Tibetaner im Exil protestierten Anfang August in Indien für eine Initiative, die nun verabschiedet wurde: China und Indien haben eine Truppenentflechtung in einem umstrittenen Himalaya-Gebiet vereinbart, um die wochenlangen Spannungen dort zu beseitigen Foto: AP

Für Neu Delhi ist die Vereinbarung über das auch von Bhutan beanspruchte Doklam-Plateau die „Rückkehr zum Status quo„ vor dem Streit um einen Straßenbau. Beide wollen weiter in dem Gebiet patrouillieren. Analysten sprechen von einem Sieg der Vernunft.

Neu Delhi - China und Indien haben eine Truppenentflechtung in einem umstrittenen Himalaya-Gebiet vereinbart, um die wochenlangen Spannungen dort zu beseitigen. Demnach verringern beide Seiten die Zahl ihrer Soldaten auf dem auch von Bhutan beanspruchten Doklam-Plateau, patrouillieren aber weiter in dem Gebiet.

Bau einer Straße als Ursache für Konflikt

Zwischen den beiden asiatischen Großmächten war es im Juni zu einer Konfrontation gekommen, als China mit dem Bau einer Straße in dem Gebiet begann. Das indische Außenministerium teilte mit, die nun getroffene Vereinbarung sei „die Rückkehr zum Status quo“ vor dem Streit. Der Durchbruch wurde kurz vor der Reise des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi zum Gipfeltreffen der BRICS-Länder - Brasilien, Indien, China und Südafrika - im September nach Peking erzielt.

Die chinesische Regierung teilte mit, ihre Soldaten patrouillierten weiter auf dem Doklam-Plateau, nachdem sie den Rückzug indischer Truppen überprüft und bestätigt hätten. „China wird weiter seine Souveränität ausüben und seine territoriale Integrität in Übereinstimmung mit historischen Konventionen ausüben“, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying in Peking. Hua erwähnte den umstrittenen Straßenbau nicht. Peking beansprucht das Gebiet mit Verweis auf ein Abkommen mit Großbritannien aus dem Jahr 1890.

Sieg der Vernunft

Beobachter begrüßten die Vereinbarung als einen Sieg der Vernunft. Beide Seiten hätten erkannt, dass dies nicht eine Frage sei, in der man bis zum Äußersten gehen und die beiderseitigen Beziehungen völlig zerstören würde, sagte ein Experte der Denkfabrik Vivekanand International Foundation in Neu Delhi, Sushant Sareen. Die Gefahr einer militärischen Konfrontation sei abgewendet. „Heißt das, dass alles in Butter ist zwischen beiden Ländern? Gewiss nicht.“

Das Doklam-Plateau wird auch als „Hühnerhals“ bezeichnet, weil es Indien einen Zugang zu seinen nordöstlichen Unionsländern bietet. Neu Delhi befürchtet, das China es mit einer Blockade des schmalen Korridors von seinen nordöstlichen Gebieten abschneiden könnte.

Spannungen zwischen den Nachbarn gibt es seit langem, meist wegen der of unmarkierten gemeinsamen Grenze. China beansprucht zudem ein 90 000 Quadratkilometer großes Gebiet im indischen Nordosten mit der Begründung, es gehöre kulturell zu Tibet. Indien wirft China vor, mit der Hochebene Aksai Chin im westlichen Himalaya ein 38 000 Quadratkilometer großes Gebiet besetzt zu haben, das ihm gehöre.

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