Wo genau die Bundesbank ihr Gold auf ihrem weitläufigen Gelände in Frankfurt versteckt, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Foto: Bundesbank

In einem neuen Bildband zeigt die Notenbank Barren in Originalgröße – und erzählt die einzigartige Geschichte der deutschen Reserven. Ab 11. April soll auch eine Ausstellung über den Goldschatz informieren, der nach einer kontroversen Debatte jetzt zur Hälfte in Deutschland aufbewahrt wird.

Frankfurt - In ihren Tresor lässt die Bundesbank Normalsterbliche nicht herein. Doch die Goldreserven der Notenbank sind jetzt in einem Buch zu besichtigen: „Das Gold der Deutschen“ heißt der am Mittwoch veröffentlichte Bildband, der auch über die Geschichte des in der Wirtschaftswunderzeit angehäuften Schatzes informiert. „Wir wollen den Leserinnen und Lesern das Gold so nahebringen, als hielten sie es in ihren Händen“, sagte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele.

Der 64-Jährige, dessen Amtszeit zum Monatsende ausläuft, hatte 2012 angesichts einer öffentlichen Debatte über die Sicherheit der Goldreserven eine Transparenzoffensive eingeleitet. In den Folgejahren wurden fast 700 Tonnen Edelmetall, das die Bundesbank bis dahin in Frankreich und den USA gelagert hatte, nach Frankfurt gebracht. Damit wird jetzt gut die Hälfte des insgesamt 3374 Tonnen schweren Goldschatzes in Deutschland aufbewahrt. 2012 waren es nur 30 Prozent.

Warum der deutsche Goldschatz in alle vier Winde zerstreut war, wird in dem neuen Buch ausführlich erklärt. Das Gold der Reichsbank war nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden, ihre Restbestände hatten die Alliierten konfisziert. Doch in nur 22 Jahren, von 1951 bis 1973, baute die Bundesbank die zweitgrößte Goldreserve der Welt auf. Mehr haben nur die USA.Hintergrund war die Nutzung des Edelmetalls für den Ausgleich von Handelsungleichgewichten. Die junge Bundesrepu­blik, die anfangs mangels eigener Reserven Goldmünzen von Bürgern ankaufen musste, um ihre Leistungsbilanzdefizite auszugleichen, stieg rasch zur Exportnation auf. Damit erhielt sie Gold über die Europäische Zahlungsunion (EZU), einer Art Verrechnungsmechanismus für die Handelsaktivitäten von 18 europäischen Ländern.

Zweitgrößte Goldreserve der Welt

Konkret funktionierte das so: Staaten, die über ihre Verhältnisse lebten – also mehr Waren und Dienstleistungen ein- als ausführten – konnten über die EZU einen Kredit aufnehmen. Er wurde von den Überschussländern finanziert. Im Gegenzug erhielten diese vom Schuldnerland Gold. Der Bundesbank flossen so 1600 Tonnen zu.

Ein Großteil des Goldes blieb im Ausland

Weitere 700 Tonnen kamen vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der auf weltweiter Ebene eine ähnliche Rolle einnahm wie die EZU. Zudem erwarb die Bundesbank 150 Tonnen Edelmetall beim US-Finanzministerium, das im Bretton-Woods-System zum Eintausch von Dollar gegen Gold verpflichtet war. 450 Tonnen gab die Bank of England als Ausgleich für die Unterstützung der Bundesbank gegen eine Abwertung der britischen Landeswährung Pfund in den 60er Jahren, nach Auflösung der EZU. Eine ähnliche Krise ereilte auch den französischen Franc, für dessen Stützung die Bundesbank ebenfalls rund 450 Tonnen Gold erhielt.

Die Bundesbank-Reserven stammen also aus dem Ausland – und wurden zum Großteil direkt dort gebunkert. Dies geschah auch aus sicherheitspolitischen Erwägungen: Im Kalten Krieg schien der Notenbank eine Lagerung im Westen sicherer als vor der eigenen Haustür. Obendrein wollte sie die Möglichkeit haben, das Gold im Notfall schnell in Fremdwährungen tauschen zu können.Da Deutschland und Frankreich mittlerweile einer Währungsunion angehören, wurde die Lagerstätte in Paris komplett aufgelöst. In den USA, Heimat der Leitwährung Dollar, befinden sich noch 37 Prozent der deutschen Goldreserven. 13 Prozent lagern in London, am weltweit wichtigsten Handelsplatz für das Edelmetall.

Die Notenbank wirbt um Vertrauen

Wo genau die Bundesbank ihr Gold auf ihrem weitläufigen Gelände in Frankfurt versteckt, wird in ihrem neuen Buch nicht verraten. Immerhin einige Bundestagsabgeordnete haben den Tresor aber mittlerweile besichtigen dürfen. Für den Notenbanker Thiele schließt sich damit ein Kreis: „Ich habe in meiner Zeit als Bundestagsabgeordneter Anfang der 90er Jahre auch mal Fragen zum Gold gestellt an die ehrwürdige Institution Bundesbank – und relativ viel Nebel erhalten.“ Er hoffe, dass ihm gelungen sei, mehr Vertrauen zu erzeugen. Dazu beitragen soll auch eine Ausstellung, die vom 11. April bis 30. September im Geldmuseum der Bundesbank gezeigt wird.

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