Caroline von Monaco (Mitte) heißt seit 1999 auch Caroline von Hannover und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Zu den Medien hat sie ein gespaltenes Verhältnis. Foto: Getty Images Europe

Prinzessin Carolines Leben wird seit ihrer Geburt im Fürstentum Monaco als modernes Märchen inszeniert. Sie selbst spielt da schon lange nicht mehr mit. Die Mythen ranken von selbst. Am Montag wird sie 60.

Monaco - Interviews mit Caroline von Hannover, wie Caroline von Monaco seit ihrer Heirat 1999 mit dem Deutschen Ernst August Prinz von Hannover auch heißt, sind eine Seltenheit. Sucht man beim Video-Portal Youtube, findet man nur ein Gespräch – von 1985. Die bekannte US-Fernsehjournalistin Barbara Walters war damals im Palastgarten eingeladen. Aus jüngster Zeit gibt es lediglich TV-Beiträge über ihre Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen, auf Modeschauen und Bällen. Meistens tritt Caroline, die am Montag 60 Jahre alt wird, überhaupt nicht vors Mikrofon, und wenn, dann äußert sie sich zu bestimmten Themen und auch das nur verhalten. Körpersprache und Mimik sprechen Bände, ihr Gesicht ist wie versteinert, ihre Gestik steif.

Das Interview von 1985 ist allerdings ein vielsagendes Fundstück. In dem knapp 20-minütigen Gespräch schwankt die damals 28-jährige Prinzessin zwischen Unverblümtheit und Schmallippigkeit. Schon damals hatte sie schon bittere Erfahrungen hinter sich. Der Tod ihrer Mutter Fürstin Gracia Patricia 1982 wurde in den Boulevardmedien breit getreten, es rankten sich Spekulationen um die Todesursache des früheren Hollywood-Stars, die den Kindern Caroline, Stéphanie, Albert und dem Witwer, Fürst Ranier III., schwer zusetzten.

Die Prinzessin wäre lieber eine normale Frau Grimaldi

Während des Interviews mit Barbara Walters stockt Caroline immer wieder, überlegt, wählt die Worte sorgfältig. Als ob sie sich zügelt, aus Angst, eine unbedarfte Äußerung könnte die nächste öffentliche Sensation werden. Eine Antwort am Ende des Interviews lässt ahnen, wie ambivalent sich ein Leben anfühlt, das von der Öffentlichkeit als modernes Märchen inszeniert wird. Walters fragt, ob sich die Prinzessin manchmal wünsche, einfach die normale, unbekannte Caroline Grimaldi zu sein. „Jeden Tag“, antwortet sie prompt und mit einem tiefen Seufzer.

Als artige Schülerin der „Dames de St. Maur“-Schule in Monaco, als Studentin an der Pariser Sorbonne, als bildhübsches Jetset-Girl und blutjunge Kurzzeit-Ehefrau des von der Presse als Playboy bezeichneten französischen Industriellen Philippe Junot: Seit ihrer Kindheit steht das älteste der Grimaldi-Kinder unter ständiger Beobachtung. Wenn sie wie alle ihre Freundinnen als junge Frau am Wochenende durch die Discotheken zieht, steht am nächsten Tag „Playgirl-Princess“ in großen Lettern in den bunten Blättern. Selbst normalen Vergnügungen scheint bei Prinzessin Caroline etwas Sündiges anzuhaften.

Caroline wehrt sich vor Gericht gegen ein falsches Interview

Ein zweiter schwerer Schicksalsschlag hebt Carolines Leben 1990 aus den Fugen und lässt sie die dunkle Seite des Lebens in der Öffentlichkeit spüren. Ihr zweiter Ehemann und Vater ihrer drei Kinder Andrea (geboren 1984), Charlotte (1986) und Pierre (1987), der italienische Unternehmer Stefano Casiraghi, kommt bei einem Unfall während der Rennboot-Weltmeisterschaften vor der Küste Monacos ums Leben. Die Objektive richten sich auf sie. Die Welt möchte teilhaben an ihrer Trauer, möchte mitleiden mit ihrer Märchenprinzessin. Die Grenzen zwischen Anteilnahme und Indiskretion, Bestürzung und Neugier verwischen. Caroline muss nicht nur damit fertig werden, im Alter von 33 plötzlich Witwe und alleinerziehende Mutter von drei Kindern zu sein, sie hadert auch mit dem Verlust der Kontrolle über die Darstellung ihres Schicksals.

Caroline fängt an, sich zu wehren und zieht gegen die Boulevard-Medien vor Gericht. Mit Erfolg: Das Hamburger Oberlandesgericht verurteilt 1996 den Burda-Verlag zu einer Zahlung von heute umgerechnet 90 000 Euro, der bis dahin höchsten Schmerzensgeldsumme in der Geschichte der deutschen Presse. Die Zeitschrift „Bunte“ hatte 1992 ein frei erfundenes Interview veröffentlicht. Caroline von Monaco wird zu einem festen Begriff im Medienrecht und steht symbolisch für das Bestreben, die Privatsphäre von Prominenten vor der Öffentlichkeit zu verteidigen. Ein vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2004 gefälltes Urteil sorgte für erhebliche Einschränkungen in den Möglichkeiten der Berichterstattung über Details aus dem Privatleben von Prominenten.

Der Zustand der Ehe von Caroline und Ernst August bleibt im Nebel

So verwundert es auch nicht, dass der Status von Caroline zu ihrem dritten Ehemann, Ernst August, dem Chef des Welfen-Hauses, seit Jahren im Nebulösen bleibt. Viel weiß man nicht über die Beziehung, offenbar haben aber beide eine ähnliche Abneigung gegenüber den Medien. Seit Ernst August 1998 mit einem Regenschirm auf einen Kameramann einschlug, wird er auch „Prügel-Prinz“ genannt.

Zu offiziellen Anlässen begleitet der 62-Jährige Caroline seit Jahren nicht mehr, nicht einmal zur Hochzeit seines Schwagers Albert II. und Charlène kam er 2011 nach Monaco. Sind sie überhaupt noch ein Ehepaar oder nur noch auf dem Papier verheiratet, der gemeinsamen Tochter Alexandra (17) zuliebe? Man weiß es nicht und das soll auch so bleiben. Sollen sie spekulieren, mutmaßen, andichten – die Wahrheit kriegen sie nicht. Das ist Carolines persönlicher Triumph.

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