Daimler verleiht mit seinem Carsharing-Dienst Car2Go rund 14 000 Autos und hat weltweit drei Millionen Kunden. Foto: dpa

Seit über einem Jahr sprechen Daimler und BMW über ein Verschmelzen ihrer Carsharing-Töchter. Nun scheinen sich beide einig. Auch der Autovermieter Sixt redet aber ein Wörtchen mit.

n - Grundsätzlich sind sich alle Beteiligten einig. „Es ist sinnvoll, alles auf eine digitale Plattform zu bringen“, sagt ein Insider. Gemeint sind damit die beiden führenden Carsharing-Anbieter Car2go (Daimler) und Drive Now (BMW). Deren Fusion stünde kurz vor dem Abschluss, hat ein hochrangiger Automanager der Nachrichtenagentur Reuters verraten. Die FAZ will sogar erfahren haben, dass es schon im Februar so weit ist. Andere am Vorhaben Beteiligte sind vorsichtiger und peilen vage das erste Halbjahr 2018 als Zeitraum des Vollzugs an.

Große Anbieter wie Uber und Didi Chuxing dominieren den Markt

Offiziell hüllen sich beide Autobauer in Schweigen. Zu Gerüchten äußere man sich nicht, heißt es unisono in München und in Stuttgart. Für eine endgültige Entscheidung braucht man zudem die Autovermieter Sixt und Europcar. Zumindest Daimler und BMW sind sich dem Vernehmen nach spürbar nähergekommen. Größe gilt im Carsharing als entscheidend, vor allem mit Blick auf das Aufkommen von Konkurrenten wie dem US-Mitfahrdienst Uber oder dessen chinesischem Pendant Didi Chuxing. Das gilt umso mehr, wenn in den nächsten Jahren wie vielfach vorausgesagt Robotertaxis die Spielregeln der Mobilität in großem Stil verändern.

Eine Fusion von Car2go und Drive Now hat aber zumindest zwei größere Hürden zu überwinden: Erstens ist Drive Now im Gegensatz zur weltweit agierenden Daimler-Tochter auf Europa beschränkt. Zweitens expandiert die BMW-Tochter auch deutlich vorsichtiger. Das liegt auch am BMW-Partner Sixt. Der Autovermieter ist an Drive Now zur Hälfte beteiligt und steuert mit seiner IT, Software und Vermiet-Infrastruktur dort auch das operative Geschäft. Firmenchef Erich Sixt gilt nicht als sonderlich risikofreudig, was den Nebeneffekt hat, dass Drive Now nach eigenen Angaben seit 2014 in Deutschland profitabel ist. Car2go dagegen will das nur in einzelnen Städten wie Berlin sein. Dafür ist die Daimler-Tochter mit aktuell drei Millionen Carsharing-Kunden dreimal so groß wie Drive Now. Sie ist im Gegensatz zu den Münchnern auch in den USA und China aktiv. Car2go betreibt mit 14 000 Autos zudem die klar größere Flotte im Vergleich zu Drive Now mit 6000 Fahrzeugen.

„BMW und Daimler müssen sich auf eine gemeinsame Expansionsgeschwindigkeit einigen“, beschreibt ein Insider die Lage. Dazu komme, dass der BMW-Partner Sixt das Carsharing auf Europa beschränken will. Man könne Sixt zwar aus der Partnerschaft herauskaufen. Dann stünde ­Drive Now aber ohne IT da und müsste auf die Car2go-Plattform migrieren. Alternativ könnte der Autovermieter als Minderheitspartner mit an Bord bleiben. Sixt selbst äußert sich nicht. Um im großen Stil Kosten zu sparen, wäre eine einheitliche IT bei einer Fusion aber ohnehin sinnvoll.

BMW will auch Parkdienst Park Now einbringen

Im Auftritt nach außen sollen dem Vernehmen nach dagegen die beiden Marken Car2go und Drive Now erhalten bleiben. Daimler-Partner Europcar scheint hingegen kein Problem zu sein. Der Autovermieter ist nur zu einem Viertel an Car2go beteiligt und hat dort keine operativen Aufgaben. In einen gemeinsamen Carsharing-Konzern einbringen will BMW angeblich auch seinen Parkdienstleister Park Now. Insgesamt entstünde damit ein Gebilde mit rund einer Milliarde Euro Firmenwert.

Noch nicht durchgesickert ist, wie sich die Anteile am gemeinsamen Konzern auf Daimler und BMW in diesem Modell verteilen würden oder wo der Sitz der gemeinsamen Tochter wäre. Früher war einmal die Rede von Berlin. „Kartellrechtlich ist das kein Selbstläufer“, sagt ein Insider. Unklar sei nämlich, welche Märkte die Kartellbehörden bei einer Beurteilung zugrunde legen. Nehmen sie klassische Autovermietung mit ins Kalkül oder Konkurrenten wie Uber & Co., gebe es wohl keine Schwierigkeiten. Bei den EU-Kartellhütern haben Daimler und BMW jedenfalls dem Vernehmen nach bereits eine informelle Voranfrage laufen. Ernst ist es BMW und Daimler mit einer Fusion ihrer Carsharing-Töchter also. Kurz vor dem Vollzug sollen sie aber schon vorigen Herbst einmal gestanden haben. Und nicht alles, was für ein Zusammengehen im Carsharing nötig ist, können beide Autobauer exklusiv unter vier Augen aushandeln.

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