Einst Männer mordendes Top-Model und frühere Première Dame: Sängerin Carla Bruni wird 50 Foto: dpa

Sie war ein Männer mordendes Top-Model, dann gefeierte Sängerin. Fünf Jahre lang stand sie als Frankreichs Première Dame im Rampenlicht. Am Samstag wird Carla Bruni 50. Und singt besser denn je.

Paris - Das darf doch nicht wahr sein. Carla Bruni 50? Ewig jung ist sie doch. Tout Paris kann es bezeugen. Vor kurzem erst ist sie wieder im Trianon aufgetreten, makellos wie eh und je. Jener Musikpalast am Fuß des Montmartre ist das, wo die laszive Schöne nach ihrer Model-Karriere und vor ihrem Fünf-Jahres-Gastspiel als Première Dame als Sängerin groß herausgekommen war. Bei der Rückkehr in den Trianon hat die Franko-Italienerin zwar nicht „Forever young“ angestimmt, sondern anderes Unverwüstliches: Abbas „The winner takes it all“ und „Highway to hell“ von AC/DC – das Ganze, wie im Titel ihres neuen Albums angekündigt, garniert mit „French Touch“.

Aber sie selbst meldete sich durchaus ewig jung zurück: rank und schlank, hautenge Lederjeans, samtblaue Jacke über körpernahem T-Shirt, der Teint einer 25-Jährigen. Die blauen Lichtblitze auf der Bühne, sie kamen bestimmt aus Brunis blitzblauen Augen. Bevor sie mit der auf dem Laufsteg erworbenen traumwandlerischen Sicherheit im Trianon erste Pirouetten drehte, hatte sie klargestellt, dass auch ihre Vorlieben unverändert sind: Sie stehe weiterhin auf virile Männer, sagte sie. Seit 2008 stehe sie eben auf diesen einen, ganz besonders männlichen: auf Nicolas Sarkozy, den sie acht Monate nach seiner Wahl zum Präsidenten geheiratet hatte. Einem öffentlich erneuerten Treueschwur kam das gleich.

Auf Sex angesprochen, gibt sie herzerfrischend natürlich Auskunft

Was so manchen nicht davon abgehalten haben dürfte, sich an die Femme fatale Carla Bruni zu erinnern. Von den Rockern Mick Jagger und Eric Clapton über den seinerzeit nur als Milliardär auffälligen Amerikaner Donald Trump bis hin zum aufstrebenden Philosophen Raphael Enthoven (acht Jahre jünger als Bruni) und dem in Ehren ergrauten Bond-Helden Sean Connery (37 Jahre älter als sie): Bruni hat sie alle gehabt.

Auf Sex angesprochen, pflegt sie herzerfrischend natürlich Auskunft zu geben. Unvergessen ist, wie sie in einer Fernsehshow den errötenden Moderatoren Antoine de Caune und Jean-Paul Gaultier 1996 erläuterte, was man mit einem Finger unterhalb der Gürtellinie so alles anstellen kann. Hat Bruni, Mutter des 16-jährigen Aurélien (Vater Enthoven) und der sechsjährigen Giulia (Vater Sarkozy), nicht kürzlich erst ihre verruchten Jahre als Top-Model wieder aufleben lassen?

Im September war sie zu Ehren des 1997 verstorbenen Modeschöpfers Gianni Versace auf den Laufsteg zurückgekehrt. Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Helena Christensen leisteten ihr Gesellschaft, huldigten den neunziger Jahren, als die vier im Wechsel die Cover von Elle, Vogue oder Vanity Fair zierten.

Carla Bruni war 15 Jahre lang in der Psychoanalyse

Das heißt, eines war dann doch anders im Trianon. Brunis Stimme, dieses rauchig-hauchige Etwas, das früher bisweilen wegzubrechen drohte, vermochte diesmal selbst in hohen Lagen noch Kraftreserven zu mobilisieren. Der Gesangsunterricht macht’s möglich. Zwei bis drei Stunden pro Woche trainiert Bruni ihre Stimmbänder, und dies nun schon seit Jahren. Cooler sei sie außerdem geworden, findet sie – der Lebenserfahrung sei Dank sowie 15 Jahren Psychoanalyse, in denen es ja auch eine Menge aufzuarbeiten gab.

Das Leben der Bruni-Tedeschis ist eine auch an Tragödien reiche Familiensaga. Mit der Mutter Marisa, einer Konzertpianistin, sowie den älteren Geschwistern Valeria und Virginio zieht Carla, fünf Jahre alt, von Turin nach Paris. Das Familienoberhaupt, der den schönen Künsten aufgeschlossene Großindustrielle Alberto Bruni Tedeschi, bleibt in Turin zurück. Um den Verkauf seiner in Turbulenzen geratenen Reifenfirma kümmert er sich, leitet nebenher als Intendant ein Opernhaus.

Mit 50 heiße es Abschied nehmen von der Jugend, sagt Bruni

Carla hätte die Rolle des Nesthäkchen zufallen können, das besondere Zuwendung erfährt. Doch es kommt anders. Ihre Kindheit sei von Einsamkeit überschattet gewesen, hat sie einmal erzählt. Die Einsamkeit sollte noch größer werden. Auf dem Sterbebett offenbart Alberto Bruni Tedeschi, dass nicht er Carlas Vater sei, sondern der brasilianische Unternehmer Maurizio Remmert, ein ehemaliger Liebhaber der Mutter.

1996 war das. Zehn Jahre später stirbt Carlas Bruder Virginio an Aids. Das bald darauf beginnende Leben einer Präsidentengattin mit seinen protokollarischen Zwängen ist für die freiheitsliebende Frau auch nicht das reine Glück. Wobei Bruni wieder einmal das Beste daraus macht. Wie auf Laufsteg und Bühne weiß sie auch auf politischem Parkett zu gefallen. Und ja, es stimmt tatsächlich. Am Samstag wird sie 50. Bruni selbst hat es bestätigt. Mit 50 heiße es Abschied nehmen von der Jugend, hat sie hinzugefügt. Mit 50 sei man alt. Ach Carla!

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