„Busfahrer des Jahres“: Manol Micev chauffiert seit 19 Jahren die Fahrgäste im Landkreis Böblingen. Foto: factum/Weise

Fast täglich gute Laune, seit 19 Jahren: Die Fahrgäste im Kreis Böblingen haben ihren Busfahrer des Jahres gewählt.

Böblingen - Man kann sich gut vorstellen, wie Manol Micev hinter einem großen Lenkrad sitzt und Fahrgäste, die in seinen Bus einsteigen, freundlich lächelnd begrüßt: „Guten Tag, Hallo, Guten Tag.“ Mit einem solchen Lächeln steht Micev am Donnerstag in Böblingen auf dem Parkplatz der Busfirma Pflieger, seinem Arbeitgeber, er hat die Arme verschränkt und lässt die Lobrede seines Chefs auf sich wirken. Höflich, hilfsbereit, kompetent, ein idealer Mitarbeiter sei Herr Micev, urteilt Hermann Pflieger und überreicht Micev den Wimpel „Busfahrer des Jahres“. Dazu einen Gutschein und eine Brezel für später. Eine kleine Geste für jemanden, der 19 Jahre verlässlich eine Stadt bewegt.

„Die Windschutzscheibe ist für mich ein großer Fernseher mit ständig wechselndem Programm“, sagt Micev über seinen Beruf. Und was man auf diesen Bildschirm nicht alles sieht! Zum Beispiel auf seiner Lieblingsstrecke, der Linie 701 von Sindelfingen Eichholz nach Diezenhalde: Eilige Reisende, die den Stau verfluchen, gelassene Ältere, Jugendliche, die mit Kopfhörern an den Bushaltestellen das Hupen der Busse überhören. „Die Abwechslung macht es aus.“

Zeitenwende für Busfahrer

Für Busfahrer ist eine Zeitenwende angebrochen, findet der Reisebetreiber Hermann Pflieger. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Immer mehr Autos drängen sich auf den engen Straßen. Hinzu kommen ständige Baustellen und Fahrgäste, die eilig von einer Haltestelle zur nächsten wollen und auch kleine Verspätungen per Handyfoto beim Betreiber melden. „Der Job ist nicht einfach, aber wichtig“, sagt Pflieger. Der Busfahrer sei das letzte Glied in der Kette einer Infrastruktur. Der Frust der Menschen treffe dann Fahrer wie Manol Micev.

Als 21-Jähriger zieht Micev von Nordmazedonien nach Deutschland. Hier fährt er sieben Jahre Schwertransporter, lernt Deutsch, wird in Sindelfingen mit seiner Familie sesshaft. Dann tauscht er den Laster gegen einen Bus ein. An einem Samstag um 11 Uhr fährt er zum Vorstellungsgespräch nach Böblingen – als angestellter Busfahrer fährt er zurück. Die Umstellung fiel ihm nicht schwer. „Man muss mehr auf die Sicherheit achten, weil man Menschen und nicht Produkte transportiert“, sagt er. Vom Fahrverhalten seien Lastwagen und Busse allerdings ähnlich. Nur die Gänge muss man in Lastern manuell einlegen.

Suche nach Personal

Mehr denn je sucht die Branche nach Personal. Die Belastung wächst. Bis Ende des nächsten Jahres steigt die Zahl der gefahrenen Kilometer mit dem Bus gegenüber 2015 um sechs Millionen. Von 1,3 Millionen Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), werden heute jährlich etwas mehr als die Hälfte mit Bussen gefahren. Allein im Landkreis Böblingen sind 400 Fahrer unterwegs. Zu wenig, wenn es nach den Betrieben geht. Sie werben um Nachwuchs und versuchen Beschäftigte aus anderen Branchen abzuwerben, auch Kassierer oder Fernfahrer.

„Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel“, sagt der 47-jährige Micev. Er gehe gerne zur Arbeit, habe fast jeden Tag gute Laune. „Nur am Montagmorgen dauert es länger, bis ich auf Touren komme.“

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