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Der Jubilar hat Geschichte geschrieben: neun Tage war er Bundespräsident und -kanzler in einer Person, fast zeitgleich auch noch in den Musikcharts vertreten. Ein Quiz zu seinen Ehren

Stuttgart - Bundespräsident a. D. Walter Scheel feiert am 8. Juli seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar ist ein echtes Unikum in der Geschichte der Bundesrepublik: neun Tage lang war er Bundespräsident und -kanzler in einer Person, fast zeitgleich stand er auch noch mit einem Hit in den Musikcharts.

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Scheel war in den 1960er und 70er Jahren einer der populärsten deutschen Politiker. Mit Willy Brandt (SPD) ebnete er als FDP-Chef den Weg für eine sozial-liberale Bundesregierung, wurde Außenminister und Vizekanzler, war maßgeblich an den Verhandlungen über die Ostverträge beteiligt. Und schließlich wurde er Staatsoberhaupt. Von 1974 bis 1979 war er Bundespräsident. Am Mittwoch 8. Juli wird Scheel 90 Jahre alt.

"Mir geht es für jemanden, der seinen 90. Geburtstag feiert, den Umständen entsprechend gut", sagt der Alt-Bundespräsident in seinem Büro in Bad Krozingen. Anfang des Jahres ist Scheel von Berlin in die südbadische Kleinstadt 15 Kilometer südlich von Freiburg gezogen. In der Hauptstadt war es ihm zu hektisch geworden.

Mit der Region rund um Freiburg fühlt sich Scheel seit Jahrzehnten verbunden. Seit er 1988 seine dritte Ehefrau Barbara geheiratet hat, feierte das Paar stets seinen Hochzeitstag hier. "Und 1968, also vor 41 Jahren, bin ich auf dem FDP-Bundesparteitag in Freiburg zum Parteivorsitzenden gewählt worden." Er löste damals Erich Mende ab. FDP-Chef blieb er, bis er Bundespräsident wurde. Seit 1979 ist er Ehrenvorsitzender der Partei. FDP-Mitglied ist Scheel seit 63 Jahren. "Obgleich ich niemals geplant hatte, Politiker zu werden."

An den Wänden in Scheels Büros, direkt neben dem örtlichen Rathaus, hängt Geschichte. Karikaturen aus der Zeit, als er in der Tagespolitik mitmischte, in der ersten Reihe stand. Daneben historische Wahlplakate der FDP, Fotos und Dokumente.

Hinzu kommen eine große Goldene und eine Platin-Schallplatte. Denn Scheel machte nicht nur Politik, er hat auch professionell gesungen. Das von ihm 1973 aufgenommene Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" wurde zum Hit. Scheel bekam Gold für 300.000 verkaufte Platten und Platin für eine Million Einspielungen. Der Erlös kam sozialen Zwecken zugute. "Gott sei Dank haben wir damals eine schöne Melodie gewählt, die ich auch nach 35 Jahren immer noch ausgesprochen gerne höre", sagt Scheel heute. "Es war einfach ein großer Erfolg."

Der in Solingen als Sohn eines Stellmachers geborene Scheel kann auf eine bemerkenswerte politische Karriere zurückblicken. Der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftsberater war fast 25 Jahre lang Abgeordneter; auch war er Vizepräsident des Bundestags, mehrfach Bundesminister, amtierte unter den CDU-Kanzlern Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Er ist heute der letzte noch lebende Minister der Kabinette von Adenauer und Erhard. Mit Brandt stand Scheel von 1969 bis 1974 an der Spitze der SPD/FDP-Regierung.

Scheels fünfjährige Amtszeit als Bundespräsident wurde überschattet vom Höhepunkt der Terrorwelle der Roten Armee Fraktion (RAF) und geprägt von den harten Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition über die Ostverträge.

In Erinnerung blieb sein ausgeprägtes Redetalent. Der Liberale mit dem markanten von Silberlöckchen umrahmten Kopf gab dem Amt rhetorischen Glanz, betonte gleichzeitig die Nähe zum Volk. Und er zeigte deutlich Repräsentationslust. Dies trug zu seiner Beliebtheit bei. Im Ausland wurde Scheel auch "Mister Bundesrepublik" genannt.

In seinem Amtssitz, der Villa Hammerschmidt in Bonn, fühle er sich "wohl und heimisch". Seine politische Karriere bezeichnet er heute als "eine Mischung aus glücklicher Fügung und großem persönlichen Einsatz". Auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident verzichtete er, weil sich CDU und CSU im Frühjahr 1979 auf Karl Carstens als Kandidaten einigten und ihn damit zu Scheels Nachfolger machten.

Scheel gilt bis heute als Freund des kultiviert-guten Lebens, er ist für seine Partei Ratgeber und Aushängeschild. In der Öffentlichkeit ist es ruhig um ihn geworden. Der frühere Spitzenpolitiker lebt zurückgezogen, ist gesundheitlich angeschlagen, kämpft mit den Folgen einer lebensgefährlichen Blutvergiftung und der altersbedingten Schwäche.

"Walter Scheel ist eine historische Person mit einer beachtlichen Lebensleistung", sagt der heutige FDP-Chef Guido Westerwelle. Gemeinsam mit Brandt habe Scheel die deutsche Ostpolitik neu ausgerichtet. "Er hat damit den Grundstein für die Deutsche Einheit gelegt. Dafür sind wir ihm dankbar", sagt Westerwelle.

Scheels zweite Frau Mildred starb 1985 an Krebs - der Krankheit, gegen die sie als Präsidentin der Deutschen Krebshilfe jahrelang gekämpft hatte. Seinen Geburtstag feiert Scheel am 8. Juli in Bad Krozingen mit einem Bürgerfest.

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