Für den DFB stellt die Corona-Krise eine große Herausforderung dar. Foto: dpa/Arne Dedert

Nach dem klaren Votum beim DFB-Bundestag für eine Fortsetzung der Drittligasaison üben sich die Abbruch-Befürworter vorerst in Zurückhaltung. Ob es dabei bleibt, ist allerdings offen.

Frankfurt/Main - Der Rückzug der Rebellen verläuft ungeordnet. Hier noch eine kleine Attacke aus Mannheim, da noch eine letzte Bedingung aus Magdeburg - viel mehr haben die Abbruch-Befürworter aus der 3. Liga als Antwort auf die DFB-Klatsche vorerst nicht zu bieten. Jena sucht sogar ganz gehorsam schon eine Notunterkunft. Doch bei der Demut der Verlierer als Folge des klaren Votums beim Bundestag für eine Saison-Fortsetzung muss es nicht bleiben, am Ende werden vielleicht doch Richter entscheiden.

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Vor Gericht könnten jedenfalls die unterschiedlichen Meinungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und von Waldhof Mannheim hinsichtlich der Kostenübernahme für das Corona-Hygienekonzept führen. Das baden-württembergische Sportministerium teilte am Dienstag auf Anfrage der Rheinpfalz mit, dass es von seiner Seite keine Vorgabe gebe, wonach „die Kosten für das Hygienekonzept und die damit verbundenen Maßnahmen die Vereine zu tragen haben“. Das Ministerium stellte klar, dass es die Kostenfrage offen lässt. 

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius hatte nach dem Bundestag, bei dem knapp 95 Prozent der Delegierten für den Neustart der Spielzeit ab Samstag mit Geisterspielen votierten, eine klare Antwort darauf parat. Laut Curtius müssen die Vereine die Kosten tragen. Konkret geht es um 79.000 Euro, die Mannheim vom DFB erstattet haben möchte. 

Das letzte Wort scheint nicht gesprochen

Ohnehin sind die Kurpfälzer diejenigen, die am lautesten gegen die Niederlage beim Bundestag wettern. „Das war eine indirekte Demokratie. Eine Abstimmung von Funktionären“, sagte Geschäftsführer Markus Kompp der Bild-Zeitung: „Sie geht allerdings an den Problemen vieler Drittligisten vorbei.“

Obwohl die Mannheimer die Entscheidung trotz ihrer Kritik akzeptieren wollen, scheint mit Blick auf die 79.000 Euro das letzte Wort noch nicht gesprochen. Den streitbaren Verein könnte es vor Gericht ziehen, da er bereits die jüngste juristische Auseinandersetzung mit dem DFB (Punktabzug wegen Fan-Ausschreitungen) vor dem Landgericht in Frankfurt/Main für sich entschieden hat.

Juristisch offen ist auch, was aus dem Anwaltsschreiben des Halleschen FC an den DFB wird. Darin fordert der HFC ein zweiwöchiges Mannschaftstraining vor dem Neustart. Laut Curtius wird der Brief „von den zuständigen Stellen rechtlich überprüft“. Auf die Antwort des DFB in diesem Punkt wartet auch der 1. FC Magdeburg.

Magdeburg stellt Bedingungen für Neustart

Obwohl der Verein die Entscheidung des Bundestags „respektiert“, stellt Geschäftsführer Mario Kallnik Bedingungen für den Wiederbeginn. Demnach „sollte der Spielbetrieb erst aufgenommen werden, wenn es die behördlichen Verfügungslagen in allen betroffenen Bundesländern zulassen und somit jeder Verein seine Heimspiele im eigenen Stadion austragen kann“. Zudem fordert auch Kallnik ein zweiwöchiges Teamtraining.

Die Hoffnung auf eine Partien in der Heimat hat Carl Zeiss Jena angesichts des nach wie vor gültigen Verbots von Wettkämpfen und Mannschafts-Einheiten in Thüringen vorerst aufgegeben. Laut der Thüringer Allgemeine wollen die Verantwortlichen des Klubs, dessen Profis am Montag ihr Quarantäne-Quartier im sächsischen Leipzig bezogen haben, entweder in Meppen oder in Würzburg ihr Spiel am Sonntag gegen den Chemnitzer FC austragen.

Austragen möchte der DFB einen ähnlichen Streit wie derzeit in der Zukunft übrigens nicht mehr. Das ließ Präsident Fritz Keller erkennen. Mit Blick auf den nächsten regulären Bundestag im Herbst 2022 sagte der 63-Jährige, dass man über Regelungen für ein derartiges Szenario nachdenken müsse.

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