In der Kunstgießerei Rohr wird der Mops von Uli Gsell gegossen. Klicken Sie sich durch! Foto: Leif Piechowski

Ein paar Korrekturen – dann kann der Bildhauer Uli Gsell seinen Mops aus der Kunstgießerei Rohr mit nach Hause nehmen. Dort, in Ostfildern, wartet die Figur auf ihren großen Tag. Am 6. Mai soll der Mops auf der Loriot-Säule am Eugensplatz in Stuttgart verankert werden.

Stuttgart - 40 Zentimeter lang und 35 Zentimeter hoch: So behauptet sich der Bronzemops zwischen Leoparden und Elefanten in der Hexenküche der Kunstgießerei Rohr in Niefern bei Pforzheim. Hexenküche heißt der Raum, weil dort zahlreiche giftige Tinkturen für die Färbung der Skulpturen parat stehen. „Der sieht ja geil aus“, jubelt Uli Gsell, als er sein jüngstes Werk zum ersten Mal in Bronze sieht. Fotografiert werden darf die Figur nicht. „Sonst wäre die Einweihung ja keine Überraschung mehr“, sagt Gsell. Doch so viel sei verraten: Der Mops ist eine Möpsin. Und: Es gibt ein Double. Gsell hat die Figur zweimal gießen lassen.

Vom Mopsmodell aus Ton, das der Künstler in der Gießerei abgeliefert hat, bis zur Bronzefigur hat es vier Wochen gedauert und zahlreiche Arbeitsschritte gebraucht. „Für die Gießform müssen zunächst eine Silikon-, dann die Wachs- und schließlich die innere und äußere Schamotteform gefertigt werden“, erklärt Gießereichef Jörg Rohr.

Ein Auftrag dank Schabernacks und bürgerlichem Engagement

Bevor gegossen wird, kommt die Gießform in den Ausbrennofen. „Bei 650 Grad wird das Wachs rausgebrannt. Übrig bleibt die feuerfeste Schamotteform. Und die muss trocken sein, damit es nicht zur Explosion kommt“, sagt Rohr. Bei großen Formen kann die Prozedur bis zu zehn Tage dauern. Der Mops war in vier Tagen fertig für den Guss. Damit sich’s lohnt, werden außer Gsells Mops ein Dutzend Skulpturen anderer Künstler gegossen. „Wir haben Kunden aus aller Welt. Sogar japanische Künstler kommen mit ihren Werken zu uns“, sagt Rohr. So etwas wie die Entstehungsgeschichte des Stuttgarter Mopses ist ihm aber in seiner Laufbahn noch nicht untergekommen. Den Auftrag verdankt der Kunstgießer nämlich einem Schabernack, gepaart mit bürgerlichem Engagement:

Rückblick: Spaßvögel hatten auf die von dem Künstler geschaffene Loriot-Gedenksäule am Eugensplatz eine Mopsfigur gestellt. Die verschwand auf mysteriöse und bis heute ungeklärte Weise. Und weil die Bürger aus Stuttgart und der Region den Mops so sehr vermissten, dass sie für einen Nachfolger spendeten, entschloss sich der Künstler, die Säule mit einem Mops aus seiner Werkstatt zu krönen.

In der Kunstgießerei sind die Kästen, in denen die Formen für die Skulpturen stecken, mittlerweile hintereinander aufgereiht. Alle Kästen sehen gleich aus. Welcher später den fertigen Mops hergibt, wissen nur die Gießer. Die müssen warten, bis in dem Tiegel im Ofen bei etwa 1200 Grad 150 Kilo Kupfer, Zink, Zinn und Blei zu Bronze geschmolzen sind. „Mit 90 Prozent macht Kupfer den größten Anteil der Masse aus“, sagt Rohr. Etwa zwei Stunden dauert es, bis das Metall flüssig ist. Zum Gießen haben sich die Handwerker Schutzkleidung angezogen, sehen in ihren Aluminiumschürzen, Handschuhen, Masken und Stiefeln, die sie vor dem glühenden Metall schützen sollen, aus wie Astronauten bei der Mondlandung.

Die runde Möpsin muss durchs Feuer

Sobald der Ofen geöffnet wird, ist die Hitze noch in fünf Meter Entfernung spürbar. Mechanisch wird der Tiegel aus dem Feuer gefahren, läuft über Schienen an der Decke bis zum ersten Kasten. Zwei Gießer kippen den Tiegel in die Schräglage – und langsam fließt das rot glühende flüssige Metall in die Form. Mit jedem Guss nimmt der Qualm in der Werkstatt zu. Knapp eine halbe Stunde dauert die Prozedur. Dann sind alle Formen gegossen. „Rund 24 Stunden müssen die jetzt fertigen Skulpturen im Kasten auskühlen – auch der Mops. Dann können die Kästen geöffnet und die äußere Schamottehülle zerschlagen werden“, sagt Rohr.

Nachdem das passiert ist, ist das fertige Werk erstmals zu sehen: Stolz und rund steht die Möpsin da. Etwa sechs Kilo schwer ist sie – und sieht etwas löchrig aus. „Die Löcher müssen zugeschweißt werden. Sie sind durch die Nägel entstanden, mit denen die Schamotteformen miteinander verbunden waren. Nötig ist das, damit die Formen beim Gießen nicht verrutschen“, sagt Rohr. Vorher wird der Schamottekern im Innern der Figur unter Hochdruck mit Wasser ausgespült. In der Hexenküche gibt es den letzten Pfiff: Mit den Tinkturen kann Rohr die Möpsin rot, braun, grün, blau, gelb oder golden patinieren. Für welchen Farbton sich Gsell entscheidet, ist noch ungewiss. Und ob das Werk den Meister lobt – das zeigt sich bei der Einweihung am 6. Mai. Die Uhrzeit für den Festakt wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Spenden für den Mops sind bei der Volksbank Stuttgart BLZ 600 901 00, Kontonummer 232225001 willkommen. Stichwort: Mops. Weitere Arbeiten Gsells sowie von und Birgit Rehfeldts sind noch bis zum 18. Mai in der Galerie der Stadt Wendlingen zu sehen.

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