Vielen Menschen liegt das Gebäude am Herzen – aber offenbar nicht genug. Foto: Rudel

Der Gemeinderat muss nun selber entscheiden, ob er bei der evangelischen Kirchengemeinde für den Erhalt der vom Abriss bedrohten Kirche wirbt. Der Bürgerentscheid ergab keinen klaren Auftrag.

Wendlingen - Die Wendlinger haben ihrer Stadtverwaltung und dem Gemeinderat am Sonntag bei dem Bürgerentscheid über die Johanneskirche kein klares Votum erteilt. 14,7 Prozent aller Stimmberechtigten (1829 Stimmen) hatten bejaht, die Stadt möge sich bei der evangelischen Kirchengemeinde für die Erhaltung der Kirche einsetzen. 12 Prozent (1490 Stimmen) votierten mit „Nein“. Damit bleibt der Bürgerentscheid formal ohne Ergebnis, weil keine Partei die erforderliche Mehrheit von zwanzig Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten erreicht hat. Die Wahlbeteiligung lag bei 26,8 Prozent.

Der Abriss ist beschlossene Sache

Der Kirchengemeinderat hatte wie berichtet mehrheitlich den Abriss bereits beschlossen, weil die Zahl der Kirchgänger sinkt und in Wendlingen eigentlich keine zwei Kirchen benötigt werden. Eine Abrissgenehmigung wurde bereits erteilt. Anstelle der Kirche soll ein Gemeindezentrum mit betreutem Wohnen für Menschen mit einer Behinderung gebaut werden.

Gegen die Mehrheitsentscheidung des Kirchengemeinderates waren in Wendlingen gleich zwei Bürgerinitiativen auf die Barrikaden gegangen. Sowohl die Initiative Pro Johanneskirche als auch der Freundeskreis der evangelischen Johanneskirche wollten den Kirchengemeinderat dazu bewegen, die Entscheidung zum Abriss des Gotteshauses zu revidieren. Sie plädieren dafür, das Gebäude zu erhalten und gegebenenfalls anders zu nutzen, etwa als Gemeindezentrum.

Der Kirchengemeinderat sieht sich bestätigt

Der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Hans-Georg Class, sah am Sonntag die Entscheidung seines Gremiums durch den Bürgerentscheid bestätigt. Er erklärte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses, dass die vielen Wahlenthaltungen auch als passive Nein-Stimmen verstanden werden könnten.

Den Bürgerinitiativen ging es darum, mit dem Bürgerentscheid ein starkes Signal an den Kirchengemeinderat zu senden. Eines der Argumente der Bürgerinitiativen war, dass die ortsbildprägende Eigenschaft des Gebäudes im bisherigen Abwägungsprozess nicht genügend Beachtung gefunden hat. In einer gemeinsamen Erklärung der beiden Bürgerinitiativen nach der Bekanntgabe des Ergebnisses des Bürgerentscheids am Sonntagabend im Rathaus heißt es: „Die Spaltung der fusionierten Kirchengemeinde wird leider weiter bestehen. Unsere neue Stadtmitte wird um ein kulturhistorisches, stadtbildprägendes örtliches Denkmal ärmer. Die Spuren der evangelischen Kirchengemeinde gehen verloren, werden gelöscht.“

Welche Rolle die weltliche Gemeinde in der Frage nach der Zukunft der Johanneskirche spielen könnte, darüber herrschte lange Zeit Ungewissheit. Mit dem gescheiterten Bürgerentscheid liegt der Ball nun wieder beim Gemeinderat. Das Gremium kann in einer seiner nächsten Sitzungen die Frage des Bürgerentscheids selbst beantworten. Bisher allerdings hatten Vertreter aller Fraktionen stets erklärt, die Entscheidung über die Zukunft der Johanneskirche müsse man der Kirchengemeinde überlassen.

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