Der Verkehr der S 6 und S 60 darf unter der Hesse-Bahn nicht leiden, fordert die Region. Foto: dpa

Die vom Land Baden-Württemberg unterstützten Pläne des Kreises Calw, die Hesse-Bahn von Calw nach Renningen wieder in Betrieb zu nehmen, werden vom Verband Region Stuttgart kritisch beobachtet. Darunter dürfe der Betrieb der S-Bahn nicht leiden.

Calw - Die vom Land Baden-Württemberg unterstützten Pläne des Kreises Calw, die Hesse-Bahn von Calw nach Renningen wieder in Betrieb zu nehmen, werden vom Verband Region Stuttgart kritisch beobachtet. Darunter dürfe der Betrieb der S-Bahn nicht leiden, betonten alle Fraktionen am Mittwoch im regionalen Verkehrsausschuss, der sich auf Antrag der Freien Wähler und der SPD mit der Situation beschäftigte.

Die Regionalpolitiker forderten den Kreis Calw zu einer besseren Zusammenarbeit mit der Region auf. Allerdings deuten die Zeichen wohl eher auf eine Konfrontation: Die Bundesnetzagentur hat auf Anregung des Kreises Anfang Dezember zu einem Gespräch geladen, bei dem wohl die Nutzung der Strecke zwischen Weil der Stadt und Renningen thematisiert wird, auf der heute die S-Bahn verkehrt und künftig auch die Hesse-Bahn fahren soll. „Es geht um den wettbewerbsneutralen Zugang“, sagte der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler, „wenn die Hesse-Bahn als gleichwertig angesehen wird, kann es sein, dass die S-Bahn zurückstehen muss.“

„Nur sporadische Informationen“

„Nur sporadische Informationen“

Genau dieses Szenario will der Verband Region Stuttgart, der für die S-Bahn zuständig ist, mit aller Macht verhindern – und verlangt vom Kreis Calw eine bessere Zusammenarbeit. So habe der Verband eine Untersuchung noch nicht erhalten, was mündlich zugesagt worden sei. Doch mittlerweile „werden vom Kreis Calw Informationen nur noch sporadisch weitergegeben“. So fehlten Angaben zur Fahrgastnachfrage und zu den betrieblichen Abläufen, auf deren Grundlage die Auswirkungen auf die S-Bahn eingeschätzt werden könnten, erklärte der Verband.

„Das Verhalten des Kreises Calw ist wenig vertrauensbildend“, sagte Frank Buß, Regionalrat der Freien Wähler. Dadurch würden Befürchtungen geschürt, dass ein Betrieb der Hesse-Bahn negative Auswirkungen auf die S-Bahn haben könnte. Es könne nicht sein, dass wegen 2000 Fahrgästen auf der Hesse-Bahn 40 000 Nutzer der S 6 und 10 000 Pendler in der S 60 mit Verschlechterungen rechnen müssten, monierte Buß. Zumal die Hesse-Bahn nur deshalb einen verkehrlichen Nutzen bringe, weil sie direkten Anschluss an die S 60 habe. Rainer Ganske (CDU) kritisierte ebenfalls die Doppelbelegung auf der Strecke Weil der Stadt–Renningen. Das dürfe sich für Fahrgäste, den Betrieb und den Ausbau der S-Bahn nicht negativ auswirken. „Wir verzichten auch nicht auf Regionalisierungsmittel“, sagte Ganske, der die Hesse-Bahn nur dann akzeptieren will, „wenn sie für die Region keine betrieblichen und finanziellen Nachteile bringt“. Auch Thomas Leipnitz (SPD) begrüßte zwar Verbesserungen für den Nahverkehr, forderte aber eine Priorität für die S-Bahn. So könne die Hesse-Bahn anfangs nur bis Weil der Stadt fahren, und falls sie bis Renningen verlängert werde, müsse ein zweites Gleis von ihren Betreibern finanziert werden.

„Das ist eine große Chance“

„Das ist eine große Chance“

Eva Mannhardt von den Grünen betonte zwar, dass der Kreis Calw eine größere Bereitschaft für eine Lösung zeigen müsse, die Nachteile für die S-Bahn ausschließe. „Aber die Region Stuttgart sollte aus ihrer Abwehrhaltung herauskommen.“ Schließlich handle es sich bei der Hesse-Bahn um ein zusätzliches Angebot im Nahverkehr, das zu begrüßen sei. „Das ist die große Chance, dass unsere S-Bahn mehr Fahrgäste aus Calw erhält, aber es eröffnet auch den S-Bahn-Nutzern eine direkte Anbindung nach Calw“, sagte sie. Das Interesse des Kreises Calw und der Region Stuttgart müsse sein, dass „Fahrgäste einen Mehrwert haben“.

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