Ein Buschfeuer brennt am Pacific Highway bei Taree, 350 Kilometer nördlich von Sydney. Foto: dpa/Darren Pateman

An Australiens Ostküste brennt es weiter. Vier Personen wurden bereits getötet. Die Polizei nimmt zwei mutmaßliche Brandstifter fest. Doch auch andere Faktoren spielen mit.

Sydney - An immer mehr Orten in Australien fliehen die Menschen vor Bränden, die außer Kontrolle geraten sind. Behörden ordneten in mehreren Gemeinden an der Ostküste Evakuierungen an – darunter auch in bei Deutschen beliebten Urlaubszielen. Insgesamt wüten derzeit mehr als hundert Brände in den beiden Bundesstaaten New South Wales und Queensland. Vier Todesopfer sind bisher zu beklagen und mehr als hundert Verletzte.

Den vierten Toten entdeckte die Feuerwehr am Donnerstag bei Löscharbeiten im Bundesstaat New South Wales. Zudem nahm die Polizei zwei Verdächtige im Alter von 16 und 20 Jahren als mutmaßliche Brandstifter fest. Viele der Feuer wurden absichtlich gelegt.

Unzählige Häuser sowie etwa eine Million Hektar Busch- und Ackerland sind bereits abgebrannt. Wegen der großen Gefahr wurde in Queensland wie auch in New South Wales – dort liegt auch die Millionenstadt Sydney – der Notstand ausgerufen. Anhaltende Winde wie auch Hitze halten die Brandgefahr hoch.

Buschfeuer gehören eigentlich von Natur aus zu Australien

Eigentlich sind die Australier an Buschfeuer gewöhnt – sie gehören von Natur aus zu diesem Kontinent. Doch die Situation hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlimmert. Wie im von Bränden heimgesuchten Kalifornien wird auch in Australien heftig darüber diskutiert, inwieweit der Klimawandel zur Verschärfung der Brandgefahr beiträgt – wobei anzumerken ist, dass das Engagement der Kohleexportnation Australien bei der Bekämpfung des Klimawandels innerhalb der G-20-Staaten an der unteren Grenze liegt. Das geht aus dem soeben veröffentlichten „Braun-zu-Grün-Report“ des Netzwerks Klimatransparenz hervor, an dessen Finanzierung sich neben der Weltbank auch das deutsche Umweltministerium beteiligt.

Fakt ist, dass in den beiden australischen Bundesstaaten so früh im Jahr – auf der Südhalbkugel ist jetzt Frühling – noch nie so heftige Feuer registriert wurden. Und Fakt ist auch, dass Wissenschaftler seit Jahren warnen, dass es im Zuge des Klimawandels immer häufiger heiße und trockene Perioden gebe, die dann die Feuergefahr erhöhen. Genau dies lässt sich im Südosten des Kontinents beobachten: Die winterliche Niederschlagsmenge wird dort weniger, gleichzeitig wird es heißer und es gibt mehr Hitzewellen – ideale Voraussetzungen für Buschfeuer.

Namhafte australische Politiker verweisen jedoch auf die altbekannte Tatsache, dass einzelne meteorologische Ereignisse wie das extrem trockene Frühjahr 2019 nicht automatisch mit dem Klimawandel zu erklären sind. In der Tat berichten australische Medien, dass komplexe Computerberechnungen keinen verlässlichen Zusammenhang zwischen dem CO2-Anstieg und der aktuellen Trockenheit in Südostaustralien aufgezeigt haben.

In Südaustralien war noch nie ein Oktober so trocken wie in diesem Jahr

Zu denken gibt, dass einige der Gebiete, in denen es jetzt brennt, ihre trockenste 34-Monate-Periode seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erleben. In Südaustralien war noch nie ein Oktober so trocken wie in diesem Jahr. Parallel dazu erreichten auch die Temperaturen neue Rekorde: Der Januar 2019 war der bisher heißeste Monat, auch insgesamt ist das Jahr 2019 in New South Wales auf dem besten Wege, alle Temperaturrekorde zu schlagen. Höhere Temperaturen verstärken jedoch die Verdunstung und verlängern die Vegetationsperiode. Dadurch konsumieren die Pflanzen auch mehr Wasser, was die Austrocknung der Böden weiter fördert.

Eine Studie australischer Meteorologen, publiziert im September im Wissenschaftsmagazin „Plos One“, kommt zu dem Schluss, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel der bedeutsamste Faktor für die wachsende Feuergefahr ist. Das ist umso bemerkenswerter, als das großräumige Wettergeschehen in Australien von mehreren Faktoren beeinflusst wird, allen voran durch das auf der Südhalbkugel immer wieder auftauchende Klimaphänomen El Niño. Dies gilt auch als hauptverantwortlich für die Variationen zwischen den Jahren.

Die Forscher haben bei ihrer Analyse des „Feuerwetters“ in der Zeit zwischen 1973 und 2017 auch die wichtigsten Faktoren untersucht, die eine Feuersaison prägen. Demnach sind die Wetterverhältnisse im Frühjahr entscheidend für die gesamte Feuersaison des betreffenden Jahres. Für den australischen Sommer 2019/20 lässt dies weitere schlimme Feuer erwarten.

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