In Urbach muss im April ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Foto: Pascal Thiel

Der Urbacher Schultes gibt überraschend seinen Rückzug bekannt. Eine dritte Amtsperiode kommt für ihn nicht mehr infrage. Querelen wegen umstrittener Gartenschauprojekte haben mit dem Entschluss angeblich nichts zu tun.

Urbach - Jörg Hetzinger will bei den Bürgermeisterwahlen im Frühjahr in Urbach nicht mehr antreten. Das hat der amtierende Rathauschef in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend angekündigt. Als Begründung gab der 61-Jährige „gesundheitliche Gründe“ an.

Der Rückzug kam überraschend. In dem gut 8800 Einwohner zählenden Ort war man davon ausgegangen, dass der parteilose Verwaltungschef seine dritte Amtsperiode anstreben würde. Auch im Gemeinderatsgremium hatte man diesen Schritt nicht vermutet, den Hetzinger, wie er auf Nachfrage sagt, für sich aber „nach reiflicher Überlegung“ beschlossen habe. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, zumal einige gemeindliche Vorhaben nach viel Vorarbeit demnächst vor ihrer Umsetzung stünden.

Heftiger Unmut in der Bürgerversammlung

Jörg Hetzinger Foto: Gemeinde Urbach

Offenkundig ist allerdings auch, dass Dissonanzen wegen der Projekte für die Remstalgartenschau im kommenden Jahr zuletzt kräftig an den Nerven des Bürgermeisters gezehrt hatten. Ende Oktober hatte sich in einer Bürgerversammlung heftige Kritik Bahn gebrochen, dies auch auf unsachliche Weise. Vor allem die zwei kostenintensivsten kommunalen Beiträge – ein Waldhaus samt pädagogischem Konzept sowie ein Aussichtsturm auf dem Gänsberg – stießen zumindest bei einem Teil der Besucher auf Ablehnung. Eine Gruppe Protestler, die sich unter dem Motto „Alternative Gartenschau Urbach“ formiert hat, plädierte dafür, alles ein paar Nummern kleiner zu dimensionieren.

Hetzinger reagierte darauf mit dem Vorschlag, über die umstrittenen Projekte, die er selbst befürwortet und die bereits längere Zeit beschlossene Sache sind, das Volk befinden zu lassen. Einen freiwilligen Bürgerentscheid aber hat das Gemeinderatsgremium am Dienstagabend mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Man sei den Kritikern entgegen gekommen, etwa indem man die Kosten für die Projekte reduziert und gedeckelt habe, sagt Ursula Jud, die Vorsitzende der zahlenmäßig am stärksten im Gemeinderat vertretenen Freien Wähler und Stellvertreterin des Bürgermeisters. „Aber wir sind die gewählten Vertreter aller Bürger.“

Dass der Schultes die Reißleine gezogen habe, weil sein Versuch gescheitert ist, die angespannte Meinungslage im Ort durch eine Volksbefragung zu befrieden, glaubt sie hingegen nicht. Natürlich sei die „schwierige Geschichte“ seiner Gesundheit aber nicht zuträglich gewesen.

Jörg Hetzinger ist im April 2002 aus seiner Position als Hauptamtsleiter von Winterbach heraus mit gut 69 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Urbach gewählt worden. Er trat die Nachfolge von Johannes Fuchs an, der die Geschicke der Gemeinde 24 Jahre lang geleitet hatte und zum Landrat bestimmt worden war. Acht Jahre später war Hetzingers Wiederwahl nur eine Formsache gewesen: Er hatte keinen Gegenkandidaten.

Auch Remshalden und Rudersberg wählen ganz neu

Nun also muss am 22. April kommenden Jahres ein neuer Verwaltungschef in Urbach gewählt werden. Und nicht nur dort wird es einen Wechsel an der Rathausspitze geben. Wie berichtet, ist der Posten auch in Rudersberg vakant, seit Martin Kaufmann sein Amt als Oberbürgermeister von Leonberg (Kreis Böblingen) angetreten hat. Und auch Stefan Breiter, der Bürgermeister in Remshalden, ist auf dem Sprung. Er möchte in seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau Finanzbürgermeister werden. Seine Wahl Ende Januar dort gilt als sicher.

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