Männliche Küken werden massenhaft getötet. Foto: dpa

Wann wird das massenhafte Töten von männlichen Küken endgültig verboten? Tierschutzverbände kritisieren nun erneut die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Berlin - Über das Töten männlicher Küken gibt es neue Debatten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellte am Mittwoch ein gesetzliches Verbot des sogenannten Kükenschredderns für 2020 in Aussicht. Die Verbraucherorganisation foodwatch warf der Ministerin daraufhin einen Bruch des Koalitionsvertrages vor. Darin hatten sich Union und SPD darauf verständigt, das Töten männlicher Küken in der Industrie bis zur Mitte der Legislaturperiode zu beenden. Das wäre bereits im Herbst 2019.

Auch unter der vorherigen Bundesregierung war der Ausstieg aus der Praxis des Kükenschredderns verschoben worden. „Insgesamt ist die Bilanz dieser Bundesregierung beim Tierschutz ein einziges Desaster“, sagte foodwatch-Chef Martin Rücker der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstag).

Verfahren zu Geschlechterbestimmung soll 2020 verfügbar sein

„Das Kükenschreddern ist ethisch nicht vertretbar“, betonte Klöckner in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Mit Mitteln aus ihrem Ministerium habe die Universität Leipzig ein Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei entwickelt, erläuterte Klöckner. Männliche Küken würden dann erst gar nicht mehr ausgebrütet. Im kommenden Jahr stehe diese Methode allgemein zur Verfügung: „Dann greift das Tierschutzgesetz, das das Schreddern verbietet.“

Laut einer Antwort von Klöckners Ministerium auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Oliver Krischer, die der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) vorliegt, wurden im vergangenen Jahr rund 42 Millionen männliche Küken unmittelbar nach dem Schlüpfen mit Gas getötet und anschließend geschreddert. Das neue Verfahren werde derzeit erst bei durchschnittlich 30.000 Küken pro Woche oder gut 1,5 Millionen Küken im Jahr angewendet, heißt es weiter in der Antwort des Ministeriums.

Tierschützer kritisieren Landwirtschaftsministerin

„Wie schon ihre Vorgänger kündigt Ministerin Julia Klöckner das Ende des widerlichen Kükenschredderns nur an“, kritisierte Krischer. Passieren werde wieder nichts, obwohl es die technischen Möglichkeiten dazu längst gebe. „Es ist nur eine Kostenfrage und wie immer hat am Ende die Lobby der Tierquäler das Sagen bei Frau Klöckner“, so Krischer.

Ähnlich hatte sich zuvor bereits Grünen-Chef Robert Habeck in der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) geäußert: „Passiert ist bisher nichts.“ Allerdings gibt es laut Bericht der Zeitung auch Kritik an dem neuen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei. 21 Tage werde ein Ei bebrütet, an Tag neun komme die Methode zum Einsatz. „Es ist erwiesen, dass Hühnerembryonen ab dem siebten Tag bereits ein Schmerzempfinden haben“, zitiert die Zeitung Inga Günther, Geschäftsführerin des Verbands Ökologische Tierzucht.

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