Ulrich Raisch – im Gespräch mit Redakteur Oliver von Schaewen – versteht sich als „Berufsoptimist mit ausgeprägtem Realitätssinn“. Foto: Werner Kuhnle

Eine Stunde im Ort mit Ulrich Raisch. Der Musikpädagoge tritt zum 50. Mal in einer kleineren Kommune an.

Als Treffpunkt hat sich Ulrich Raisch das Café Glock im Erdmannhäuser Ortszentrum gewählt. Für ihn „ein Ort bürgerschaftlicher Öffentlichkeit“ – wie das Café  an sich  schon immer dem „Informationsaustausch ohne Standesgrenzen“ gedient habe. Es ist 17 Uhr: Das Lokal leert sich an diesem Donnerstagabend langsam. Raisch ist mit  S-Bahn und Bus aus Stuttgart  gekommen. Er wird eine Stunde später bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Halle auf der Schray auftreten. Er wirkt ruhig, faltet zunächst nebenbei Flyer, die er später auflegen will.

Der Musikpädagoge hat schon viele Gemeindehallen gesehen. Die Bürgermeisterwahl in Erdmannhausen markiert ein Jubiläum. „Es ist die 50. Kommune mit weniger als  20 000 Einwohnern“, erklärt der Kandidat, der als letzter Bewerber  seinen Hut in den Ring geworfen hat. Die OB-Wahl in Fellbach sei die einzige größere Stadt gewesen, sodass er insgesamt auf 51 Wahlen dieser Art seit 2008 komme. In Erdmannhausen sei er vor acht Jahren nicht angetreten, als Birgit Hannemann den Vorgänger Lutz Schwaigert ablöste. „Es gab damals Streit – da wollte ich nicht hineingeraten.“ Über Stimmenzuwächse freue er sich. Der Anstieg von zwei auf 96 Anhänger bei der Wahl in Beilstein bestärke ihn. „Das ist ein Ergebnis mit einer Steigerung von 4700 Prozent.“ Sein Ziel:  eine zweistellige Prozentzahl, eine Kandidatur in Renningen erbrachte ihm mal acht Prozent.

Warum er trotzdem immer wieder antritt? „Ich möchte Flagge zeigen für eine demokratische und nachhaltige Generationengerechtigkeit“, sagt der 59-Jährige. Was für ihn in Erdmannhausen dazu gehört, fasst er in der Formel „Es muss mehr Qualität geboten werden“ zusammen. Gehe es etwa darum, Erzieherinnen für die Kindergärten zu gewinnen, verpufften monetäre Anreize schnell. Raisch lehnt solche „mörderischen Wettkämpfe“ unter den Kommunen ab. Stattdessen empfiehlt er, einen Musikkindergarten zu gründen: „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal.“ Die Kinder würden seelisch dazugewinnen. Für den Christen Ulrich Raisch, der Mitglied der CDU ist und nicht müde wird, an die Werte der Mitmenschlichkeit und des Ehrenamtes zu erinnern, zählt eine Politik, die Bürgern ermöglicht, sich sozial und kulturell zu entwickeln.

Nachhaltigkeit ist für Raisch auch Trumpf, wenn es um klassische Politikfelder wie den Verkehr, die Wohnbaupolitik oder die Gewerbeentwicklung geht. So etwas wie eine Umgehungsstraße brauche der Ort nicht, sagt er.  Das ÖPNV-Angebot in Erdmannhausen hält er für gut. Der digitale Ausbau soll maßvoll sein, getreu der Devise: „So viel Internet wie nötig, so viele direkte Gespräche wie möglich“.

Wertschätzend äußert sich Ulrich Raisch, was die Infrastruktur im Ort angeht: „Da ist es in den letzten acht Jahren gewaltig vorangegangen.“ Mit den Neubauten der Schulturnhalle und des Kinderhauses beim Jugendhaus investiere die Gemeinde enorm. Die Finanzen seien stimmig. „Der Ort lebt vor allem von der Einkommensteuer der Bürger.“ Die Familien hätten daher Anspruch auf eine gute Personalausstattung in der Betreuung. Bürgerschaftliches Engagement solle mit einem Dankeschönfest belohnt werden.

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