Simone Haist und Thorsten Majer bewerben sich um das Amt des Bürgermeisters in Ingersheim (Kreis Ludwigsburg). Foto: FACTUM-WEISE/Andreas Weise

Volker Godel gibt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen im kommenden Jahr auf. Obwohl erst im Februar ein neuer Bürgermeister gewählt wird, gibt es bereits zwei im Kreis Ludwigsburg gut bekannte Kandidaten.

Ingersheim - Keine vier Wochen ist es her, dass der Ingersheimer Rathauschef Volker Godel nach 24 Jahren nicht mehr antritt. Der Motorradfahrer und FDP-Politiker war weit über die Grenzen der 6300-Einwohner-Gemeinde (Kreis Ludwigsburg) bekannt. Erst im Februar wird ein Nachfolger gewählt, bis Mitte Januar können sich Bewerber melden. Und schon stehen zwei bekannte Personen in den Startlöchern.

Einmal Thorsten Majer, (41), Rechtsanwalt aus Stuttgart. Er ist vor allem deswegen prominent, weil er bereits dreimal SPD-Bundestagskandidat zwar: 2005, 2009 und 2013 hat er sich erfolglos um ein Mandat beworben. Da er trotz guter Stimmergebnisse nicht auf den oberen Plätzen auf der Landesliste seiner Partei abgesichert war, wurde es nichts mit dem Sitz in Berlin. Von 2010 bis 2014 war er zudem SPD-Kreisvorsitzender. Majer ist im Bietigheimer Klinikum geboren und lebt seither ununterbrochen in Ingersheim.

Majer sieht sich nicht als „SPD-Kandidat“

„Es ist mir eine große Herzensangelegenheit, dass die Ortsmitte wieder attraktiver wird“, sagt er zu seinen Zielen. Die Straße zerschneide den Ort, anders als im benachbarten Pleidelsheim gebe es keinen richtigen Ortskern. Zudem will er ein geplantes Baugebiet fortführen und den Gewerbepark mit der großen Nachbarstadt weiter entwickeln. Als SPD-Kandidat sieht sich Majer indes nicht: „Die Person steht im Vordergrund.“ Mitglied ist er erst seit 1998, nach einem Wahlkampf für den späteren Kanzler Gerhard Schröder trat er in die Partei ein. „Die Leute kennen meine Arbeit und mein ehrenamtliches Engagement vor Ort“, sagt der verheiratete Vater einer Tochter, der in Freiberg Abitur gemacht und in Tübingen Rechtswissenschaften studiert hat.

Dass er ein Einheimischer ist und nicht von außen kommt, wie das häufig bei Schulteskandidaten der Fall ist, hält er für unproblematisch: „Ich kenne mich gut aus im Ort und muss mich nicht mehr lange einarbeiten.“ Majer ist auch SPD-Fraktionschef im Gemeinderat. Die Frage von externen oder internen Kandidaten hält er für ein „Totschlagargument“ und zitiert den früheren Fußballtrainer Otto Rehagel: „Es gibt keine alten oder jungen Spieler, sondern nur gute und schlechte Spieler.“ Er will nun versuchen, über das auf Ingersheim begrenzte SPD-Milieu hinaus als Person zu überzeugen und für seine Ideen zu werben.

Simone Hais hat schon Bürgermeister gecoacht

Genau einen Tag vor Majer hat bereits die ebenfalls 41-jährige Simone Haist aus Ludwigsburg ihre Kandidatur bekannt gegeben. Der Name ist im Landkreis auch deswegen geläufig, weil ihr Gatte Holger Haist 16 Jahre lang Rathauschef in Mundelsheim war und 2018 freiwillig aufgehört hat. Doch Simone Haist blickt auf eine eigene Karriere zurück und sieht sich durch sie gut gerüstet für das Amt. Sie ist in Aalen geboren und in Neresheim im Ostalbkreis aufgewachsen, hat in Ludwigsburg einen Abschluss als Verwaltungswirtin gemacht und die Geschäftsstellen des Kreistages sowie des Kornwestheimer Gemeinderates geleitet.

Von 2011 bis 2015 war Simone Haist ehrenamtliche Ortsvorsteherin des Waiblinger Stadtteils Bittenfeld. „Hier konnte ich schon viele Erfahrungen sammeln“, sagt sie. Doch da man als Ortsvorsteherin nicht wirklich gestalten und entscheiden konnte, hat sie sich als Coach für Bürgermeister und kommunale Führungskräfte selbstständig gemacht. „Ich stehe fast täglich in Kontakt mit Rathäusern und gebe Seminare für Bürgermeister“, sagt sie. Die 41-Jährige hat selbst ein berufsbegleitendes Studium für Public Management absolviert, und, sagt sie, sie bringe so das Rüstzeug für ein kommunales Leitungsamt mit.

Am 16. Februar wird gewählt

Warum ausgerechnet Ingersheim? Für Simone Haist hat die Gemeinde genau die richtige Größe. „Die Menschen identifizieren sich mit dem Ort, sie leben hier und wohnen nicht nur da“, so ihre Einschätzung. Der Ort habe in etwa die gleiche Größe wie ihre Heimatstadt Neresheim und liege wunderschön im Kreis Ludwigsburg. „Es passt einfach alles zusammen“, erklärt Haist. Als Frau eines ehemaligen Bürgermeisters kennt sie die Anforderungen des Amtes aus eigener Anschauung.

Schon jetzt wäre es ein spannendes Rennen – und es ist mit weiteren Bewerbern zu rechnen. Wer sich für den Bürgermeisterstuhl interessiert, kann noch bis zum 20. Januar seine Kandidatur anmelden. Am 16. Februar wird dann gewählt, erst am 1. Mai 2020 wird Volker Godel sein Amt abgeben. Der 60-Jährige war mit Leib und Seele Bürgermeister und gibt nur aus gesundheitlichen Gründen den Job auf. Seit 1996 hatte er die Geschicke in Ingersheim geführt.

Der Abschied ist für den Vollblutpolitiker nicht einfach. So schreibt er in einer persönlichen Erklärung: „Eine Entscheidung, die mir offen gestanden, sehr schwer gefallen ist.“

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