Benedikt Paulowitsch stellt sich im Bürgerhaus Rommelshausen vor. Auch Stettener sind gekommen, um sich ein Bild vom Bürgermeisterkandidaten zu machen Foto: Roland Böckeler

Bewerber ums Bürgermeisteramt verspricht, gemeinsam mit Bürgern eine Strategie für Kernen zu entwickeln.

Kernen - Noch vor gut einem Monat hatte der Leutenbacher Benedikt Paulowitsch die Gemeinde Kernen nicht auf dem Schirm. Nun will er hier am 29. September zum Bürgermeister gewählt werden. Und die Menschen sind interessiert, wie der Mann aussieht, der Ende August mit seiner Kandidatur überraschte. Die Neugier ist so groß, dass sein Bürgerdialog in Rommelshausen am Donnerstagabend von einem Lokal kurzfristig ins Bürgerhaus verlegt wurde, und die 120 Sitzplätze dort nicht ausreichten.

Er spricht Hochdeutsch, wechselt aber immer wieder als Zeichen der Verbundenheit ins Schwäbische

Da steht er nun, der 31-jährige Verwaltungswissenschaftler und Regierungsrat im baden-württembergischen Innenministerium, spricht ohne Manuskript, geht auf und ab, sucht den Blickkontakt zu Besuchern, strahlt Selbstbewusstsein aus. Er spricht Hochdeutsch, wechselt aber immer wieder als Zeichen der Verbundenheit ins Schwäbische. Schon mit 26 Jahren habe er als Leiter des Ministerbüros in der Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg Verantwortung übernommen. „Das mache ich gerne“, sagt Paulowitsch. In Kernen wolle er „nicht als Rädchen, sondern als größeres Rad“ agieren.

Das SPD-Mitglied betont, überparteilich anzutreten: „Die SPD Kernen hat mich nicht geholt.“ Auf die Frage, warum er sich für Kernen interessiert, verweist er auf sein Bauchgefühl. Zusammen mit seiner Partnerin habe er beide Ortsteile besucht („wir spüren einen Ort“) und schnell festgestellt, „das passt“. Auch die Vielfalt reize, „das urbanere Rommelshausen“ und Stetten, wo Paulowitsch seine Beobachtung so schildert: „Der Weinbau macht die Leute ein bissle anders.“

Paulowitsch hört geduldig zu, als die Zeit für Fragen rege genutzt wird

Zuhören wolle er, sagt der Bürgermeisterkandidat, die Leute bei Entscheidungen mitnehmen, und auch „erklären, was nicht geht“. Beispiel: die Zukunft des Hauses Edelberg. Ziel müsse es sein, das Haus „ordentlich zu erhalten“, denn viele hätten dort investiert. „Eine Lösung kann ich nicht skizzieren“, sagt Benedikt Paulowitsch, „ich führe gerade viele Gespräche mit Betroffenen.“ Klar sei, dass sich das Pflegethema nicht nur auf das Haus Edelberg begrenzen lasse. An der Hangweide etwa „müssen wir an ein Mehrgenerationenhaus denken“. Und es brauche, nicht nur dort, ein Verkehrskonzept, sagt er auf die Klage einer Besucherin über zu viel Lastwagenverkehr in der Waiblinger Straße. Paulowitsch hört geduldig zu, als die Zeit für Fragen rege genutzt wird.

Die Gemeinde solle die Jugend einladen, auch ein Jugendgemeinderat könne eine Idee sein

Zusammen „mit Ihnen“ will er eine Strategie für ein „Kernen 2035“ entwickeln. „Sie müssen mitwirken, das schafft auch Heimatgefühl.“ Als „moderner Bürgermeister“ will er sich zurücknehmen, wissend, dass auch andere gute Ideen hätten. „Eine Führungskraft muss nicht alles wissen, sie lässt sich beraten.“ Für den Satz „ich will Maßnahmen nicht einfach umsetzen, sondern vorher drüber reden“ bekommt er Beifall. Ebenso, als ein Senior mit Blick auf das Wohngebiet Tulpenstraße den Mangel an bezahlbarem Wohnraum moniert: „Eine Gemeinde ist nicht verpflichtet, viel Gewinn zu machen“, sagt Paulowitsch über die Vermarktung von gemeindeeigenen Grundstücken. Zu den Überlegungen, auf der noch freien Fläche im Gebiet Tulpenstraße einen Vollsortimenter-Lebensmittelmarkt anzusiedeln, meint er kurz: „Ich sehe die Notwendigkeit nicht.“ Dafür aber die Notwendigkeit, mehr für den Nachwuchs zu tun. Seit der Einweihung des Jugendhauses tue sich nichts mehr, wendet ein Zuhörer ein – und Paulowitsch entgegnet einmal mehr, dass er auch hier zuhören wolle. Die Gemeinde solle die Jugend einladen, auch ein Jugendgemeinderat könne eine Idee sein. Gespart werden dürfe jedenfalls nicht bei der nächsten Generation. „Für eine Schule mit sauberen Toiletten und Klassenzimmern muss Geld da sein.“

Um Geld, das aus Bundes- und Landeszuschüssen fließen könnte, will sich der 31-Jährige auch kümmern. „Ich habe da gute Drähte.“ Und der Draht zu den potenziellen Wählern? „Er sei in einem Akt der Entscheidungsfindung“, sagt ein Besucher, der mit Stefan Altenberger als Bürgermeister an sich zufrieden sei. „Aber mich stört die Gutsherrenart“, mit der er teils „selbstherrlich“ agiere.

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