Buswartehäuschen gibt es in Stuttgart in unterschiedlichen Varianten. Hier ist ein neutrales zu sehen, wie es beispielsweise in Plieningen aufgestellt worden ist. Foto: Archiv/Eveline Blohmer

In Stuttgart gibt es rund 1300 Bushaltestellen. Bei nur 60 Prozent von ihnen haben die Fahrgäste ein Dach über dem Kopf. Der Grund ist, dass sich die sogenannten Wartehallen nicht einfach mal so bauen lassen. Wir erklären, warum das so ist.

Filder/Stuttgart - Wer am Knappenweg im Dachswald an der Haltestelle auf die Buslinie 82 wartet, muss hoffen, dass es nicht regnet – oder einen Schirm dabei haben. Denn dort fehlt es an einem Unterstand. Einige Busfahrgäste sind deshalb sauer, sie sagen, die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) habe ihnen ein Wartehäuschenversprochen. So jedenfalls sagt es Frau, die namentlich nicht genannt werden will, aber angeblich „im Namen von vielen“ spricht. Unabhängig vom Fall Knappenweg ist der Weg zum Buswartehäuschen mitunter ein beschwerlicher. Warum eigentlich?

Wer baut die Wartehäuschen an den Stuttgarter Bushaltestelle?

„Die Aufgabe, Wartehäuschen aufzustellen, hat die Stadt 1989 an die SSB übertragen“, sagt Peter Krauß, SSB-Fachbereichsleiter für Bauwerke der technischen Infrastruktur. Für die SSB sei dies aber allein schwerlich zu stemmen. Die SSB habe deshalb damals zusammen mit einem Werbepartner, das in den Wartehäuschen Werbeplakate aufhängen dürfe, überlegt, wie man mehr Wartehäuschen bauen könne als die 100, die es damals in Stuttgart gab.

Mit dieser Firma seien mittlerweile 760 Bushaltestellen mit Schutzeinrichtungen gebaut worden. „Das hört sich viel an, wenn man aber weiß, dass in der Stadt Stuttgart rund 1300 Haltestellen sind, dann haben lediglich 60 Prozent von ihnen einen Wetterschutz“, sagt Krauß. Der Werbepartner erarbeite das Baugesuch, stelle die im SSB-Jargon als Wartehalle bezeichneten Häuschen auf, reinige sie und beseitige Schäden durch Vandalismus. „Die Kosten dafür werden von der Werbung finanziert“, sagt Krauß. Mit dieser Auslagerung wollten die SSB den Busverkehr „so kostendeckend wie möglich machen“. Es gebe immer noch Stellen im Stadtgebiet, zum Beispiel im Wald oder auf unbebauter Gegend, an denen man wegen Werbeverbots keine Werbewartehallen aufstellen dürfe: „Da müssen wir dann auf SSB-Kosten Wartehallen bauen.“

Wie äußert sich die SSB zum Fall Knappenweg im Dachswald?

„Als diese Haltestelle damals bei der Sanierung der Straße barrierefrei ausgebaut wurde, gab es dort ein großes Grundstück mit einem Einfamilienhaus.“ Es sei verkauft worden, anschließend seien dort drei Mehrfamilienhäuser entstanden. Im Bereich der Bushaltestelle liege deren Tiefgaragenzufahrt. „Die Stadt hat damals den Gehweg verbreitert, damit wir die Option haben, eine Wartehalle aufzubauen. Das ist auch so kommuniziert worden.“ Allerdings: Die Entscheidung, ein Häuschen zu bauen, richte die SSB daran aus, wie viele Menschen die Haltestelle nutzen und ob dort eine öffentliche Einrichtung sei. „Solche Haltestelle mit höherer Frequenz werden vorrangig mit Wartehallen ausgestattet“, erklärt Krauß. „Die Haltestelle Knappenweg gehört nicht zu den Haltestellen, wo der Bär steppt.“ Die SSB zählten dort „Einsteiger in der Größenordnung von zehn bis zwölf“. Zweites Problem: Die Werbung an einem Wartehäuschen ist für die Autofahrer gedacht, und von denen gebe es im Dachswald ebenfalls wenige. „Es müsste ein neutrales Häuschen sein, dessen Bau, Instandhaltung und Reinigung wir selbst bezahlen.“

Welche Kosten verursachen die Bushäuschen?

Eine Wartehalle kostet laut Krauß 8000 bis 12 000 Euro. Wenn dafür noch eine Bodenfläche nebst Entwässerung gebaut werden müsse, kämen weitere 3000 bis 4000 Euro dazu. Letzteres wäre am Knappenweg nicht der Fall. Für Anwohner eines Wartehäuschens kann der Unterstand übrigens ebenfalls aufwendig werden. „Nach einem Urteil des Landgerichts sind alle Einflüsse einer Haltestelle vom Anlieger zu tragen“, erklärt der SSB-Mann Krauß. Anlieger hätten zwar das Recht, Einspruch gegen den Bau einer Wartehalle einzulegen, aber bisher habe immer das öffentliche Interesse Vorrang gehabt.

Gibt’s weitere Beispiele für Probleme mit Wartehäuschen auf den Fildern?

Nicht nur der Wunsch nach einem Wartehäuschen kann sich hinziehen. Auch wenn das Häuschen als solches unstrittig ist, so gibt es doch Beispiele von der Filderebene, wo es trotzdem zu Scherereien gekommen ist. Zu Berühmtheit hat es ein Unterstand in Plieningen an der Alten Post gebracht. Hier war das „Wo“ lange strittig. Die Denkmalschützer wollten es nicht zu nah an dem historischen Gebäude haben, Lokalpolitiker indes waren gegen einen Standort zu weit auf dem Gehweg. Im Jahr 2017 wurde das Häuschen schließlich aufgestellt – nachdem sich zwei Bürgermeister höchst persönlich mit der Sache befasst haben. Die Lösung war – wie so oft – ein Kompromiss. Das Wartehäusle steht jetzt nahe am Gebäude, allerdings als sogenanntes neutraler, heißt mehr oder weniger durchsichtiger Wartestand.

Gegenstand von Auseinandersetzungen war auch ein Bushäuschen in Birkach an der Aulendorfer Straße. Hier forderten Anwohner und Lokalpolitiker viele Jahre, dass der Unterstand leicht zurückversetzt werden soll. Grund: Wer von der Jugendfarm aus die Aulendorfer Straße queren wollte, sah den Autoverkehr aus Richtung Mittlerer Filderstraße nur schwer. Stadt und SSB blockten den Wunsch lange ab – bis zum Jahr 2018. Damals ist die Haltestelle zu einer barrierefreien gemacht worden, und in diesem Zuge ist das Häuschen nach hinten verhoben worden.

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