RB Leipzigs Sportdirektor und Trainer Ralf Rangnick war einst auch für Salzburg zuständig. Foto: dpa

Warum das konzerninterne Aufeinandertreffen von RB Leipzig und Red Bull Salzburg in der Europa League die Gemüter erhitzt – und wie die Verantwortlichen die Vorwürfe kontern.

Stuttgart/Leipzig - Wenn RB Leipzig an diesem Donnerstag in der Europa League auf Red Bull Salzburg trifft (21 Uhr/RTL Nitro), dann schäumt die Dose bei manch einem Strategen schon vorher über. Bühne frei für die Wortakrobaten: Dosenduell. Bullenreiten. Im Namen der Dose. Konzernkick. Büchsenkick. Dose voll. Oder: El Dosico. Keine Frage: Das Duell der Schwesternclubs erregt die Gemüter, und bei einigen Zeitgenossen erweckt es schon vorher Häme satt.

Zwei Clubs, ein Geldgeber: Dietrich Mateschitz

Die Vorbehalte liegen auf der Hand: Beide Clubs wurden von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz gegründet, beide bekommen Millionen von Euro aus dem Brausekonzern. Ralf Rangnick, jetzt Trainer und Sportdirektor beim sächsischen RB-Ableger, war einst auch als Sportdirektor für die Österreicher zuständig. Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff war bis vor einem guten Jahr Head of Global Soccer und als solcher für alle Konzernclubs, also auch für die in Salzburg, New York und Brasilien verantwortlich.

Jahrelang wurden etliche Spieler von Salzburg nach Leipzig transferiert. Seit 2012 eiste Leipzig insgesamt 17 Spieler aus der Filiale in der Mozartstadt los. All das erweckt zumindest Argwohn.

Wie die Red-Bull-Teams die Uefa-Kriterien erfüllen

Erst als RB Leipzig die Bundesliga stürmte und sich für die Champions League zu qualifizieren drohte, musste man bei Red Bull handeln. Denn die Regeln des Europäischen Fußballverbandes (Uefa) erlauben es nicht, dass eine juristische oder natürliche Person Kontrolle oder Einfluss auf mehr als einen Verein haben darf. Mintzlaff gab sein Konzern-Amt auf, die Salzburger lösten sich aus der Konzern-Gesellschaft und haben nur noch Red Bull als Hauptsponsor. „Alle Kriterien wurden erfüllt“, sagt Uefa-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti.

Um international spielen zu dürfen, musste das einst so enge Konstrukt also zumindest offiziell entflochten werden – ob das allerdings reicht und ob das auch in der Praxis so gelebt wird, diese Fragen rufen die Kritiker auf den Plan. Hat Leipzig etwa nach wie vor eine bessere Verhandlungsposition, wenn es einen Spieler aus Salzburg statt aus Bremen will? Und gibt es nun im konkreten Fall in der Europa League eine Ergebnisabsprache der beiden Clubs im Rückspiel?

Juristisch sauber, aber moralisch?

Ein direkt Betroffener hat dazu eine klare Meinung. Rune Bratseth, früher Abwehrmann von Werder Bremen und heute Vorstandsmitglied beim Leipziger und Salzburger Europa-League-Gegner Rosenborg Trondheim, sagt: „Als ich die beiden Vereine in der Gruppe gesehen, habe ich mich gefragt: Ist das erlaubt?“ Bratseth ergänzt: „Was juristisch recht ist, heißt nicht, dass es moralisch richtig ist. Vom Gefühl ist es nicht gut.“ Der Norweger befürchtet beim Rückspiel zwischen RB und RB Wettbewerbsverzerrung. „Was passiert, wenn beide am vorletzten Spieltag einen Punkt brauchen? Dass man den Verdacht hat, ist für die zwei Vereine nicht gut.“

Bratseths Worte sind Wasser auf die Mühlen der RB-Kritiker. Der inzwischen für den FC Augsburg verteidigende Martin Hinteregger hat mal angeprangert, dass Red Bull Salzburg durch die zahlreichen Abgänge in Richtung Leipzig geschwächt werde. „Die Art und Weise, wie Leipzig Salzburg kaputt macht, ist nicht schön anzuschauen“, schimpfte der frühere Salzburger.

Absprachen „nicht mit unseren Werten vereinbar“

Jetzt also gibt es das direkte Duell – und damit mehr als ein Gschmäckle? Fakt ist: Als sich beide Vereine dem Europacup und dem direkten Aufeinandertreffen näherten, ordnete die Uefa 2015 den Entflechtungsprozess an. „Die Clubs waren vor Jahren mal eng verzahnt, das ist nicht mehr der Fall“, sagt Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Sowohl aus Leipzig als auch aus Salzburg ist zu hören, dass es bei Transfers keine Absprachen mehr gebe. Dazu passt, dass der von Rangnick begehrte Salzburger Mittelfeldspieler Amadou Haidara kürzlich nicht nach Leipzig abgegeben wurde. Mintzlaff betont zudem, dass allein der Gedanke an Ergebnisabsprachen in der Europa League zwischen zwei Vereinen „nicht mit unseren Werten vereinbar ist“. Das sieht Dietrich Mateschitz ähnlich. „Eine Super-Auslosung“, betonte der Konzernchef kürzlich und ergänzte: „Der Bessere von beiden soll siegen.“ Und am Ende gewinnt Red Bull. So oder so.

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