Der Brief von Trump an Erdogan. Foto: AFP

Briefeschreiben zwischen Staatschefs ist durchaus noch üblich. Aber ein Schreiben von Donald Trump sorgt weltweit für Lacher. „Sei kein Narr“, schreibt er dem türkischen Präsidenten.

Washington - Wo hängt eigentlich der Briefkasten im Palast des türkischen Präsidenten in Ankara? Steht der Mülleimer gleich daneben – so wie an den Eingängen deutscher Hochhäusern, wo mancher die Reklameprospekte gleich entsorgt? Jedenfalls soll Recep Tayyip Erdogan, der Empfänger eines ziemlich ungehobelten Briefes von US-Präsident Donald Trump, dessen Schreiben unverzüglich weggeschmissen haben, wie der BBC aus Kreisen des Präsidenten in Ankara erfahren haben will. Warum der ständig Kurznachrichten über Twitter absetzende Trump jetzt altmodisch Briefe verfasst, ist auch so eine offene Frage. Binnen zehn Jahren hat er rund 45 000 Tweets oder Retweets verschickt. Gut möglich, dass Leute wie Erdogan diese Nachrichtenflut gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen wollen. Und Trump ahnt das, deshalb ein Brief.

Unverhohlene Drohungen

„Lieber Herr Präsident“, beginnt Trump sein vom 9. Oktober datiertes Schreiben mit dem Briefkopf des Weißen Hauses, geziert vom goldenen US-Wappen, an Erdogan. Dann kommt er rasch zu unverhohlenen Drohungen, mit denen er Erdogan vor einem Einmarsch in Syrien warnt. „Sie wollen nicht für das Abschlachten Tausender Menschen verantwortlich sein, und ich will nicht verantwortlich sein für die Zerstörung der türkischen Wirtschaft - aber ich werde es tun!“, mahnt Trump den türkischen Präsidenten. Der Brief schließt mit den Worten: „Spielen Sie nicht den starken Mann. Seien Sie kein Narr!“

Auf Twitter hat der Brief für Belustigung gesorgt:

Dass zwischen Staatschefs und Ministern verschiedener Länder bei grundsätzlichen Angelegenheiten Briefe geschrieben werden, das ist immer noch üblich. Meist werden sie eingescannt und gemailt, trotzdem gehen sie danach noch auf dem Kurierweg, also in einem Briefesack der diplomatischen Luftpost, in das Empfängerland. Dort werden sie meist vom Fahrer der Botschaft ins Außenministerium transportiert, dass es dann an den jeweiligen Adressaten weiterleitet. Auch Telegramme – Beglückwünschungen oder in Trauerfällen – sind durchaus üblich. Ist es ganz dringlich, dann schickt ein Staat dem anderen eine sogenannte Demarche – einen Brief, den der Botschafter persönlich ins Außenministerium bringt.

Seit der Antike wird geschrieben

Das Briefeschreiben zwischen Herrschern ist seit der Antike ein Mittel der politischen Kommunikation. Möglich, dass es heutzutage etwas aus der Mode gekommen ist. Legendär ist die Emser Depesche von 1870, die allerdings ein regierungsinternes Schreiben war und vom Empfänger, Kanzler Otto von Bismarck, an die Presse weiter gegeben worden ist – der Inhalt sorgte für so große Empörung in Paris, dass er als Auslöser für den deutsch-französischen Krieg galt. Berühmt sind die unzähligen Briefe, die Theodor Heuss, der erste Bundespräsident im Nachkriegsdeutschland, an die Bevölkerung und andere Politiker, etwa den Bundeskanzler Konrad Adenauer geschrieben hat. Am 19. Juni 1951 schrieb er beispielsweise an Adenauer im Streit um das Singen der dritten Strophe des Deutschlandliedes: „Verehrter Herr Bundeskanzler, es tut mir aufrichtig leid, in diesem Brief eine sachlichen und persönliche Beschwernis zum Ausdruck bringen zu müssen.“ Stilistisch ist solch ein Schreiben sicher meilenweit von Trumps Brief entfernt. Der hatte mit seinem Brief übrigens keinen Erfolg. Noch am gleichen Tag begann die türkische Armee den Einmarsch.

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