Alexandra Sußmann wird von OB Fritz Kuhn beglückwünscht. Foto: Leif Piechowski

Stuttgart bekommt zum 15. August eine neue Sozialbürgermeisterin. Die parteilose Alexandra Sußmann wurde am Donnerstag auf Vorschlag der Grünen zur Nachfolgerin von Werner Wölfle gewählt, der nicht mehr angetreten war. Sie erhielt 39 von 53 abgegebenen gültigen Stimmen.

Stuttgart - Die von den Grünen vorgeschlagene parteilose Alexandra Sußmann (42) ist am Donnerstag zur neuen Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration gewählt worden. Die Kandidatin erhielt 39 von 53 abgegebenen gültigen Stimmen. Ein Antrag der Gruppe Bündnis Stuttgart 23 (BZS 23) auf Vertagung der Wahl bis nach der Kommunalwahl war zuvor mehrheitlich abgelehnt worden. Deren Stadtrat Bernd Klingler hatte unter anderem argumentiert, es sei nicht klar, ob den Grünen der Anspruch auf den Beigeordneten-Posten nach dem Ergebnis der Wahl am kommenden Sonntag noch zustünde. Zudem sei die Stelle noch durch Werner Wölfle (Grüne) besetzt.

Sußmann tritt nun im Sommer die Nachfolge des derzeit krank geschriebenen Werner Wölfle an, der zum 14. August aus dem Amt scheidet. Wölfle (65) war im Zuge des Skandals um das Stuttgarter Klinikum in die Kritik geraten, weil er als ehemaliger Krankenhausbürgermeister über den Abschluss des Vertrages mit Kuwait über ein Kooperationsprojekt möglicherweise stärker involviert war als bisher eingeräumt. Gegen Wölfe ermitteln sowohl die Staatsanwaltschaft Stuttgart als auch das Regierungspräsidium wegen des Verdachts der Untreue zu Lasten der Stadt. Der inzwischen auf den Posten des Sozialbürgermeisters gewechselte Wölfle hatte in Folge der Ermittlungen auf eine erneute Kandidatur verzichtet und erklärt, er werde sein Amt zum 14. August 2019 aufgeben.

Sußmann war insgesamt acht Jahre lang als Richterin tätig

Den Grünen wird von den anderen Fraktionen aufgrund der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat das Vorschlagsrecht für die Besetzung des Ressorts zugestanden. Sie sind mit 14 Sitzen die zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat und sind neben Oberbürgermeister Fritz Kuhn mit zwei Parteifreunden auf der Bürgermeisterbank vertreten: Neben Wölfle besitzt auch Baubürgermeister Peter Pätzold das grüne Parteibuch. Die anderen Parteien akzeptieren den Anspruch der Grünen auf das Amt – das gilt auch umgekehrt. Erst vor wenigen Wochen war der CDU-Bewerber und frühere Stadtrat Thomas Fuhrmann mit breiter Mehrheit und Unterstützung der Grünen als Nachfolger des ins Kultusministerium gewechselten Michael Föll zum neuen Finanzbürgermeister gewählt worden.

Sußmann ist promovierte Juristin, sie leitet seit Herbst vergangenen Jahres das Büro des Chefs der Staatskanzlei Baden-Württemberg, Florian Stegmann. Seit 2006 war Sußmann am Stuttgarter Sozialgericht tätig. Im Herbst 2012 wechselte sie ans Verwaltungsgericht, wo sie als Berichterstatterin der zweiten Kammer unter anderem mit Asylrecht, Ausländerrecht, Kommunalrecht und Jugendhilfe befasst war. Seit 2014 war sie im Staatsministerium für Grundsatzfragen im Ausländer- und Asylrecht zuständig. Im Juli 2016 wurde Alexandra Sußmann Vizepräsidentin am Regierungspräsidium Stuttgart. Zudem hat sie sich zur Mediatorin weitergebildet.

Neue Bürgermeisterin versteht sich als Fürsprecherin der gesellschaftlich Benachteiligten

In ihrer Bewerbungsrede vor dem Gemeinderat sagte die in der Nähe von Schweinfurt aufgewachsene und seit 13 Jahren in Stuttgart lebende Sußmann, sie habe in ihrer achtjährigen Tätigkeit als Richterin einen starken Gerechtigkeitssinn entwickelt, mit dem sie nun in Stuttgart im neuen Amt gestalten wolle. „Ich verstehe mich auch als Fürsprecherin der gesellschaftlich Benachteiligten“, so die neue Beigeordnete, die das Amt am 15. August übernehmen wird. Als Schwerpunkte ihrer Arbeit nannte sie die Integration von Migranten, mehr Chancengleichheit – etwa beim Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf, die Inklusion sowie die Stärkung des Ehrenamts.

Der Mitbewerber Dirk Wolfgang Jordan aus Schwäbisch Hall zog noch während einer phasenweise skurrilen Vorstellung seine Kandidatur zurück, der zweite Konkurrent, der frühere Dunninger Bürgermeister Stephan Kröger (CDU) aus dem Landkreis Rottweil, erhielt sechs Stimmen.

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