Die Hochschwangere musste im Oktober im Burghof ausharren. Foto:  

Ende des 16. Jahrhunderts: Eine junge, hochschwangere Frau flieht zur Burg Waldenstein und fleht ihre Eltern um Hilfe an. Warum diese sich vor ihr fürchten und was aus dem Kind wurde:

Rudersberg - Waldenstein, wir schreiben den Oktober 1597. Eine verzweifelte junge Frau erreicht die Burgmauern. Sie heißt Anna von Gaisberg, ihr Versuch, in Welzheim einer Pestwelle zu entkommen, ist fehlgeschlagen. Ihr Mann, der Freiherr vom Holtz, ist der Seuche schon erlegen. Ihre letzte Hoffnung: Zuflucht in der Burg, die ihren Eltern, Hans Georg von Gaisberg und Anna Maria Nothaft von Hohenberg, gehört. Was ihre Not noch größer macht: In ihrem Bauch trägt die junge Adlige ein Kind, den Sohn ihres verstorbenen Mannes.

Die eigenen Eltern lassen die Frau nicht in die Burg

Das Schicksal der Anna von Gaisberg ist der Hintergrund für die Geschichte des angeblichen Burggespensts von Waldenstein, das sich die Herren der Burg seit jeher – eher augenzwinkernd – erzählen. Reinhard Göppel versichert, den Geist persönlich noch nie gesehen zu haben. Und auch das Ghosthunter-Team ist nach seinem Besuch zum Schluss gekommen: Waldenstein ist gespensterfrei.

Dabei hätte die Frau von Gaisberg allen Grund zu Spuken gehabt. Das Buch „Beschreibung des Oberamts Welzheim“ von 1845 erzählt, wie die Geschichte weitergeht: Die Tore Waldensteins bleiben sogar für die Tochter der Burgherren verschlossen: Zu groß ist die Furcht derer von Gaisberg, dass ihre Tochter infiziert sein und die fürchterliche Krankheit einschleppen könnte. Statt sie in die schützenden Mauern einzulassen, verweisen die Eltern die Schwangere in den Vorhof der Burg.

Die Nachfahren der Familie leben noch heute in Alfdorf

Für die vom Schicksal gebeutelte junge Frau muss dies ein harter Schlag gewesen sein. Die historische Quelle berichtet: „Von Anfechtung und Kleinmüthigkeit besiegt, verließ sie, als die Stunde der Geburt herannahte, den Vorhof, flüchtete sich in den Wald beim Schlosse und gebar hier neben einem Brunnen, aller menschlichen Hilfe baar, am 1. November 1597 einen Sohn.“ Anwohner aus der Umgebung, die zum Brunnen kamen, fanden die Frau und ihr Kind. Erst jetzt wurde sie in die Burg geholt. Sie starb kurze Zeit später – wie auch ihre Eltern. Ob sie tatsächlich die Pest in sich trug, ist unklar.

Fest steht jedoch: Das Kind überlebte. Georg Friedrich vom Holtz zu Niederholz kämpfte im Dreißigjährigen Krieg und brachte es dort unter dem berühmt-berüchtigten katholischen Heerführer Johann T’Serclaes von Tilly bis zum Generalfeldzeugmeister. Seine Nachfahren sind bis heute in Alfdorf ansässig.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: