtbahn-Haltestelle Rathaus. Wenige Schritte von zuhause entfernt kam es zu dem Zwischenfall, den das Opfer am Montag dann bei der Polizei anzeigte. „Wir gingen an der Jakobstraße an einer Gruppe junger Männer vorbei. „Schwul oder was?“ rief einer von denen uns hinterher“, berichtet der 36-Jährige. Ihr Outfit habe den Rückschluss, dass sie schwul seien, nahegelegt, findet er. Außerdem sei einer seiner Freunde auch „ein eher femininer Typ“, daher wohl die Äußerung des Fremden.

Ein Schlag aus dem Nichts gegen den Kopf

Er habe kurz und beiläufig geantwortet: „Ja, na und?“ und sei weitergegangen, in der Annahme, es wäre damit bei einer kurzen Neckerei geblieben. Doch offenbar war es für die Fremden, deren Clique Patrick F. auf fünf bis sechs junge Männer schätzt, nicht erledigt. Aus dem Nichts habe er plötzlich einen Schlag gegen den Kopf bekommen. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht“, fügt er hinzu. Jemand habe noch gerufen: „Ruft die Polizei“, aber keiner der Zeugen vor der Jakobstube habe reagiert.

Er habe eine aufgeplatzte Lippe erlitten und Schmerzen im Kiefer gehabt. Direkt zur Polizei sei er nicht gegangen, am Montag erstattet er dann eine Anzeige.

Laut der Polizei ist so ein Übergriff eine traurige Ausnahme. „Glücklicherweise kam es sonst zu keinen Zwischenfällen beim CSD“, sagt der Polizeisprecher Jens Lauer. Für die Polizei sei es in erster Linie ein Einsatz zur Verkehrsregelung gewesen. Dabei hatte sie viel zu tun, denn der Umzug war dieses Mal besonders lang.

Die Chancen, die mutmaßlichen Angreifer jetzt noch zu finden, seien gering. In solchen Fällen sollte man sofort die 110 wählen, rät die Polizei. Dann bestünde eine Chance, bei einer Fahndung in der näheren Umgebung jemanden zu finden.

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