Die Fluxus-Zeit geht nun endgültg zu Ende. Am letzten Juni-Wochenende müssen die Geschäfte raus, die Gastronomen knapp zwei Wochen später. Foto: Archiv/ Lichtgut/Leif Piechowski

Drei Monate sollte das Fluxus ursprünglich nur bleiben, am Ende waren es drei Jahre. Bald ist in der Calwer Passage in Stuttgart endgültig Schluss für die alternative Einkaufsmall. Die Partytermine stehen schon fest.

Stuttgart - Drei Monate – länger war das Projekt Fluxus Contemporary Mall eigentlich damals gar nicht geplant. Im November 2014 ist die alternative Einkaufszeile in der Calwer Passage unter der Leitung von Hannes Steim mit 16 kleinen Einzelhändlern gestartet.

Für drei Monate hat damals das Café Bohème eine komplette Gastronomie auf die Beine gestellt, auch die Läden agierten nach dem Pop-Up-Prinzip: ein Ende der ganzen Geschichte war immer in Sicht. Der hehre Plan war dennoch, der Stadt mit kleinen, regionalen Händlern eine Alternative zu den großen Einkaufsketten zu bieten. Das ist den Machern um Steim gelungen.

Das Ende war immer nah

Knapp dreieinhalb Jahre später ist das Fluxus immer noch da – und ist in der Zeit zu einem Hotspot für Stuttgarter geworden, die gerne abseits der großen Ketten einkaufen. Abends ziehen die Gastronomien – das Holzapfel, das Tatti Café und Bar sowie das Cape Collins – viele Feierfreudige an, bei schönem Wetter ist der Platz vor der Calwer Passage meistens schon ab dem frühen Nachmittag voll. Das Fluxus hat sich in den letzten Jahren zu einem einzigartigen Ort in Stuttgart entwickelt. Trotzdem ist das Projekt nun Ende Juni endgültig zu Ende.

Die 17 Geschäfte müssen bis zu diesem Datum die Passage räumen, die Gastronomien knapp zwei Wochen später. „Ich bin froh und wehmütig zugleich“, sagt Hannes Steim. Aus seiner Sicht müsse nicht immer „alles bis zum Sankt Nimmerleinstag“ bestehen, sagte Steim bereits letztes Jahr. Trotzdem hat er sich noch eine Zeit lang um einen alternativen Standort bemüht. Geklappt hat das bisher nicht. „Aber den Charme des Fluxus einfach irgendwo anders fortzuführen, das hätte wohl auch nicht funktioniert.“ Eine Art Fluxus II wird es also erst einmal nicht geben.

Insgesamt habe er mit fast allen Mietern gute Erfahrungen gemacht, so seine Bilanz. „Auch wenn vieles doch manchmal nervig war“, sagt Steim. Nur einen Mieter habe er in der Zeit wirklich rauswerfen müssen. Nach einem Brand hätten die einfach weiter Parties gefeiert in ihrem Laden. Das war genug für Steim. Auch „unter Androhung von Schlägen“ habe er einmal den Laden eines Mieters verlassen, weil dieser sauer über den befristeten Mietvertrag war. „Mit dem hab ich mich dann draußen auf dem Platz zu einem Kickbox-Fight verabredet im Streit“, erzählt er. „Der kam dann aber nicht.“ Heute kann Steim über einige kleine Ärgernisse lachen. „Wenn mich das Fluxus eines gelehrt hat, dann Dinge nicht persönlich zu nehmen.“

Und dankbar sei er, für den totalen Frei- und Kreativraum, den er mit dem Fluxus erhalten habe, auf dem er sich austoben konnte. Das reichte von Bands, die dort auf dem Dach gespielt haben, einer Rollschuh-Disco bis zu einem Free-Food-Festival kürzlich zum Dreijährigen.

Die denkmalgeschützte Passage will der Investor erhalten

Das Ende der Passage wurde in den letzten Jahren immer wieder angekündigt – und doch immer wieder verschoben. Doch im Juni ist nun endgültig Schluss. Der Stuttgarter Investor Ferdinand Piëch, Sohn des gleichnamigen ehemaligen Porsche-Großaktionärs und VW-Aufsichtsratsvorsitzenden, hat damals den kleinen Händlern eine Chance gegeben, solange nicht klar war, wann er mit dem Abriss beziehungsweise Umbau des Gebäudekomplexes starten wird. Das ist nun seit letzten Sommer klar: Der große dreiteilige Gebäudekomplex am Rotebühlplatz aus den 70-er Jahren mit der Calwer Passage als Herzstück wird ebenso wie das benachbarte Gebäude an der Ecke Theodor-Heuss-/Lange Straße abgerissen. Das Grundstück soll bis Ende 2020 neu bebaut werden. Die denkmalgeschützte Ladenpassage aber bleibt nicht nur erhalten, sondern wird bis zur nächsten Querstraße verlängert. Es soll wohl bei einer Nutzung für Büros, Einzelhandel, Cafés und Wohnen bleiben.

Mit zwei großen Events verabschieden sich die Fluxus-Macher

Wie es sich für die Händler und Gastronomen im Fluxus gehört, wird das endgültige Ende nun aber auch ordentlich gefeiert. Sogar gleich zweimal: Am Samstag, 30. Juni, öffnen die Läden zum letzten Mal und bieten jeweils ein besonderes Programm zum Abschied. Zusätzlich soll es laut Hannes Steim auch ein Kinderprogramm geben, an dem er gerade noch arbeitet. Auf dem Platz wird es einen Eisstand geben, das städtische Weingut – derzeit auch Gast im Fluxus – wird voraussichtlich Weinproben machen, die ein oder andere Band werde ebenfalls spielen.

Knapp zwei Wochen später müssen dann auch die Gastronomen ihre Läden räumen, die ganz große Fluxus-Closing-Party findet dann am Samstag, 14. Juli in der kompletten Passage statt. Jeder Laden plane einen Party-Floor, auch das Dach wolle man bespielen, kündigt Steim an.

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